Interview
Bietigheim-Bissingen | 11. Mai 2018

„Wir werden kein Harakiri machen“

Bastian Spahlinger, Geschäftsführer der SG BBM Bietigheim, strebt langfristigen Erfolg für den Handball-Zweitligisten an

Gut gelaunt: Bastian Spahlinger und der SG BBM Bietigheim fehlt nur noch ein Sieg zum Aufstieg in die Handball-Bundesliga.Foto: Baumann
Gut gelaunt: Bastian Spahlinger und der SG BBM Bietigheim fehlt nur noch ein Sieg zum Aufstieg in die Handball-Bundesliga.Foto: Baumann

Der 35 Jahre alte Bastian Spahlinger ist seit einem Jahr Geschäftsführer des Handball-Zweitligisten SG BBM Bietigheim. Die Bietigheimer können mit einem Sieg aus den verbleibenden vier Spielen zum zweiten Mal nach 2014 in die erste Bundesliga aufsteigen. Spahlinger, der an der Uni Heidelberg Volkswirtschaft mit Schwerpunkt Sportmanagement studiert hat, spricht im Interview mit unserer Zeitung über das Konzept des Vereins, mögliche Herausforderungen in der ersten Liga und die Pläne für die kommende Saison.

Herr Spahlinger, ist die SG auf die erste Liga vorbereitet?

Bastian Spahlinger: Klar, im Falle eines Aufstieges wären wir vorbereitet. Natürlich ist es eine große Herausforderung, es ist nochmal eine andere Welt in der ersten Liga. Aber wir haben ein klares Konzept, das 74321-Konzept, das wir 2017 angefangen haben. Damit wollen wir uns über vier Jahre in der ersten Liga etablieren. Es war nicht geplant, dass wir dieses Jahr aufsteigen. Aber es war immer unser Ziel, in den nächsten drei bis vier Jahren in der ersten Liga zu spielen.

Ein Sieg fehlt noch zum Aufstieg bei noch vier ausstehenden Spielen. Die SG hat eine extrem konstante Saison gespielt. Was macht die Mannschaft so stark?

Was uns auszeichnet, ist unser Teamgeist. Wir haben einen besonderen Zusammenhalt in der Mannschaft. Jeder Einzelne ist wichtig fürs Team. So hatten wir eine super Stimmung, weil jeder gemerkt hat: Ich trage meinen Teil zum Erfolg bei.

Die SG war vor vier Jahren schon einmal in der Bundesliga, ist aber sang- und klanglos abgestiegen. Was hat sich im Verein verändert, damit so etwas in der nächsten Saison nicht wieder eintritt?

Wir haben dazugelernt und vor allem mehr Manpower und neue Kompetenz in der Geschäftsstelle, zum Beispiel im Finanz-, Kommunikations- und Eventbereich. Dadurch können wir gewisse Prozesse besser abwickeln und steuern. Das wirkt sich auf die Leistung auf und neben dem Feld aus. Zudem haben wir einen klaren Plan erarbeitet, an den wir uns halten und damit, glaube ich, ganz gut fahren.

Ihre Vorgänger, Jochen Sandkühler und Jens Lause, waren jeweils nur ein Jahr im Amt. Hat das die Entwicklung gehemmt?

Klar ist es so, dass es die Entwicklung ein wenig hemmt, wenn zwei Geschäftsführer nur je ein Jahr da sind. Andererseits haben Jochen und Jens, mit denen ich mich sehr gut verstanden habe, wichtigen Input von außen eingebracht, auf dem wir unseren jetzigen Weg aufbauen konnten.

In welchem Bereich wurden bisher Fortschritte erzielt? Und wo gibt es noch Potenzial?

Im Sponsoring haben wir einige Fortschritte erzielt, doch sehe ich dort noch viel Potenzial. Wir haben, wenn wir es schaffen sollten mit der ersten Liga, eine riesengroße Bühne. Der wollen wir gerecht werden und diese wollen wir auch nutzen, denn wir werden weitere Sponsoren brauchen, um unser Konzept umsetzen zu können.

Die Konkurrenz im Sponsoring ist in der Region mit den MHP-Riesen Ludwigsburg, den Bietigheim Steelers und den SG-Frauen enorm. Ist es Vor- oder Nachteil, sich darin behaupten zu müssen?

Wir nennen uns Handballhochburg, aber insgesamt ist ganz Bietigheim eine Sporthochburg. Wenn wir da ein vernünftiges Miteinander haben, kann man den Kuchen insgesamt größer machen. Wie die Stücke dann verteilt werden, das ist Detailarbeit.

Was sind konkrete Beispiele dafür?

