interview
14. September 2018

„Ich bin als Allrounder eingeplant“

Beim Eishockey-Zweitligisten SC Bietigheim-Bissingen gehört Rene Schoofs sozusagen schon zum Inventar. Vor dem heutigen Saisonstart gegen Aufsteiger Deggendorf spricht der 33-Jährige über Vereinstreue, Rekorde und den Traum vom Aufstieg.

Siegertyp: Rene Schoofs mit der Meistertrophäe der Deutschen Eishockey-Liga 2. Foto: Baumann
Siegertyp: Rene Schoofs mit der Meistertrophäe der Deutschen Eishockey-Liga 2. Foto: Baumann

Seit 2001 tragen Sie das Steelers-Trikot. Es gab doch sicher auch mal Angebote anderer Clubs, oder?

Rene Schoofs: Es gab eigentlich keine Überlegung, hier wegzugehen. Ich habe immer meine Eiszeit bekommen und bin mit den Trainern gut ausgekommen. Außerdem stammt meine Familie aus der Region und es hat mir hier einfach gefallen. Die DEL wäre sicher ein Thema gewesen, aber da gab es nichts Konkretes.

Sie sind jetzt 33. Wollen Sie Ihre Karriere in Bietigheim beenden oder ist der Wechsel zu einem anderen Verein auch noch denkbar?

Ich weiß zwar nicht, wie lange ich noch spielen kann, aber ich habe nicht vor, den Verein zu verlassen und möchte meine Karriere gerne hier beenden.

Sie haben sich sicher schon Gedanken gemacht, was nach der aktiven Zeit passiert?

Ich habe neben dem Eishockey Fahrzeugtechnik studiert an der Fachhochschule Esslingen und vor etwa zwei Jahren mit dem Bachelor abgeschlossen. Es ist schon der Plan, dann in dieser Richtung etwas zu machen.

Ganz auf Eishockey wollten Sie sich nicht verlassen?

Der Profisport ist so schnelllebig, da war mir das Studium schon wichtig. Es ging über sieben Semester, ich habe aber acht Jahre dafür gebraucht, weil ich es immer nur im Sommer machen konnte. Ich bin froh, dass das geklappt hat und ich auf jeden Fall einen Abschluss habe.

Das ist auch eher ungewöhnlich für einen Profisportler.

Es ist ein Aufwand, natürlich. Und war auch nicht immer einfach. Ich habe mit einem Fernstudium angefangen, aber das war gar nichts für mich. Da habe ich gemerkt, alles mir selber beizubringen, ist sehr schwierig. Da muss man sehr diszipliniert sein. Und so war das Studium in Esslingen für mich die optimale Variante.

Mit angeblich 666 Pflichtspielen sind Sie der Rekordspieler der zweithöchsten Liga. Stimmt das so?

Also mir wurde gesagt, dass es sogar mehr als 850 sind. Da gibt es glaube ich keinen Spieler, der mehr hat.

Hat diese Zahl eine besondere Bedeutung für Sie?

Absolut. Ich bin schon froh, für die Steelers so viele Spiele absolviert zu haben. Das ist schon etwas Besonderes. Mal schauen, wie viele es noch werden. Ich habe jedenfalls irgendwann aufgehört zu zählen.

Was auffällt ist, dass Sie bislang von schweren Verletzungen weitgehend verschont geblieben sind. Außerdem haben Sie wenig Strafzeiten gesammelt. Ist das Ihrer Spielweise zuzuschreiben?

Man kann sich gut vorbereiten, aber es gehört auch Glück dazu. Ich hatte auch mal eine schwere Verletzung am Rücken, die war aber zum Glück am Ende der Saison. Und zum Thema Strafzeiten: Ich bin einfach von der Spielweise nicht der Spieler, der viele Strafen nimmt.

Beim Thema Auf- und Abstieg zwischen den beiden höchsten Spielklassen ist jetzt eine Einigung erfolgt, wenn auch erst für die Saison 2020/2021. Ist der DEL-Aufstieg für Sie auch noch mal ein persönliches Ziel nach vier Zweitliga-Meisterschaften und zwei Pokalsiegen mit Bietigheim?

Das ist erst einmal ganz wichtig für das deutsche Eishockey, für die Zuschauer und für die Sponsoren. Aber das ist echt noch lange hin. Der Aufstieg, das wäre natürlich noch mal eine schöne Abrundung der Karriere. Aber eigentlich konzentriere ich mich jetzt auf diese Saison und da müssen wir wieder gutes Eishockey zeigen.

Nach sieben Jahren unter Trainer Kevin Gaudet müssen Sie sich jetzt mit Hugo Boisvert auf einen neuen Coach einstellen. Gibt es neue Abläufe?

Wir haben schon das System ein bisschen umgestellt. Das muss jeder Spieler erst einmal kennenlernen. Aber damit kann man vielleicht auch den Gegner etwas überraschen.

Wissen Sie schon, mit wem Sie in einer Reihe spielen. Hat sich das schon herauskristallisiert?

Nein, ich weiß nicht einmal, ob ich Stürmer oder Verteidiger spiele. Ich bin ein bisschen so als Allrounder eingeplant. Das heißt, ich werde da spielen, wo es ein bisschen brennt.

Ihr habt wieder ein eingespieltes Team mit nur fünf Zugängen, wenn man die Förderlizenzspieler einmal außen vor lässt. Ein ganz großer Umbruch fand nicht statt.

Das ist auch wichtig. Man versucht sich punktuell immer zu verbessern. Aber man baut auch auf die erfahrenen Spieler, die Meister geworden sind und bei denen man vermuten kann, dass sie es draufhaben könnten (lacht).

Zum Auftakt kommt heute Aufsteiger Deggendorf mit dem langjährigen Steelers-Spieler Justin Kelly in die Arena. Ein interessantes Duell, oder?

Auf ihn freue ich mich. Mit Justin habe ich 2008 schon zusammengespielt und 2009 die Zweitliga-Meisterschaft geholt. Bei den Kanadiern ist es ja oft so, dass man sie aus den Augen verliert. Aber so ist es einfach schön.

Sagen Sie bitte noch etwas zur Zielsetzung der Steelers in der neuen Saison.

Die Ansprüche sind natürlich schon da. Wir wollen oben mitspielen, in der Hauptrunde unter den Top 4 landen. Und dann in den Play-offs kann immer alles passieren. Da muss man sich neu finden und Gas geben. Da geht es um die Intensität, während es in der Hauptrunde eher auf die Konstanz ankommt und man sich keinen Durchhänger leisten darf. Das ist manchmal sogar gefühlt schwieriger als den Titel zu gewinnen.

fragen von karl-heinz ullrich
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