Ludwigsburg | 26. August 2017

Korbleger von Simon Linder

Kaum da – schon war er wieder weg. Riesen-Neuzugang Michael Frazier war mit einer Knieverletzung angereist, die er sich in der vergangenen Saison zugezogen hatte. Das fiel beim Medizincheck natürlich auf. Und weil er noch wochenlang hätte pausieren müssen, trat der Vertrag mit Frazier erst gar nicht in Kraft. Nun ist die Planstelle auf der Shooting-Guard-Position wieder frei. Welche Qualitäten der Ersatz ins Ludwigsburger Team mitbringen sollte, zeigt ein Blick auf Fraziers Profil: einen guten Dreipunktewurf, die Fähigkeit, seinen eigenen Wurf zu kreieren und – fast schon Standard bei Coach John Patrick (Foto rechts) – eine hohe Aufopferungsbereitschaft und Cleverness in der Defensivarbeit.

Nun ist bekannt, dass der Ludwigsburger Trainer gerne mit Spielern arbeitet, die er schon kennt. Zuletzt holte er Adam Waleskowski und Kerron Johnson zurück in seine Mannschaft. Und auch bei der Nachverpflichtung für Frazier könnte es heißen: Warum fremde Spieler scouten, wenn das Gute liegt so nah? Denn ein alter Bekannter könnte tatsächlich der Spieler sein, der das Anforderungsprofil perfekt erfüllt: Rocky Trice (Baumann-Foto, l.).

Trice kann mit 33 Jahren höher springen als viele andere mit 23, er ist athletisch immer noch ungemein stark. Er ist ein exzellenter Verteidiger mit langen Armen, dazu ein sehr schlauer Spieler, der in jeder Situation blitzschnell die richtige Entscheidung treffen kann.

Er kreiert problemlos seinen eigenen Mitteldistanzwurf, den er hochprozentig trifft. Und auch ohne Ball bewegt er sich geschickt durch die Räume und ist oft anspielbar. Außerdem ist Trice das, was man in Basketballkreisen wenig zimperlich einen „Killer“ nennt: Umso schwieriger und wichtiger die Situationen sind, desto besser spielt und trifft er. In der Play-off-Serie gegen Ulm steigerte Trice seinen Punkteschnitt um die Hälfte; statt sowieso schon starken 42 Prozent der Dreipunktewürfe in der Hauptrunde traf er nun 50 Prozent aller Versuche von „Downtown“. Das absolute Highlight: sein Wurf zum Sieg im ersten Spiel der Serie 0,2 Sekunden vor Ablauf der Zeit.

Kurz nach Beginn der vergangenen Saison hatte Trice sein Team in Polen verlassen und war nach Hause in die USA gereist. Vielleicht hätte er seine Karriere beendet, wenn John Patrick nicht angerufen und ihm eine Rückkehr zu den Riesen angeboten hätte. Trice kam zurück und spielte besser als je zuvor. Keine Frage: Diese Verpflichtung war eine der Schlüsselentscheidungen, die die letzte Saison für Ludwigsburg so erfolgreich gemacht hat. Und auch jetzt gilt noch: Trice kennt die Liga, den Trainer, die Stadt, dazu wäre er mit seiner Erfahrung eine ideale Ergänzung zum jungen Adika Peter-McNeilly. Es ist davon auszugehen, dass Patrick die Nummer von Trice noch gespeichert hat. Spätestens seit Fraziers Abgang hat der Ludwigsburger Coach gute Gründe, noch einmal bei Trice durchzuklingeln.

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