Serie
Ludwigsburg | 03. März 2018

Am 07-Libero kam niemand vorbei

40 Jahre ist es her, dass sich die SpVgg 07 Ludwigsburg 1978 für die neue Oberliga Baden-Württemberg qualifizierte. Die Schwarz-Gelben waren über Jahrzehnte gesetzt in der höchsten Amateurliga und im württembergischen Fußball. Was ist aus den einstigen Drittliga-Größen geworden, was treiben sie heute? In einer Serie gehen wir den Wurzeln der Ludwigsburger Erfolgsära auf den Grund.

15 Jahre kickte Fritz Schweizer für die SpVgg 07 Ludwigsburg. In der Barockstadt war der Libero der gefeierte Held. Archivfoto: Baumann
15 Jahre kickte Fritz Schweizer für die SpVgg 07 Ludwigsburg. In der Barockstadt war der Libero der gefeierte Held. Archivfoto: Baumann
Fritz Schweizer, Ehemaliger 07-Libero
Fritz Schweizer, Ehemaliger 07-Libero

Im Duell mit dem Freiburger FC kickte er gegen Christian Streich. Dem späteren Europameister und Bayern-Star Mehmet Scholl angelte er in einer Partie gegen die Karlsruher SC-Amateure den Ball vom Fuß. Den späteren VfB-Bundesliga-Torschützenkönig Fritz Walter brachte er im Weinheim-Trikot zur Verzweiflung, den einstigen VfB-Torjäger Bernd Klotz in der Begegnung gegen die VfB-Amateure ebenfalls. Die Reihe der Fußballprominenz, mit der Fritz Schweizer einst gemeinsam auf dem Feld stand, ist lang.

Rund 15 Jahre war er der gefeierte 07-Star auf der Libero-Position. Im Alter von sechs Jahren begann er in der 07-Jugend. Im Ludwigsburger Süden wuchs er auf, der TV Pflugfelden war noch keine Option. In Pflugfelden wurden damals noch ausschließlich Rüben gepflanzt, im Jahnstadion aber brannte die Luft – so soll es der einstige 07-Torwart Bernd Klaus einmal ausgedrückt haben.

„Mit 17 Jahren hatte ich meinen ersten Einsatz in der Ersten, im Mittelfeld“, erinnert sich Fritz Schweizer noch genau, „das war 1977. In der Mannschaft stimmte es nicht, einige Spieler streikten und der Verein musste sich in der Amateurliga für die neue Oberliga Baden-Württemberg qualifizieren – da bekamen Jugendspieler wie ich eine Chance.“

Mit dem Eigengewächs klappte die Oberliga-Qualifikation 1978. 07-Eigengewächs Fritz Schweizer war schnell als filigraner Libero gesetzt, Berufungen in die Amateurauswahl folgten – und Angebote aus der Bundesliga. Der VfB Stuttgart klopfte an, der Karlsruher SC und der Zweitligist Stuttgarter Kickers.

Der VfB unterbreitete ihm das Angebot, ein Jahr bei den Amateuren zu spielen, dann als Erstliga-Libero aufgebaut zu werden. Der junge Blondschopf knallte den Stuttgarter Verantwortlichen jedoch jugendlich forsch an den Kopf: „Wieso Amateure, Oberliga kann ich auch in Ludwigsburg spielen?!“ Der VfB nahm von der Verpflichtung abstand, holte Hans-Peter Makan aus Sandhausen, der mit den Roten 1984 Meister wurde. „Ich war eigentlich für diese Rolle vorgesehen“, blickt er zurück, „meine Ansage war wohl etwas zu hochnäsig, man hatte damals ja noch keinen Berater.“

Lange bereut hat er seine flapsige Antwort nicht. 1982 stand Schweizer in Ludwigsburg vor 15 000 Zuschauern gegen die Amateure von Werder Bremen im Halbfinale der deutschen Amateurmeisterschaft. Am Fuchshof war er der Held. In der Barockstadt ging jahrelang die Weisheit um, „der Schweizerle geht nicht zu den Kickers in die 2. Liga, weil er bei 07 in der 3. viel mehr bekommt.“

Der Bauingenieur schmunzelt darüber heute. „07 Ludwigsburg hatte damals schon eine gewisse DNA, das Geld kam immer pünktlich – als eigener Nachwuchsspieler habe ich jedoch nie so viel bekommen wie Spieler von auswärts.“

Die gab es auch reichlich, doch an Fritz Schweizer kamen selbst hochdekorierte Bundesligagrößen nicht vorbei. Frank Schäffer etwa. Dreifacher deutscher Meister und doppelter Uefa-Cup-Sieger mit Borussia Mönchengladbach. „Er hat auf die Libero-Position spekuliert“, erinnert sich die schwarz-gelbe Institution mit der Rückennummer 5 an das Jahr 1983, „er musste dann jedoch bei uns Außenverteidiger spielen.“

Schweizer selbst blieb der SpVgg 07 Ludwigsburg immer treu, kickte fast eineinhalb Jahrzehnte in schwarz-gelb. „Ich war heimatverbunden und auch nicht immer mit dem letzten Ernst hinter meiner Fußball-Karriere her“, räumt er ein, „ich war auch ein Luftikus und habe das Studentenleben in Stuttgart genossen.“

Als seine Position abgeschafft wurde, wollte er es allen noch einmal zeigen, dass er nicht nur den „freien Mann hinter der Abwehr“ kann: 1990 gab er noch einmal den rechten Verteidiger in der Viererkette, obwohl Knie und Bänder schon schmerzten, ehe er mit 32 Jahren bereits aufhörte.

Als Trainer betreute Schweizer später den VfB Neckarrems, den TV Pflugfelden, den FV Ingersheim und auch 07 II erfolgreich. Heute lebt er mit 59 Jahren in Tamm und wundert sich immer wieder über den Niedergang der Schwarz-Gelben: „Mit 07 II bin ich als Coach damals in die Landesliga aufgestiegen, heute kämpft die Erste dort ums Überleben.“

von klaus Teichmann
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