Fußball
Ludwigsburg | 16. Juni 2018

Nach Abstieg plant 07 den Umbruch ohne Träumereien

Vor einem erneuten Umbruch steht nach dem Abrutschen in die Fußball-Bezirksliga die SpVgg 07 Ludwigsburg. Zumindest verschärft der Abstieg aber nicht die finanziellen Nöte der Schwarz-Gelben.

Große Ziele kann Roman Kasiar für 07 Ludwigsburg nicht vorgeben. Foto: Baumann
Große Ziele kann Roman Kasiar für 07 Ludwigsburg nicht vorgeben. Foto: Baumann

„Charakter“ ist der Schlüsselbegriff, der immer wieder fällt, wenn man sich nach dem am letzten Samstag bittere Realität gewordenen Abstieg von Traditionsverein SpVgg 07 Ludwigsburg in die achtklassige Fußball-Bezirksliga mit den Verantwortlichen unterhält.

„Wir haben alles probiert, aber hatten letztlich einfach zu viele Spieler, denen es an Charakter mangelt“, versucht sich Vorstand Olaf Hötzel an einer Erklärung für das Versagen am letzten Spieltag bei der 2:3-Pleite in Stetten-Kleingartach, als man eine 2:0-Führung aus der Hand gab. „Was da nach dem 2:2 auf dem Platz passierte, ist für mich nicht erklärbar. Für mich war das Arbeitsverweigerung und für 07 eine Bankrotterklärung“, findet er harsche Worte.

„Wir setzen auf Charakter und wollen in der nächsten Saison mit Jungs arbeiten, die einen guten Charakter haben“, sagt auch Roman Kasiar, in Personalunion Sportlicher Leiter und eine Hälfte des Trainerteams. Rückblickend resümiert er: „Toni Carneiro und ich mussten uns mit einem Kader auseinandersetzen, den wir nicht selbst zusammengestellt haben. Wir hätten eigentlich schon vor Monaten 70 Prozent der Mannschaft aussortieren müssen, aber das ging einfach nicht“.

Zur Folge hat dies nun, dass das Team wie schon in den letzten Sommern erneut vor einem völligen Umbruch steht. „Stand jetzt haben wir einen Kader von 17 Spielern für die Bezirksliga zusammen“, erzählt Kasiar, will aber zu den Neuen noch keine Auskunft geben. Darunter befinden sich jedoch nur noch sechs Akteure, die schon in der abgelaufenen Runde das schwarz-gelbe Leibchen trugen: Neben Keeper Maximilian Hübsch und Fredy Scheuber sind dies mit Savas Kara, Melik Ersin, Emanuel McDonald und Fisnik Rama vier Eigengewächse. Als letzte erklärten zu Wochenbeginn auch Antonio Di Matteo und Christian Knecht ihren Weggang. „Beide hatten eigentlich ligaunabhänig zugesagt, sind jetzt aber abgesprungen“, berichtet Hötzel, der dafür kein Verständnis aufbringen kann.

Immerhin hat der 07-Vorstand für die Anhänger aber auch eine positive Nachricht: „Finanziell bringt uns der Abstieg nicht in neue Nöte. Unsere Sponsorenverträge gelten alle ligenunabhängig“, kann Hötzel all jene beruhigen, die das Gespenst der Insolvenz schon wieder über dem Fuchshof schweben sehen. Was die sportlichen Perspektiven angeht, findet Hötzel zwar, „dass wir nicht in die Bezirksliga gehören“, sagt aber auch: „Ich werde den Teufel tun und etwa ein Ziel wie den sofortigen Wiederaufstieg ausrufen. Den Verein zusätzlich zu verschulden, kommt sowieso nicht infrage.“ Kasiar stößt ins gleiche Horn. „Wir müssen gar nichts, sondern wollen erfolgreich Fußball spielen. Wir arbeiten letztlich mit begrenzten Mitteln, die gar keine andere Zielsetzung zulassen“.

Bernd Seib
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