Bietigheim-Bissingen | 26. Juni 2018

Wie der Sport lehrt, mit Niederlagen umzugehen

Viel Prominenz aus Sport und Politik beim Geburtstagsfest des Vereins „Freunde und Förderer des Handballs in Württemberg“

Großer Bahnhof zum 15. Geburtstag des Vereins „Freunde und Förderer des Handballs in Württemberg“. EU-Kommissar Günther Oettinger, Handball-Legende Heiner Brand, der VfB-Ehrenpräsident Erwin Staudt und Bietigheim-Bissingens Oberbürgermeister Jürgen Kessing stellten sich bei einer spannenden Podiumsdiskussion den Fragen des Moderators Jens Zimmermann.

Zuvor hatten drei Männer der ersten Stunde das Wort. In launigen Beiträgen erinnerten der frühere Regierungspräsident Dr. Udo Andriof, Bietigheims ehemaliger Oberbürgermeister Manfred List und Waiblingens früherer 1. Bürgermeister Hans Wössner an die wegen Wetterkapriolen nicht ganz einfache Gründung des Vereins vor 15 Jahren.

Bernhard Bauer, der ehemalige Präsident des Deutschen Handballbundes, konnte als aktueller Vereinsvorsitzender eine stolze Bilanz präsentieren: Rund 170 000 Euro wurden bisher für die Förderung junger Spielerinnen und Spieler bereitgestellt.

Bei der Podiumsdiskussion beantworteten Oettinger, Brand, Staudt und Kessing die Frage „Sport – auch eine Schule fürs Leben?“ mit einem klaren „Ja“. „Man lernt mit Niederlagen umzugehen, sich nicht unterkriegen zu lassen“, sagte Jürgen Kessing, „außerdem muss man für den Erfolg etwas tun, an einer Sache dranbleiben. Das hilft im richtigen Leben.“

Schiris gegen Münchner Fouls

Heiner Brand hob die Werte des Mannschaftssports hervor: „Da lernt man viel – fürs Leben und den Beruf. Nicht alle im Team sind Freunde, man muss sich unterordnen, Kompromisse schließen und sich für andere einsetzen“, meinte der 1978 als Spieler und 2007 als Trainer zu Weltmeisterehren gekommene Gummersbacher. „Der Unfall von Joachim Deckarm war der Tiefpunkt meiner Karriere. Da wollte ich aufhören. Aber wir haben das Unglück als Mannschaft aufgearbeitet.“

Erwin Staudt, der vor seiner VfB-Präsidentschaft (2003 bis 2011) Chef von IBM Deutschland war, berichtete von Einstellungsgesprächen, bei denen ihm vor allem Stellenbewerber aus Sport und Musik imponierten. „Ein Orchester funktioniert genau wie ein Team im Sport. Ein Mensch, der sich dort bewährt hat, kann auch beruflich mit anderen erfolgreich zusammenarbeiten.“

Günther Oettinger, vor seinem Wechsel als EU-Kommissar nach Brüssel, sechs Jahre lang Ministerpräsident von Baden-Württemberg, wünscht sich auch in der Politik mehr sportliche Werte. Sein Seitenhieb auf die aktuellen CSU-Attacken in der Asylpolitik bekam viel Applaus: „Wir bräuchten einen Schiedsrichter gegen die Münchner Fouls.“

Aber der VfB-Fan blickte angesichts der weltweit zahlreichen Krisenherde auch über den Tellerrand hinaus. „Es gibt wenig, was Völker verbindet – das sind vor allem die Musik und der Sport. Da spielen Sprach- und Religionsgrenzen keine Rolle. Daran muss die Welt sich ein Beispiel nehmen.“ (toh)

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