Champions League
Bamberg | 17. Oktober 2018

Riesen nach Gefühlschaos gefordert

Die Spannung nach der Nervenschlacht bei den Brose Baskets Bamberg ist kaum abgeklungen, da geht es für die MHP-Riesen Ludwigsburg schon weiter. Heute Abend um 20 Uhr empfangen die Bundesliga-Basketballer das italienische Team Avellino in der Champions League.

Endstation: Riese Konstantin Klein (rechts) wird von Patrick Heckmann gestoppt.Foto: Eibner
Endstation: Riese Konstantin Klein (rechts) wird von Patrick Heckmann gestoppt.Foto: Eibner

John Patricks Worte passten am späten Montagabend nicht zu seinem Gesichtsausdruck. „Insgesamt bin ich sehr stolz, wie wir uns präsentiert haben. Ein bisschen mehr Disziplin und Coolness in der Crunchtime hätten uns noch geholfen“, sagte der Trainer der MHP-Riesen Ludwigsburg mit ernster Miene und ruhiger Stimme nach der ersten Saison-Niederlage seiner Basketballmannschaft in der Bundesliga. Dass nach großem Kampf die Belohnung ausblieb, sorgte bei dem Coach und seinen Spielern für eine Mischung aus Frust und Stolz.

Viele Fouls und vergebene Würfe

Bei den Brose Baskets Bamberg unterlagen die Ludwigsburger knapp mit 91:93 nach Verlängerung. In den 45 Minuten zuvor zeigten die Riesen bei weitem keine fehlerfreie Leistung, vergaben zu viele freie Würfe und foulten zu oft. Die Bamberger kamen so zu insgesamt 55 Freiwürfen – ein neuer Ligarekord. Aber das neuformierte Team kämpfte leidenschaftlich und hielt den neunfachen Meister so in Schach. Selbst als Nikolas Zisis 54 Sekunden vor Schluss per Dreier das 78:74 erzielte, gab Ludwigsburg nicht auf. Adam Waleskowski aus der Halbdistanz und der ehemaliger Bamberger Trevor Mbakwe brachten die Riesen 1,2 Sekunden vor Ablauf der Spielzeit in die verdiente Verlängerung.

In den zusätzlichen fünf Minuten blieb es spannend. Erst zwei Minuten vor Schluss gelang den Gastgebern ein 5:0-Lauf. Während Kelan Martin einen freien Dreierwurf vergab, traf Patrick Heckmann auf der Gegenseite zum 92:87. Um diesen Vorsprung aufzuholen, fehlten die Kraft und ein wenig Glück. „Es war ein Schritt in die richtige Richtung. In Bamberg kann man verlieren“, sagte David McCray nach dem Kräftemessen mit den Franken.

Zuvor hatten die Riesen im Pokal gegen Göttingen und in der Champions League gegen Bandirma verloren. In beiden Spielen brach die Mannschaft nach guten Phasen komplett ein. In Bamberg hielt das Team dem Gegenwind stand, denn auch die Brose Baskets spielten aggressiv. Unter der Woche hatten die Ludwigsburger die fehlende Konstanz bei einem Gespräch nach dem Training aufgearbeitet, wie McCray berichtete: „Wir haben gesagt, dass wir zusammenstehen müssen. Egal, was auf dem Feld passiert, wir müssen hart verteidigen und zusammenspielen.“

Auf diese Tugenden wird es auch heute Abend ankommen, wenn die Riesen das italienische Team Sidigas Avellino um 20 Uhr zum zweiten Gruppenspiel in der Champions League empfangen. Die Süditaliener gelten in der gut besetzten Gruppe A als einer der Favoriten. Am ersten Spieltag (100:93-Sieg bei Nizhny Novgorod) zeigte das Team bereits seine Qualitäten und konnte sich auf Point Guard Norris Cole verlassen. Der US-Amerikaner gewann mit Miami Heat an der Seite von Superstar LeBron James zweimal die Meisterschaft in der NBA.

Viel Zeit hatten die Gelb-Schwarzen nicht, um die Nervenschlacht in Bamberg zu verarbeiten. Gestern war für das Team erst ausschlafen angesagt, danach Regenerationsprogramme und Videoanalyse. Das muss reichen, um heute Abend gegen die Italiener zu bestehen.

Marco Jaisle
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