Ludwigsburg | 04. November 2017

Korbleger von Simon Linder

Angebot und Nachfrage bestimmen bekanntlich den Preis. Diese Regel gilt auch im Basketball-Geschäft. Und da das Angebot an leistungsstarken, großen Centern klein ist, die Nachfrage dafür aber sehr groß, sind gute Center teuer. Außerdem gilt: Jeder Zentimeter mehr kostet Geld. Deshalb verpflichten viele Teams inzwischen kleinere Center. Gerade in einer Liga wie der BBL, die von schnellem Tempo und viel Athletik geprägt ist, bietet sich das an.

Da Ludwigsburgs Trainer John Patrick gerne aggressiv verteidigen lässt, setzt er besonders gerne auf „kleine Große“. Sie sind oftmals agiler als ihre größeren Gegenspieler. Deshalb wundert es auch nicht, dass mit Johannes Thiemann der größte Spieler im Ludwigsburger Kader „nur“ 2,05 m groß ist – bei allen anderen Clubs, bis auf den Mitteldeutschen BC, stehen größere Spieler in der Rotation. Zweiter Center neben Thiemann ist seit dieser Saison Justin Sears, er misst 2,03 Meter. Vergangene Spielzeit war Sears in Gießen aktiv, kannte daher die Liga schon. Der Neuzugang überzeugt nach einem starken Jahr in Hessen auch im gelb-schwarzen Dress: in der Defensive mit Präsenz, in der Offensive mit unkonventionellen Drehbewegungen, mit denen er sich immer wieder nah in Richtung Korb schraubt und dann zuverlässig per Hakenwurf abschließt.

Sears bringt dem Team aber noch mehr als die Summe seiner individuellen Stärken. Auffällig ist, dass der Ball sehr gut durch die Ludwigsburger Reihen läuft, wenn Sears auf dem Feld steht. Zwar ist die Zielstrebigkeit Richtung Korb nicht immer da – das kann aber im Laufe der Saison besser werden. An der guten Ballbewegung hat Sears einen wichtigen Anteil: Er wartet nicht unter dem Korb auf Anspiele, sondern ist in Bewegung – dadurch muss das verteidigende Team viel laufen und sich neuen Situationen anpassen. Bekommt Sears den Pass in der Halbdistanz, kann er entweder direkt abdrücken oder kraftvollen Schrittes zum Korb ziehen. Und im Schnellangriff treibt Sears gerne wie ein Guard den Ball nach vorne – diese Fähigkeit hat kaum ein anderer Center.

Keine Frage: Einer der Garanten des aktuellen Erfolgs ist Justin Sears. Und dann ist es auch gar kein Problem, dass er mit seinen 2,03 m für einen Center doch relativ klein – und mit 92 Kilogramm auch noch verhältnismäßig leicht ist. Zum Verhältnis: Jack Cooley, Jason Boone und Jon Brockman brachten über zwanzig Kilo mehr auf die Waage.

Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige