Rainer Widmayer
Stuttgart | 13. Januar 2018

Das Taktikhirn

Der ehemalige Fußballer der SpVgg 07 Ludwigsburg (links) kehrt mit Hertha zum VfB zurück – der 50-Jährige ist die rechte Hand von Cheftrainer Pal Dardai (rechts).

Foto: dpa/Axel Heimke
Foto: dpa/Axel Heimke

Mario Gomez ist am Samstag nicht der einzige Rückkehrer ins ehemalige Gottlieb-Daimler-Stadion. Auch für Hertha-Kapitän Vedad Ibisevic und Berlins Co-Trainer Rainer Widmayer steht die Rückkehr an alte Wirkungsstätte an. Der 50-jährige war beim VfB lange Co-Trainer. Widmayer bedauert den Niedergang der SpVgg 07 Ludwigsburg, mit der er einst als längjähriger Spieler sogar im deutschen Amateurmeisterfinale stand.

In der hochheiligen Hertha-Kabine hat es sich Widmayer gemütlich gemacht, um vor der Rückkehr zum VfB etwas über den Fußball im Ländle zu sinnieren. „VfB-Videos aus der Hinrunde habe ich mir gar nicht angeschaut“, verrät er, „obwohl Terrode ein ähnlicher Stürmertyp wie Gomez ist, wird das VfB-Spiel mit Gomez nun ein ganz anderes sein. So einen Stürmer mit außergewöhnlichen Fähigkeiten würden wir uns auch wünschen, doch neben der Ablöse muss man sich das Gehalt erst einmal leisten können.“

Co-Trainer Widmayer hat jedoch in der Vorbereitung nicht geschlampt. Der 50-Jährige gilt als das Taktikhirn an der Seite von Chefcoach Pal Dardai. „Wir wollen auch in Stuttgart trotz der super VfB-Heimbilanz unser eigenes Spiel durchdrücken und haben vorne neben Ibisevic mit Davie Selke auch Qualität“, formulierte er in breitem Schwäbisch vor dem Flug nach Stuttgart selbstbewusst.

Das kann er sich durchaus leisten. Während der VfB in der Hinrunde als Aufsteiger in fremden Bundesligastadien ordentlich Lehrgeld zahlte, gab Widmayers Hertha in Europa ihre Visitenkarte ab. Trotz Belastung in der Europa League kamen die Berliner als Tabellenzehnter mit sieben Punkten vor dem VfB in die Winterferien.

Seit 2015 ist Widmayer wieder bei der Hertha. Nicht zuletzt seiner Expertise als Assistent wird zugeschrieben, dass der Ex-Krisenklub aus der Hauptstadt nun positive Schlagzeilen schreibt. Der in Sindelfingen geborene Fußballfachmann zögerte lange, ehe er im März um zwei weitere Jahre an der Spree verlängerte. In der ganzen Branche ist Widmayer mittlerweile eine begehrte Größe nach seinen Stationen an der Seite von Markus Babbel beim VfB, der Hertha und der TSG Hoffenheim. „Ich habe als Spieler schon immer gute Trainer gehabt“, verweist er auf seine eigene Ausbildung, „da habe ich auch 07 Ludwigsburg viel zu verdanken. Mit Rainer Adrion, Martin Hägele oder Bernd Hoffmann hatte ich am Fuchshof in meinen fünf 07-Jahren immer gute Leute als Coach.“

Die Entwicklung in der Barockstadt schmerzt den ehemaligen Defensivspieler ungemein. „Schade, dass die tolle Zeit in den höchsten Amateurligen dort vorbei ist, das tut auch heute noch vielen Leuten weh.“ Der einstige Ulmer Zweitligaprofi muss sich freilich auf seine aktuellen Aufgaben kümmern. Als großes Privileg empfindet er so seine Stelle bei Hertha, für die er wöchentlich einiges auf sich nimmt: Etwa regelmäßige Flüge zu seiner Frau und den beiden Söhnen als Berufspendler nach Renningen. „Es gibt auf der Bundesliga-Landkarte eben nur 18 Arbeitsstellen als Assistent in der 1. Liga“, stellt er fest, „am Samstag bleibe ich aber gleich im Ländle, das nehme ich mir raus.“

Klaus Teichmann
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