Basketball
Ludwigsburg | 10. Februar 2018

Korbleger

Von Beginn dieser Saison an war klar: Es gibt einen Spieler im Riesen-Kader, der unersetzbar scheint und sich auf keinen Fall schwerer verletzen sollte – genau ihn hat es nun getroffen. Für Johannes Thiemann (Foto: bm) ist die Saison wegen einer Oberschenkelverletzung beendet. Alle amerikanischen Spieler hätte man durch andere Spieler aus dem Ausland wohl wenigstens annähernd ersetzen können; die anderen deutschen Spieler haben zwar zum Teil sehr wichtige Rollen, diese hätten allerdings andere Spieler im Kader mit ausfüllen können. Bei Thiemann ist das anders. Die Ludwigsburger Bundesliga-Basketballer Riesen haben nun drei Optionen, wie sie auf diesen Ausfall reagieren können.

Option 1: Rückkehr zum Smallball

In seinen ersten Jahren als BBL-Coach in Göttingen setzte John Patrick vor allem auf kleine, wendige Aufbauspieler: Der „Guardterror“ ist bis heute in der Liga berüchtigt. Die Spieler pressten extrem hoch, zwangen den Gegner zu Ballverlusten und versuchten selbst immer so schnell wie möglich zu Abschlüssen zu kommen. Heute lässt Patrick von der Spielidee her noch ähnlich agieren, allerdings weniger radikal. Wollte der Ludwigsburger Trainer zu seinem alten System zurückkehren, bräuchte es keinen neuen Center – anstatt dessen würde neben Adam Waleskowski auch Dwayne Evans auf dieser Position aushelfen, Elgin Cook käme vor allem als Power Forward zum Einsatz.

Fraglich jedoch, ob man mit diesem System gegen gut vorbereitete Teams mit erfahrenen, abgeklärten Aufbauspielern eine Chance hätte.

Option 2: Nachverpflichtung eines deutschen Centers

Weil pro Partie maximal sechs ausländische Spieler im Kader stehen dürfen, wäre eine Nachverpflichtung eines deutschen Centers ideal, weil keine Umstrukturierungen auf anderen Positionen nötig würden. Das Problem: Der Markt ist leer gefegt, alle deutschen Center mit entsprechendem Niveau stehen unter Vertrag. Die einzige Chance könnte darin bestehen, einem ausländischen Klub gegen Ablöse einen deutschen Center abzukaufen. Versuchen könnten die Riesen ihr Glück beim französischen Zweitligisten Nantes, bei dem der Ex-Bremerhavener Waverly Austin eine sehr solide Saison spielt. Fraglich allerdings, ob Nantes, das Play-off-Chancen und Abstiegssorgen zugleich hat, überhaupt gesprächsbereit wäre.

Option 3: Nachverpflichtung eines ausländischen Centers

Die Nachverpflichtung eines ausländischen Centers ist die wohl wahrscheinlichste Option, die jedoch Umstrukturierungen auf den kleineren Positionen zur Folge hätte. Vor allem Adika Peter-McNeilly und Rocky Trice könnten wohl häufig nicht im Kader stehen. Das hätte zur Folge, dass unter anderem Niklas Geske deutlich mehr Einsatzzeit erhalten würde.

Keine Frage – die Verletzung von Johannes Thiemann stellt die Riesen vor eine große Herausforderung. Aber das Ende aller Hoffnungen auf eine weiterhin erfolgreiche Saison bedeutet dieser Ausfall noch lange nicht.

von Simon Linder
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