Basketball
Ludwigsburg | 26. Mai 2018

Korbleger

Die Enttäuschung war John Patrick anzusehen, als er nach Spiel 2 gegen Alba Berlin in der Pressekonferenz saß. Dort sprach er über den Charakter seiner Mannschaft. Der Kampfgeist hatte Ludwigsburg in dieser Saison weit gebracht. Genau der schien dem Team im möglicherweise letzten Heimspiel der Saison abhandengekommen zu sein. Die Spieler hätten mehr gegen sich gekämpft als gegen den Gegner.

Im ersten Spiel der Serie in Berlin hatten die Riesen noch wenig Grund gehabt, mit sich zu hadern. 35 Minuten lang spielten sie sich teilweise in einen offensiven Rausch. In den letzten fünf Minuten fiel allerdings kaum noch ein Wurf. Im zweiten Spiel lief es anders: Ludwigsburg begann nicht gut, hatte ein extremes Hoch im zweiten Viertel, fand dann allerdings überhaupt nicht mehr in den Rhythmus.

Dass Berlin diese Serie bisher dominiert, hat zwei Hauptgründe: Zum einen schmerzt, dass Justin Sears ausfällt und Johannes Thiemann nach seiner Verletzung noch nicht wieder voll angreifen kann. Vor allem defensiv ist der Ausfall der beiden Center zu spüren. Zum zweiten sind die Berliner Spieler zu ballsicher, um sich von der aggressiven Ludwigsburger Defensive unter Stress setzen zu lassen. Häufig versuchten zwei Riesen, den Aufbauspieler zu doppeln, um den Pass auf den Center zu unterbinden – selten klappte es.

Für die Riesen ist das eine frustrierende Situation. Die Art des Spiels, die sie ins Halbfinale gebracht hat, scheint dort nicht mehr zu wirken. Es ist nachvollziehbar, dass die Spieler ratlos wirken, vor allem wenn dann die eigenen Würfe nicht mehr fallen. Dennoch: Vorbei ist eine Serie erst, wenn ein Team drei Spiele gewonnen hat. Am Sonntag hat Ludwigsburg die Chance, die Serie zurück nach Hause zu holen.

Sollte es dazu kommen, dürfte die Stimmung so werden wie am Donnerstag. Der Lärmpegel Ende des zweiten Viertels war beeindruckend. Es bleibt faszinierend, wie laut 4000 Zuschauer werden können, wenn beide Fanclubs und die gesamte Halle gemeinsame Sache machen.

von Simon Linder
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