Frauenfußball
Asperg | 28. Oktober 2017

SB Asperg ehrt seine Urgesteine

20 Jahre Fußball – durchgehend für den selben Verein. Der SB Asperg ehrt mit Tina Bierent und Katrin Offenbächer seine dienstältesten Spielerinnen, die seit der Gründung der Frauenabteilung die Schuhe für den Sportbund schnüren.

Tina Bierent (links) und Katrin Offenbächer werden für 20 Jahre SB Asperg geehrt. Foto: Gailing
Tina Bierent (links) und Katrin Offenbächer werden für 20 Jahre SB Asperg geehrt. Foto: Gailing

Noch am Montagabend im Training vor dem Pokalspiel beim KSV Hoheneck übten die Frauen des SB Asperg Elfmeterschießen. „Eigentlich hoffe ich, dass wir es am Mittwoch gar nicht brauchen werden“, gab Trainer Alessandro Campanella nach der Einheit mit seinen bestens gelaunten Bezirksliga-Frauen zu Protokoll. Doch Campanellas Wunsch ging nicht in Erfüllung und sein Team musste am Mittwochabend tatsächlich nachsitzen. Im Elfmeterschießen ging dann Tina Bierent als erste Schützin voraus und legte mit ihrem Treffer den Grundstein für den 11:10-Erfolg – obwohl sie das Training am Montag noch verpasst hatte.

Sich von einem Elfmeterschießen aus der Ruhe bringen zu lassen – dafür hat Bierent in ihrer Karriere ohnehin schon zu viel erlebt. Sie erinnert sich an Spiele in den Trikots der Gegner wegen vergessener Trikotsätze, an den Boom nach der Frauen-Weltmeisterschaft in Deutschland und besonders an die Meisterschaft mit dem SBA. „Der Titel war schon ein Highlight“, sagt Bierent dabei und blickt stolz auf das Mannschaftsfoto aus dem Kreisliga-Meisterjahr 2003, das immer noch im Vereinszimmer der Asperger hängt.

Seit nunmehr zwanzig Jahren schnürt Bierent die Fußballschuhe für den SB. Vor kurzem wurde sie zusammen mit Katrin Offenbächer, die genau so lang für die Asperger spielt, für ihre langjährige Tätigkeit geehrt.

„Obwohl ich damals mit zehn Jahren eigentlich zu jung war, durfte ich bei den 13- bis 16-Jährigen mitmachen“, erinnert sich die heute 30-jährige Offenbächer. „Damals wäre sie in ihrem Trikot fast versunken“, blickt auch Klaus Gailing, der im Jahr 1998 die Frauenabteilung mitbegründet hat, an ihre ersten Gehversuche beim SB Asperg zurück.

Auch Tina Bierent weiß noch, wie bei ihr alles angefangen hat, als der heutige Kunstrasen noch ein Ascheplatz war und sie mit 16 vom TSV Ludwigsburg zum Sportbund nach Asperg wechselte. „Wenn mein Bruder ein Tor geschossen hat, hat er immer Geld von meinem Opa gekriegt. Wenn ich ein Tor geschossen habe, gab es nichts“, schildert Bierent noch leichte Startschwierigkeiten im Sport. „Aber ich habe mich da durchgeboxt, das hat mich eher angespornt“, gibt sie sich locker.

Heute, 20 Jahre, 329 Pflichtspiele und 54 (unbezahlte) Tore nach ihrem ersten und letzten Vereinswechsel, denkt Bierent mit 36 Jahren noch immer nicht ans Aufhören. „Es hört sich ja schlimm an, jetzt ist sogar der Trainer jünger als ich. Da macht man sich schon Gedanken“, scherzt Bierent, „aber ich will so viele Spiele machen, dass meine jungen Mitspielerinnen meine Rekorde nicht mehr einholen können“, gibt sie mit einem Lachen zum Verstehen.

Wie auch Bierent hebt Offenbächer den hervorragenden Teamgeist hervor, der es so schwierig macht, den Verein zu verlassen. „Das ist wirklich außergewöhnlich in der Mannschaft“, sagt die Marketingmanagerin weiter. Auch dieser Zusammenhalt ist mitverantwortlich dafür, dass die beiden schon so lange für den selben Verein spielen. „Wir hatten gemeinsam schon einige harte Fights mit den Gegnern, da wollte man dann ohnehin nicht zum Konkurrenten wechseln, sondern hat lieber für sein Team weiter gekämpft“, erklärt Offenbächer.

Hinzu kommt bei ihr wie auch bei Bierent das „Vereinstreue-Gen“. „Diese Treue habe ich definitiv von meinem Vater“, sagt Bierent. „Das war schon ausschlaggebend, dass ich Fußball spiele, auch wenn er mir am Anfang gar nicht abgenommen hat, dass ich Fußball spielen will“, so die Betriebsratsvorsitzende, deren Vater jahrelang beim GSV Pleidelsheim mitwirkte.

Auch Offenbächers Vater unterstützte lange den SB Asperg. „Ich bin praktisch auf dem Sportplatz groß geworden“, sagt die 30-Jährige, die sogar eine Zeit lang von ihrem Vater trainiert wurde. Auch sie musste sich, wenn auch nur selten, gegen Vorurteile gegen den Frauenfußball wehren: „Man kennt das ja, dass Jungs in der Klasse immer mal etwas gegen Frauenfußball sagen, aber dann spielt man einmal gegen die und dann sind die ganz leise“, gibt sich die Rechtsaußen frech.

Grund für das enorme Selbstvertrauen hat Offenbächer allemal. 63 Tore in 239 Spielen erzielte sie für den SB – das versichert erneut Klaus Gailing, der akribisch jedes Tor seit der Vereinsgründung dokumentiert hat. Nur eine seiner vielen Statistiken wollen die beiden Frauen nicht hören. „Ohne die zwei wäre der Altersschnitt in der Mannschaft bei 19.6 Jahren“, witzelt Gailing gegen den Willen seiner zwei Urgesteine, die immer noch große Ziele haben: „Am besten wäre es natürlich, wenn wir jetzt mal wieder die Meisterschaft holen“, hofft Bierent. Platz für ein weiteres Foto wäre an der Wand im Vereinszimmer auf jeden Fall noch.

Philipp Böhl
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