Gießen | 19. März 2018

Riesen stellen Bestmarken auf

Ludwigsburgs Basketballer schlagen Gießen mit 118:98 – Eklat am Rande

Thomas Walkup. Foto: Vogel
Thomas Walkup. Foto: Vogel

Es war ein denkwürdiges Spiel, so viel stand schnell fest: Denn die MHP-Riesen Ludwigsburg hatten beim 118:98 (71:47) in Gießen ein Offensivfeuerwerk gezündet, das in der Basketball-Bundesliga (BBL) diese Saison seinesgleichen sucht. Dazu gab es allerlei im Drumherum, das diese Partie wirklich besonders machte.

Es ging schon vor dem Spiel los, als sich Riesen-Coach John Patrick über einen unangenehmen Geruch in der Gästekabine der Sporthalle Ost beschweren musste: Deutlich soll es nach Fäkalien gerochen haben – sogar der technische Kommissar der BBL musste zum Testschnuppern in die Umkleide.

Doppelte Motivation

Gemeinsam mit der Erinnerung an die knappe 81:83-Niederlage im Hinspiel sorgte das jedenfalls für viel Motivation bei den Barockstädtern: Die ersten 15 Würfe aus dem Feld gingen allesamt ins Netz, erst ein Dreierversuch von Elgin Cook 2:20 Minuten vor Ende des Viertels traf nur den Ring. Nach zehn Minuten hieß es 42:22 – der erste Riesen-Rekord an diesem Abend. Kein Team hatte in dieser Saison so viele Punkte binnen eines Spielabschnitts erzielt.

Für Ludwigsburg, die auf Ex-Gießener Dwayne Evans (Leiste) und Jacob Wiley (Magen-Darm) ebenso verzichten mussten wie auf den langzeitverletzten „Sportler des Jahres“ in Ludwigsburg, Johannes Thiemann, jedoch kein Grund, vom Gas zu gehen: Angeführt von Justin Sears, letzte Saison selbst noch in Gießen aktiv, lief die Offensivmaschine auch im zweiten Viertel auf Hochtouren.

Das wurde nun aber fast schon zur Nebensache: Denn die Gießener, Fans wie Mannschaft, schossen sich auf die Unparteiischen ein. Nachdem Star-Center John Bryant bereits nach gut einer Viertelstunde Spielzeit mit vier Fouls auf die Bank beordert wurde, meckerte Forward Benjamin Lischka zunächst so lange und ausdauernd, bis ihn das Trio in Grau mit einem technischen Foul belegte. Das wiederum brachte nicht nur die 3426 Fans in Rage, sondern auch 46ers-Trainer Ingo Freyer (2001/2002 als Spieler in Ludwigsburg aktiv), der sich den Ball schnappte und in bester Mittelstürmer-Manier wutentbrannt auf die Tribüne kickte.

Bierbecher flogen auf das Feld, die Security zog auf. „Das gehört nicht zum Basketball“, stellte John Patrick nach dem Spiel zutreffend fest. Doch seine Schützlinge blieben fokussiert, schnürten mit ihrer Defensive auch weiterhin den 46ers den Spielfluss ab und hatten zur Pause eine souveräne 71:47-Führung inne – auch die 71 Zähler sind ein neuer Rekord.

Ludwigsburg hielt den Druck hoch, knackte bereits acht Minuten vor dem Ende die Marke von 100 Punkten und ging erst dann langsam vom Gas. So plätscherte die Partie ihrem Ende entgegen, wobei die 118 Punkte wiederum eine neue Saisonbestleistung in der Liga darstellen.

Patrick kritisiert Gastgeber

Und während sich die Riesen von den mitgereisten 100 Ludwigsburger Fans feiern ließen, gab es noch einen weiteren Eklat: Gießens Trainer Freyer sprach davon, dass „die Gegner“ seinen Star John Bryant vorsätzlich unfair angehen würden, um den Center zu stoppen. Patrick fühlte sich angegriffen, nannte die Ausführungen seines Kollegen „völligen Blödsinn“, „unprofessionell“ und Aussagen auf „sehr niedrigem Niveau“.

„Wir haben, trotz der emotionalen Zuschauer, einen kühlen Kopf behalten. Ein sehr wichtiger Auswärtssieg“, war Patrick nach dem Spiel zufrieden und stellte noch einmal das verlorene Hinspiel hinaus: „Es war sehr wichtig, dass wir das im Kopf hatten: Für uns war es ein Revanche-Spiel, wir waren sehr motiviert.“ Rückkehrer Sears freute sich ebenfalls über den Sieg bei seinem alten Arbeitgeber: „Coach Patrick hatte einen guten Plan. Und meine Teamkollegen wollten mir eine erfolgreiche Rückkehr ermöglichen und haben mich toll unterstützt.“

Martin Vogel
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