Frauenhandball
Leipzig/Bietigheim-Bissingen | 09. November 2017

Jetzt hat es auch die SG Bietigheim erwischt

Nach 45 Spielen ohne Niederlage verlieren die Handballerinnen beim Thüringer HC mit 22:29

Anflug aufs Tor: Martine Smeets (SG) im Duell mit Torhüterin Dinah Eckerle (Thüringer HC).Foto: Marco Wolf
Anflug aufs Tor: Martine Smeets (SG) im Duell mit Torhüterin Dinah Eckerle (Thüringer HC).Foto: Marco Wolf

Die Superserie ist gerissen. Nach 46 Spielen ohne Niederlage, darunter zuletzt 35 Siegen in Folge, verlor die SG BBM erstmals seit dem 20. Januar 2016 wieder ein Bundesligaspiel. Der Thüringer HC düpierte Bietigheim nach einer zwischenzeitlichen 12-Tore-Führung am Ende mit 29:22 und übernahm auch die Tabellenführung.

THC-Trainer Herbert Müller hatte angekündigt, dass die SG nicht noch einmal ohne Minuspunkte durch die Saison gehen würde. Seine Mannschaft hat ihn bestätigt, wenn auch unter kräftiger BBM-Mithilfe.

In der ausverkauften Halle in Bad Langensalza ließ das Viadukt-Team viele der sonst siegbringenden Tugenden vermissen. In der Anfangsphase agierte die SG-Abwehr zu passiv, packte nur selten richtig zu. Der THC konnte so mehrfach seine Rückraumwerferinnen Beate Scheffknecht und Iveta Luzumova in Position bringen. Die nutzten ihre Chancen und waren maßgeblich daran beteiligt, dass die Gastgeberinnen nach 14 Minuten 9:6 vorne lagen und so viel Selbstvertrauen tankten.

Bietigheim legte danach seine Lethargie in der Abwehr ab. Das zahlte sich sofort aus. Mit einem 4:0-Lauf drehte die SG die Partie, übernahm nach 22 Minuten beim 10:9 die Führung. Die gute Phase entpuppte sich als Strohfeuer. Mit sieben Treffern in Serie zum 16:10-Halbzeitstand sorgte Erfurt für die Vorentscheidung.

Bietigheim war völlig von der Rolle. Gelungene Spielzüge oder Gruppenaktionen waren kaum zu sehen, dafür aber zu viele Einzelaktionen und Fehlwürfe. Dass die Harzkugel nicht mehr im THC-Tor landete, lag auch an Torhüterin Dinah Eckerle. „Weltklasse“ lobten nach der Partie die beiden Trainer Herbert Müller und Martin Albertsen die Schwäbin im Thüringer Kasten.

Von solchen Leistungen war die SG auch im zweiten Abschnitt weit entfernt. Der Wille, die Partie zu drehen war da, doch der Gegner agierte einfach cleverer. Bietigheim wollte möglichst schnell den Abstand verkürzen, doch der THC spielte seine Angriffe lange aus.

So kam die SG nie richtig auf Touren und nicht näher als bis auf fünf Tore (17:12, 19:14) heran. Das nagte am Nervenkostüm und das BBM-Team geriet in eine Abwärtsspirale. Thüringen sprühte dagegen vor Spiellaune. Aus dem 19:14 wurde innerhalb von zwölf Minuten ein 29:17.

Bietigheim zeigte wenigstens in der Schlussphase noch Moral und betrieb Ergebniskosmetik. Aus dem 29:17 wurde ein 29:22 – ein schwacher Trost für einen völlig missglückten Auftritt.

SG-Trainer Martin Albertsen suchte nicht nach Ausflüchten. „Das war nicht unser bester Tag. So ein Spiel meiner Mannschaft habe ich noch selten erlebt. Wir haben auch in der Höhe verdient verloren.“ Sein Gegenüber Herbert Müller lobte die Moral und Kampfkraft seines Teams. „Wir wollten eine Festung aufbauen. Das haben wir geschafft.“

Das war nicht der einzige Hammer. Direkt nach der Partie wurde das Viertelfinale des DHB-Pokals ausgelost und als erstes Spiel kam die Partie THC gegen Bietigheim heraus. An diesem Abend hatte sich offensichtlich alles gegen die SG verschworen.

SG BBM:Wester, Salamakha; Biltoft, Rozemalen, Lauenroth (1), N. Müller (3), Smeets (2), Ivancok, C. Woller, Schulze, Kudlacz-Gloc (2/2), Naidzinavicius (8/3), Hundahl (1), S. Müller (3), Malestein (2/1).

Paul Herbinger
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