Basketball
Berlin | 23. Mai 2018

Riesen suchen Schuld bei sich

Nach der Auftaktniederlage in der Play-off-Halbfinalserie gegen Berlin wollen Ludwigsburgs Basketballer ihre Lehren ziehen

Diskussionsbedarf: John Patrick teilt den Schiedsrichtern seine Meinung mit – und muss kurz darauf die Halle verlassen.Foto; Annegret Hilse/dpa
Diskussionsbedarf: John Patrick teilt den Schiedsrichtern seine Meinung mit – und muss kurz darauf die Halle verlassen.Foto; Annegret Hilse/dpa

Die Mitarbeiter der Mercedes-Benz-Arena in Berlin räumten schon die Halle auf, von den 8210 Zuschauern war ohnehin kaum einer mehr im weiten Rund, da standen die Trainer der MHP-Riesen Ludwigsburg noch in Mitten des Basketballfeldes der Berliner Arena.

Headcoach John Patrick und sein Co-Trainer Joey Cantens hatten ihre sonst in so markantem gelb leuchtenden Krawatten bereits abgelegt und tauschten sich über das soeben mit 87:102 verlorene Play-off-Spiel gegen Alba Berlin aus. Patrick war nun wieder mehr der nüchterne Analyst denn der impulsive Trainer, der kurz zuvor im ersten Spiel des Halbfinals der Basketball-Bundesliga noch der Halle verwiesen wurde.

Mitte des zweiten Viertels beschwerte sich der Riesen-Trainer lautstark bei den Offiziellen. „Jeremy Senglin wurde von Luke Sigma gefoult, die Schiedsrichter haben das nicht gesehen und ich habe geschimpft“, schilderte Patrick die Situation und gestand ein: „Ich habe das Technische Foul verdient, weil ich geschimpft habe.“ Jedoch überraschte ihn die Konsequenz der Referees. „Ich hätte nicht erwartet, dass ich ein zweites bekomme“, fügte der 50-Jährige dann an.

Pfeifkonzert gegen Patrick

Dass Patrick ausgerechnet in diesem Spiel der Halle verwiesen wurde, ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Zunächst wegen seiner Aussagen unter der Woche, als er unter anderem gegenüber unserer Zeitung monierte, dass Alba sehr viele Fouls durch Flops, also Schwalben, provoziere. Auch Berliner Zeitungen und Internetportale berichteten über diese Kritik, weshalb bei der Verkündung des Riesen-Kaders in der Mercedes-Benz-Arena am Montagabend nach Patricks Namen ein kleines Pfeifkonzert folgte.

Umso größer war dann der hämische Beifall nach seinem Rausschmiss. Auch nach dem Spiel hält Patrick das Thema Flopping für einen „guten Diskussionspunkt“, fügt aber auch an: „Das ist nicht der Grund, warum wir heute verloren haben.“

Der andere kuriose Aspekt von Patricks Disqualifikation vor zwei Tagen: Der letzte Hallenverweis des US-Amerikaners liegt beinahe auf den Tag genau ein Jahr zurück. Gegen Ratiopharm Ulm kassierte der Riesen-Coach im fünften Spiel des letztjährigen Play-off-Viertelfinals ebenfalls im zweiten Viertel zwei aufeinanderfolgende Technische Fouls. Und auch damals hieß der Schiedsrichter – wie am Montag in Berlin – Martin Matip. „Es sind immer dieselben Schiedsrichter, die das machen“, sagte Patrick dazu.

Wichtige Erkenntnisse

Fernab der ganzen Schiedsrichterdebatte lieferte das sportlich sehr intensiv geführte Spiel aber auch wichtige Erkenntnisse. Zu den Positiven aus Sicht der Riesen gehörte, dass sich die Ludwigsburger trotz teilweise über zehn Punkten Rückstand immer wieder an die favorisierten Berliner herankämpften und sogar gut sechs Minuten vor Spielende in Führung gingen.

Zu den Negativen allerdings gesellte sich, was danach passiert ist. „Dann haben wir den Ball schlecht bewegt und eine abartige Defensive gespielt in den letzten fünf Minuten“, monierte Patrick. Seinem Team ging am Ende die Luft aus. Von einem trügerischen Ergebnis zu sprechen, das den Spielverlauf nicht wiedergibt, wollte sein Co-Trainer Cantens aber dennoch nicht. „Alba hat 102 Punkte gemacht, wir 87. Wir waren am Ende ein bisschen müde, aber es ist ein 40-Minuten-Spiel. Wir können nicht 30 Minuten gut spielen und sagen, wir haben gut gespielt.“

Am Donnerstagabend um 20 Uhr kommen nun die Berliner in die MHP-Arena. Dann wird Patrick wieder an der Seitenlinie stehen, auch wenn Cantens in seiner Abwesenheit „einen super Job gemacht hat“, bescheinigte Patrick, der dann sogar noch zu Witzen aufgelegt war. „Es war vielleicht sogar besser, dass ich raus war“, konnte er nach dem Spiel bei Alba schon wieder lachen.

Philipp Böhl
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