Basketball
Ludwigsburg | 23. September 2017

Korbleger

Vier Punkte pro Partie bei knapp vierzig Prozent Trefferquote aus dem Feld. Dazu jeweils ein Rebound und ein Assist pro Spiel. Die Statistiken klingen nicht so, als wäre David McCray (Foto: Baumann) einer der wichtigsten Spieler der Riesen – wie sehr Zahlen doch täuschen können. Die Fans wissen das; deshalb war die Freude groß, als McCray beim Fantreffen zum Abschluss der vergangenen Saison seine Vertragsverlängerung bis zum Sommer 2019 verkündete.

Elf Jahre ist es schon her, dass David McCray für die BG Karlsruhe seine ersten Punkte auf BBL-Parkett erzielte. Gegner damals zum Auftakt der Saison 2006/07: die EnBW Ludwigsburg, die erst im Halbfinale der Playoffs gegen den späteren Meister Bamberg ausschied, während Karlsruhe als Tabellenletzter chancenlos abstieg. In der Folge wechselte McCray von Baden nach Württemberg – und blieb gleich fünf Jahre in seiner neuen Heimat.

Nach Stationen in Bonn und Quakenbrück kehrte McCray zur Saison 2015/16 nach Ludwigsburg zurück und ist seitdem fester Bestandteil in der Rotation von Trainer John Patrick – und das hat vier gute Gründe.

McCray verteidigt in jeder Situation so, als ginge es gerade um die Meisterschaft. Neben seinem unendlichen Willen hilft ihm seine Erfahrung: McCray hat wohl nahezu alle Guards, die in den letzten zehn Jahren in der BBL aktiv waren, schon einmal verteidigt. Es ist schwer, einen wie ihn auf dem falschen Fuß zu erwischen.

Dazu schlüpft McCray immer mehr in die Rolle eines Spielertrainers. Sowohl auf dem Feld als auch von der Bank aus gibt er Anweisungen. Häufig achtet er auf die kleinen Details: Beispielsweise weist McCray seinen Coach sofort darauf hin, wenn ein gegnerischer Spieler in Foulprobleme gerät, damit das nächste Angriffssystem auf diese neue Situation abgestimmt werden kann.

Aber nicht nur aus spieltaktischer Perspektive leistet McCray wichtige Arbeit für sein Team, sondern er ist auch ein echter „Glue Guy“ – ein Spieler also, der das Team zusammenhält. Als Jack Cooley in der letzten Saison einmal unter dem gegnerischen Korb liegen blieb und das Spiel erst unterbrochen wurde, als alle anderen Akteure schon wieder in der Ludwigsburger Hälfte waren, rannte McCray im Vollsprint zurück zu seinem verletzten Teamkollegen und half ihm wieder auf die Beine.

Und schlussendlich ist David McCray die Identifikationsfigur Nr. 1 für alle Ludwigsburger Fans. In einem Basketball-Business, das von Einjahresverträgen und einer Hire-and-Fire-Mentalität geprägt ist, tut es gut, wenigstens einen Spieler zu haben, der über Jahre hinweg für einen Verein spielt. McCray erfüllt diese Rolle in Ludwigsburg perfekt. Keine Frage: David McCray ist ein wichtiger Bestandteil des Teams der Riesen und wird es auch in den kommenden zwei Jahren bleiben – allen Statistiken zum Trotz.

von Simon Linder
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