Mit den Steelers haben wir uns gemeinsam der Weiterentwicklung der Nachwuchsarbeit angenommen, die für beide Clubs essentiell für die Bundesligateams ist. So erarbeiten wir derzeit zusammen ein Konzept für ein sportartübergreifendes Nachwuchsleistungszentrum. Meine Überlegungen gehen sogar so weit, dass wir gemeinsam auf einen großen Sponsor zugehen könnten und dabei zeigen, welche Möglichkeiten er mit der Sporthochburg Bietigheim hätte.

Zum Kader für die neue Saison: Mit Patrick Weber, Maximilian Trost und Michael Oehler gibt es bereits drei Neuzugänge. Reicht das für die erste Liga oder muss da noch mehr her?

Wichtig ist, dass wir unsere Stärke, also den Teamgeist, erhalten. Wir haben frühzeitig mit unseren aktuellen Spielern gesprochen, um das Gros des Kaders zusammenzuhalten. Im Fall erste Liga werden wir mit Sicherheit einige Spiele mehr verlieren als aktuell. Da ist es umso wichtiger, eine funktionierende Mannschaft zu haben. Natürlich beobachten wir den Markt und schauen immer punktuell, ob man sich verstärken kann. Aber die Spieler, die jetzt aufsteigen sollten, haben es absolut verdient, in der ersten Liga zu spielen.

In der letzten Erstliga-Saison war deutlich, dass besonders das Körperliche gefehlt hat.

Es gibt auch in der zweiten Liga Mannschaften, die körperlich deutlich stärker sind als wir. Es gibt aber keine Mannschaft, die schnelleren Handball spielt. Diesen Tempohandball wollen wir beibehalten und auch in der ersten Liga spielen, wenn wir es dahin schaffen sollten. So können wir den Mannschaften, die besser besetzt sind, unangenehm werden.

Wenn sich nach ein paar Wochen zeigt, dass dennoch etwas fehlt, läge es im Budget von Bietigheim, einen etablierten Bundesligaspieler zu holen?

Um den Teamgeist zu erhalten und das Mannschaftsgefüge nicht durcheinanderzubringen, wollen wir auch das Gehaltsgefüge beibehalten. Es wäre nicht sinnvoll, einen Spieler zu holen, der das Doppelte oder Dreifache verdient. Unser Plan ist auf einen Zeitraum von vier Jahren ausgelegt und wir werden kein Harakiri machen, sondern setzen auf Teamgeist, Leidenschaft und Wille.

Das heißt, der sofortige Wiederabstieg würde nicht im Gegensatz zu den Plänen der SG stehen?

Ziel ist, dass wir uns bis 2021 in der ersten Liga nachhaltig etablieren. Wir haben vieles darauf ausgelegt, haben talentierte Spieler, die sich über die drei, vier Jahre entwickeln sollen. Es wäre kein Beinbruch, wenn wir wieder absteigen sollten. Aber im Falle eines jetzigen Aufstiegs wollen wir auch in der Liga bleiben – zu 100 Prozent.

Es gibt auch noch die Ungewissheit, wie sich der neue Trainer einfinden wird. Ralf Bader kommt aus der dritten Liga und geht jetzt direkt in die Bundesliga. Trauen Sie ihm den Sprung zu?

Sonst hätten wir ihn nicht geholt (lacht). Ralf Bader ist ein sehr junger Coach, der aber als Trainer und Spieler sehr viele Erfahrungen gemacht hat und auch in der ersten Liga gespielt hat. Er kennt das Geschäft. Bei Neuhausen hatte er in der dritten Liga eine Mannschaft, die sicher von den Einzelspielern nicht so besetzt war, dass sie unbedingt den Klassenerhalt hätte schaffen müssen. Auch da haben sie es über Kollektiv und Teamgeist geschafft. Er ist für uns der absolut richtige Mann.

Wie sieht es mit der Hallenbelegung aus? Durch den Sky-TV-Vertrag, der sehr viel für die Vereine abwirft, finden die Spiele meist donnerstags und sonntags statt. Sonntags würde das mit Spielen der Steelers in der Ege Trans-Arena kollidieren.

Die Hauptspielstätte bleibt die Ege Trans-Arena, unser neues Zuhause. Natürlich ist der parallele Spiel- und Trainingsbetrieb von Eishockey und Handball in der Arena schwierig. Ohne das Entgegenkommen der Steelers wäre das Ganze nicht möglich. Über kurz oder lang wird aus meiner Sicht kein Weg an einer Ballsportarena vorbeiführen, auch um weiterhin einem optimalen Nachwuchstraining gerecht zu werden. Darüber hinaus planen wir die Austragung von rund drei Spielen in der MHP-Arena in Ludwigsburg. Gerade als Doppelspieltag mit unserer Frauenmannschaft hat das seinen Charme. Zweimal 1. Liga an einem Tag mit einem Ticket – das wäre ein einzigartiges Erlebnis.

Fragen von Marco Jaisle und Philipp Böhl
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