Handball
Bietigheim-Bissingen | 09. November 2018

Meister gibt Kostprobe seiner Klasse

Es war die bislang höchste Nieder- lage der SG BBM Bietigheim in der Handball-Bundessliga, doch wirklich enttäuscht war gestern Abend nach der 20:33 (9:15)-Lehrstunde niemand. Zu köstlich war die Probe, die der deutsche Meister SG Flensburg-Handewitt über weite Strecken der Partie ablieferte.

Kein Durchkommen durch die Flensburg-Abwehr: Bietigheims Dominik Claus gegen Jim Gottfridsson (l.) und Anders Zachariassen.Foto: Baumann
Kein Durchkommen durch die Flensburg-Abwehr: Bietigheims Dominik Claus gegen Jim Gottfridsson (l.) und Anders Zachariassen.Foto: Baumann

Über die Klasse eines Holger Glandorf oder eines Lasse Svan war in den vergangenen Tagen in Bietigheim viel gefachsimpelt worden. Dass der Aufsteiger gegen den amtierenden deutschen Meister, der sich momentan auch international auf Weltklasseniveau präsentiert, kaum mithalten könnte, stand außer Frage. Warum die SG Flensburg- Handewitt aber momentan zu den absoluten Top-Teams Europas zählt, das mussten deren Starspieler nur ganz selten unter Beweis stellen. Dafür waren einige Szenen aber wahre Handball-Leckerbissen.

„Wir wollen nicht ins offene Messer laufen und so lange wie möglich Anschluss halten“, hatte SG-Trainer Rolf Bader die Marschroute vorgegeben. Und tatsächlich zeigten sich die Gastgeber in den ersten Minuten ebenbürtig. Flensburg begann nervös, dem 0:1 durch Hampus Wanne folgte der Ausgleich durch Jonas Link. Routinier Robin Haller blieb es vorbehalten, aus dem Rückraum den einzigen Führungstreffer für die Bietigheimer zum 2:1 zu erzielen.

Warum Flensburg nicht richtig ins Laufen kam, lag vor allem an SG-Torwart Domenico Ebner. In den ersten Spielminuten wehrte der Torwart scharfe Bälle der Gäste reihenweise ab. In der Offensive aber gab es für das Team von Trainer Bader kaum ein Durchkommen. Link und Patrick Weber schossen vorbei. Nach dem 3:3 durch Patrick Rentschler forcierte der Favorit aus Norddeutschland das Tempo und zog dank seiner skandinavischen Topleute Lasse Svan (Dänemark), Jim Gottfridsson (Schweden) und Anders Zachariassen (Norwegen) auf 3:7 davon.

Bereits nach der ersten Auszeit nach einer Viertelstunde begann Bader fleißig durchzuwechseln. Vetle Rönningen und Valentin Schmidt kamen ins Spiel. Weil aber die verpatzten Wurfmöglichkeiten die Flensburger wiederholt zu Tempogegenstößen einluden, zog das Meisterteam von Trainer Maik Machulla zügig auf sechs Tore Vorsprung (6:12) davon.

In diesem rasanten Tempo wollten sich die Bietigheimer nicht geschlagen geben. Zunächst verkürzte Youngster Nikola Vlahovic auf 8:13, dann folgte der schönste Bietigheimer Spielzug: Dominik Claus bediente auf der rechten Seite Jan Döll, und der netzte mittels Kempa-Trick zum 9:13 ein. Noch vor der Pause zogen die Gäste erneut auf fünf Tore (9:15) davon.

Auch wenn der deutsche Meister danach die wacker kämpfenden Gastgeber mit Spielwitz, Routine und Schnelligkeit auf Distanz hielt, zum Zungenschnalzen waren die Aktionen allemal. Vor allem Flensburgs dänischer Europameister und Olympiasieger Lasse Svan, der anfangs umknickte und zunächst ausgewechselt werden musste, explodierte an der rechten Flügelseite förmlich und trug mit blitzsauberen Toren (5) ebenso wie Rückraum-Ass Simon Jeppson (6) dazu bei, dass der Vorsprung uneinholbar wuchs (18:33). Patrick Weber verkürzte für die SG BBM noch einmal zum 20:33-Endstand. Der saisonübergreifend 20. Bundesligasieg der SG Flensburg-Handewitt in Serie geriet zu keinem Zeitpunkt in Gefahr.

SG BBM: Ebner, Müller; Haller (1), Vlahovic (2), Rentschler (1), Claus, Schäfer (4/4), Schmidt (2), Oehler, Rönningen (1), Link (1), Asmuth (1), Döll (2), Weber (3),Emanuel, Fischer (2),

Andreas Steimann
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