Bürgschaften
Bietigheim-Bissingen | 27. Januar 2018

Viele Fragezeichen in der DEL 2

Die 2. Eishockey-Liga kämpft weiter um Aufstiegsrecht – Gaudets Zukunft in Bietigheim unklar

Ein Bild von Steelers-Fans aus dem Jahr 2013, das nicht an Aktualität verliert: Fans wünschen sich eine Verzahnung von DEL und DEL 2. Archivfoto: Baumann
Ein Bild von Steelers-Fans aus dem Jahr 2013, das nicht an Aktualität verliert: Fans wünschen sich eine Verzahnung von DEL und DEL 2. Archivfoto: Baumann

Die Enttäuschung in der Deutschen Eishockey Liga 2 (DEL 2) war riesig, nachdem ein Schiedsgericht des Instituts für Schiedsgerichtbarkeit letzte Woche verkündete hatte, dass „ein Teil der von den Bietigheim Steelers eingereichten Sicherheitsleistungen nicht den vertraglich vereinbarten Voraussetzungen entsprochen hat.“ Bereits Tags darauf zierte ein schwarzes Banner mit der Aufschrift „Pro Auf- und Abstieg“ die Tribüne der Bietigheim Steelers im Spiel gegen Crimmitschau. Mit dem Urteil steht fest: Bis mindestens 2019 wird kein Auf- und Absteiger zwischen DEL und DEL 2 ermittelt werden. Damit es 2020 klappen könnte, startet die DEL 2 einen neuen Anlauf, steht aber mächtig unter Druck.

In einer ersten Stellungnahme vergangene Woche äußerten sich die Bietigheimer und hoben hervor, sie seien „entsetzt, fassungslos, enttäuscht“ und fühlten sich sogar „betrogen“. Geschäftsführer Volker Schoch beschwerte sich über den Formalismus der DEL. „Gescheitert ist es daran, dass man das Haar in der Suppe gesucht und gefunden hat“, sagt Schoch nun. Die DEL in Person von Geschäftsführer Gernot Tripcke widerspricht: „Diese Aussagen sind schlicht falsch und durch das Schiedsgericht eindeutig beschieden“, zudem mahnt er: „Nach dem eindeutigen Urteil sollte man in Bietigheim aufhören, die Schuld bei anderen zu suchen und sich auf die nächste Bewerbung konzentrieren.“

Der von Schoch bemängelte Formalismus bezieht sich auf die vergleichsweise geringe Summe, an der der DEL 2-Antrag gescheitert ist. Hierfür haben sechs Zweitligisten im März 2017 Bankbürgschaften im Gesamtvolumen von 4 896 000 Euro vorgelegt, jeder Club 816 000 Euro. Offiziell gescheitert ist das Unterfangen wegen einer Bürgschaft von 15 000 Euro, die die Steelers vorgesetzt haben. „Die Bürgen waren alle belastbar. Für die DEL bestand zu keinem Zeitpunkt ein Risiko, das Geld im Falle eines Aufstiegs nicht zu bekommen“, bekräftigt Schoch.

René Rudorisch, Geschäftsführer der DEL 2, kann Schochs Ansicht nachvollziehen, merkt jedoch an: „Das Urteil lässt keinen Ermessensspielraum zu. Wir wussten, dass wir Gefahr laufen, dass der Antrag nicht durchkommt, wenn er nur zu 99 Prozent der Vereinbarung entspricht.“ Zudem wurde der Urteilsspruch zwar an der Bürgschaft über 15 000 Euro festgemacht, laut Rudorisch gab es aber mehrere Bürgschaften, durch die eine ähnliche Entscheidung hätte getroffen werden können: „Angezweifelt von der DEL wurden fünf Bürgschaften über eine Summe von 101 000 Euro, alle vom Standort Bietigheim“, so Rudorisch. Schoch will sich auf Nachfrage nicht äußern und verweist auf den Urteilsspruch, laut dem es nur an den besagten 15 000 Euro scheiterte. Ohnehin gelte es nun, nach vorne zu schauen. „Unser Ziel wird sich nicht ändern, weil die DEL es will“, gibt sich Schoch kämpferisch.

Was bleibt, ist Ungewissheit für die Zweitligateams, die bis zum 31. März Zeit haben, die Unterlagen für einen neuen Anlauf vorzulegen. „Egal, welches Haar die DEL dieses Mal suchen wird, sie wird es nicht finden“, kündigt Schoch an. Dennoch erscheint ein neuer Anlauf ein Mammutprojekt zu sein. Neben der Vorlage der fehlerfreien Bürgschaften muss ein sechster DEL 2-Verein gefunden werden, der für die abgestiegenen Starbulls Rosenheim einspringt. „Wir müssen mit Banken und Bürgen reden, um alle Formulare und Dokumente zu verlängern“, sagt Rudorisch. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. „Schwierig wird sein, rechtzeitig den sechsten Standort zu finden“, sagt der DEL 2-Geschäftsführer.

Für die Steelers könnte davon auch abhängig sein, wie es mit Trainer Kevin Gaudet weitergeht. Schon nach den letzten Spielen zeigte sich der Kanadier betroffen über das Urteil und die Perspektive der Steelers. „Jetzt gibt es im Eishockey keine Hoffnung, nach oben zu gehen. Das schadet Nachwuchs, Sponsoren, Zuschauern. Ich kann das nicht verstehen“, sagte er nach dem Spiel in Dresden. Auf Nachfrage lässt er seine Zukunft offen: „Das mit dem fehlenden Auf- und Abstieg ist ein Problem. Meine Frau und ich lieben es, hier zu arbeiten“ sagt Gaudet, „aber wir werden sehen.“

Philipp Böhl
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