15. September 2018

Korbleger

Diesen Sommer hat einer der bekanntesten Spieler der BBL seine Karriere beendet. Nach dem Double-Gewinn mit dem FC Bayern gab Anton Gavel (Foto: Baumann) kürzlich bekannt, dass er seine Schuhe an den Nagel hängt. Gestartet hatte er seine Laufbahn in Deutschland bei der BG Karlsruhe, wohin er mit 15 Jahren aus der Slowakei kam. In Karlsruhe machte Gavel sein Abitur, bevor er mit 19 nach Gießen wechselte. Dort wurde er erstmals Leistungsträger eines BBL-Play-off-Teams. Mit Gießen kam er bis ins Halbfinale. Nach zwei Jahren in Hessen ging er nach Murcia, zwei Jahre später zu Aris Saloniki. 2009 kehrte Gavel nach Deutschland zurück, es folgten fünf Jahre in Bamberg und vier in München. In Bamberg und in München war Gavel eine Identifikationsfigur. In Bamberg wurde er trotz seines Wechsels zum Rivalen regelmäßig mit Applaus begrüßt.

Fünfmal gewann Gavel die deutsche Meisterschaft, viermal wurde er Pokalsieger. Er wurde ausgezeichnet als Rookie des Jahres, als Finals-MVP, zweimal als bester Verteidiger der Liga. Was er einem Team brachte, ist jedoch mit Titeln und Auszeichnungen nicht zu beschreiben: Gavel gab seinen Mannschaften – egal, wie hoch der Rückstand war – immer das Gefühl, noch gewinnen zu können. Wer mit Gavel auf dem Feld stand, konnte sich nicht zurücklehnen. Er zog seine Teamkollegen mit – bis zuletzt war er einer der galligsten und besten Verteidiger der Liga. Gavel ist ein leuchtendes Beispiel dafür, was mit einer hervorragenden Arbeitseinstellung zu erreichen ist.

Perfekt lief es in seiner Karriere allerdings nicht immer: Zu seiner Bamberger Zeit war Gavel ein sicherer Dreipunkteschütze gewesen. In den letzten Jahren ließ seine Quote deutlich nach. Ebenfalls verwehrt blieb ihm eine erfolgreiche Nationalmannschaftskarriere. Sein Wechsel von der slowakischen in die deutsche Auswahl wurde von vielen Nebengeräuschen begleitet. Als er bei der EM 2015 erstmals bei einem großen Turnier auftreten konnte, traf Gavel kaum einen Wurf und konnte so das frühe Ausscheiden nicht verhindern.

Dennoch: Gavels physische Spielweise war im vergangenen Jahrzehnt stilprägend für die Liga. Er war ein Basketballarbeiter, der wohl auch in den kommenden Jahren bei vielen BBL-Teams eine wichtige Rolle hätte übernehmen können. Er entschied sich anders und beendete mit 33 Jahren nach seinem ersten Titel mit den Bayern seine Karriere. So tritt er auf einem Höhepunkt ab. Auch das muss man erst einmal schaffen.

Simon Linder
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