Derbysieg
Ludwigsburg | 08. Mai 2017

Riesen zwingen Ulm in die Knie – dank Rocky Trice

Die MHP-Riesen Ludwigsburg haben dank eines 96:93-Siegs nach Verlängerung beim Hauptrundenersten in Ulm die 1:0-Führung im Play-off-Viertelfinale der „best of five“-Derbyserie übernommen. Der Held des Abends war Rocky Trice, dessen Dreier in der Schlusssekunde für die Entscheidung sorgte und Ulm wie schon im Pokal-Viertelfinale erneut in die Knie zwang.

Drei gegen einen: Der Ulmer Raymar Morgan (Mitte) wurde zum wertvollstes Spieler der BBL-Saison gekürt, entsprechend hart attackieren ihn die Ludwigsburger Johannes Thiemann (links), Chad Toppert und David McCray (rechts). Foto: Baumann
Drei gegen einen: Der Ulmer Raymar Morgan (Mitte) wurde zum wertvollstes Spieler der BBL-Saison gekürt, entsprechend hart attackieren ihn die Ludwigsburger Johannes Thiemann (links), Chad Toppert und David McCray (rechts). Foto: Baumann

Als Wladimir Klitschko vor einer Woche in der 11. Runde vor 90 000 Zuschauern im Londoner Wembley-Stadion zum zweiten Mal auf die Bretter ging, gab es für ihn keine Verlängerung. Aus und vorbei hieß es nach aufopferungsvollem und gleichwertigem Kampf gegen den neuen Schwergewichts-Weltmeister Anthony Joshua, der selbst einmal angezählt worden war.

Parallelen zu diesem größten WM-Boxkampf der vergangenen Jahre zeigten sich am Samstag in der ausverkauften Basketball-Arena in Ulm. 6700 Zuschauer peitschten von der ersten Minute an ihr Team mit einem Höllenlärm nach vorn und machten damit der Auszeichnung „beste Fans der Liga“, die sie von den Trainern und Spielern der BBL zuvor erhalten hatten, alle Ehre. Doch anders als Joshua oder Klitschko zogen sich beide Teams gleich zweimal am eigenen Schopf aus dem Schlamassel. In einem hochklassigen und emotionalen vierten Viertel kamen die Ulmer in der Schlusssekunde durch einen Dreipunktewurf von Braydon Hobbs (18 Punkte/6 Dreier) zum 83:83-Ausgleich. Erst in der Verlängerung hatten die Ludwigsburger Riesen das glücklichere Ende. Ausgerechnet dank eines Spielers, der über drei Jahre selbst die Ulmer Farben getragen hatte – Rocky Trice.

Der Shooting Guard zelebrierte ab der zweiten Spielhälfte eine Ein-Mann-Show, die den Ligaprimus mehr und mehr entnervte. Sein Treffer in letzter Sekunde der Overtime zum 96:93-Triumph traf die favorisierten Ulmer ins Mark, und war die Krönung auf eine Leistung, die den 32-jährigen Routinier zum Topscorer (25 Punkte/7 Dreier) des Spiels und von seinen Mitspielern zum umjubelten Matchwinner machten. „Es war ein unglaublich intensives Spiel. Wir hatten einen Sahnetag von draußen, vor allem Rocky Trice bei seiner Heimkehr nach Ulm“, lobte der nervlich sichtlich mitgenommene Riesen-Trainer John Patrick.

Das Ulmer Team von Trainer Thorsten Leibenath ging durch die Bekanntgabe der Vertragsverlängerung von Tim Ohlbrecht („Ich bleibe bis 2020“) und die Wahl von Raymar Morgan zum wertvollsten Spieler der BBL-Saison (MVP) hochmotiviert ins Spiel. Doch Trice, der erst Ende des zweiten Viertels seinen ersten Dreier versenkte und damit nach einem 19:33-Rückstand (!) die 39:38-Habzeitführung ermöglichte, übernahm nach der Pause vollends das Kommando. Unterstützt wurde er von DJ Kennedy, der sich zwar einige Schrittfehler und sechs Ballverluste leistete, in entscheidenden Momenten an der Freiwurflinie aber cool blieb und selbst 21 Punkte beisteuerte. Neben dem spielstarken Regisseur Cliff Hammonds feierte Chad Toppert nach seinem Bandscheibenvorfall ein gelungenes Comeback und trug mit vier Dreiern zum Erfolg bei.

von andreas steimann
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