Basketball
Ludwigsburg | 10. Mai 2017

Zeit spricht für die lädierten Profis

1:0 für Ludwigsburg. Mit dem 96:93-Verlängerungscoup haben die MHP-Riesen in der Play-off-Viertelfinalserie den Heimvorteil an sich gerissen. Nun wollen sie heute Abend (20.30 Uhr) gegen Ulm nachlegen. Der Weg ins Halbfinale ist noch lang. Entscheidend könnten die Spieler werden, die seit Wochen das Lazarett hüten. Die Zeit spricht für sie.

Spuren der Saison: Kelvin Martinkönnte heute ins Team zu...
Spuren der Saison: Kelvin Martinkönnte heute ins Team zu...
..Martin Breunig...
..Martin Breunig...
... und Chad Toppert stoßen.
... und Chad Toppert stoßen.
Für Tekele Cotton ist die Leidenszeit noch nicht vorbei. Fotos: Baumann
Für Tekele Cotton ist die Leidenszeit noch nicht vorbei. Fotos: Baumann

Für John Patrick ist die Spielzeit 2016/2017 ein Langzeit-Abenteuer. „Wir haben gewusst, dass es diesmal eine besonders lange Saison wird und schon früh gesagt, dass wir unser bestes Basketball im Mai spielen wollen“, sagt der Trainer der MHP-Riesen vor dem zweiten Play-off gegen den schwäbischen Nachbarn aus Ulm, das er als „Schlüsselspiel in der Serie“ bezeichnet.

Gemeinsam mit seinem Team, das den Erfolg in Ulm trotz des „Sahnetags“ von Rocky Trice (25 Punkte, 7 Dreier) durchaus selbstkritisch analysiert hat, will sich der Coach heute in der restlos ausverkauften MHP-Arena gegen den souveränen Hauptrundenersten so teuer wie möglich verkaufen. „Wir haben die Chance, 2:0 in Führung zu gehen, dafür müssen wir uns aber noch einmal deutlich steigern“, ergänzt er.

Natürlich spielt die Frage, wer von den drei Langzeitverletzten Tekele Cotton (Handwurzelbruch), Kelvin Martin (Muskelbündelriss im Oberschenkel) und Chad Toppert wieder zur Mannschaft stoßen kann, auch für den Trainer eine zentrale Rolle. Dass es mit der Genesung wider Erwarten schnell gehen kann, zeigte neben Martin Breunig, der sich im Spiel gegen Tübingen einen Nasenbeinbruch zuzog und wenige Tage später schon wieder (mit Gesichtsmaske) auflief, Ende vergangene Woche auch Chad Toppert. Noch am Donnerstag hatte der Flügelspieler mit den Folgen seines Bandscheibenvorfalls, den er sich Mitte April nach seinem starken Auftritt gegen Würzburg (6 Dreier) zugezogen hatte, zu kämpfen, konnte aber erstmals wieder ein wenig mit der Mannschaft trainieren. Am Samstag stand der 31-Jährige in Ulm überraschend im Aufgebot und trug mit vier versenkten Distanzwürfen wesentlich zum Erfolg bei. „Er hat uns viel gegeben“, freut sich Patrick über den ehemaligen Bayern-Profi, den er im August 2016 nach Ludwigsburg gelotst hatte.

Kniffliger ist die Angelegenheit bei Cotton und Martin. Beide Spieler verletzten sich schwer. Defensivspezialist Cotton traf es am 18. März im Spiel gegen Braunschweig, Power Forward Martin eine Woche später im Champions-League-Halbfinale gegen Banvit Bandirma. Mehr als sechs Wochen fehlen die beiden Leistungsträger schon, waren aber – und das spricht für den außergewöhnlichen Teamgeist – bei jedem Pflichtspiel zugegen und klebten geradezu an der Mannschaft. Grünes Licht kann der Coach für beide allerdings (noch) nicht geben. Insbesondere bei Cotton, der am vergangenen Freitag zum zweiten Mal an der Hand operiert wurde und wegen der Schmerzen nicht mit nach Ulm reisen konnte, dürfte sich der Heilungsprozess noch hinziehen. „Er ist momentan kein Thema und es ist fraglich, ob er diese Saison überhaupt noch spielen kann“, überwiegt bei Patrick die Skepsis.

Etwas rosiger sieht die Sache bei Kelvin Martin aus. Er hat bereits einige Übungen absolviert. Sein Einsatz ist aber eine Frage der Zeit „und natürlich des Risikos, das wir eingehen“, so Patrick, der auch auf die Verletztenliste der Ulmer schaut. Beim Gegner steht die Rückkehr von Da’Sean Butler offenbar unmittelbar bevor. „Eine tiefe Elfer-Rotation würde uns also helfen, denn Butler ist eine echte Waffe“, sagt Patrick.

Fest rechnen können die Riesen-Fans heute Abend also nur mit Toppert und Breunig. Der „Maskenmann“ ist durch seinen Kopfschutz zwar in der seitlichen Sicht stark eingeschränkt, will sich aber voll reinhängen. „Der ist einer, der klagt nie“, lobt der Coach seinen Back up.

von andreas steimann
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