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Ludwigsburg | 20. Oktober 2017

Ein Glücksfall für SV Ludwigsburg

Er ist ein Urgestein bei den Ludwigsburger Wasserballern: Der gebürtige Kroate Adrian Jakovcev ist ein technisch begabter Spieler und war maßgeblich am Bundesligaaufstieg des SV Ludwigsburg in diesem Jahr beteiligt. Nun wartet der erste richtige Prüfstein für den SVL Kapitän und seine neue Mannschaft.

SVL-Wasserballer Adrian Jakovcev hat den Ball immer fest im Blick. Foto: Baumann
SVL-Wasserballer Adrian Jakovcev hat den Ball immer fest im Blick. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Über 200 Tore schoss er in den vergangenen drei Spielzeiten für den SV Ludwigsburg. Mit der Mannschaft wurde er 2014 Süddeutscher Pokalsieger und 2016 Süddeutscher Vizepokalsieger.

Eigentlich ist Adrian Jakovcev ein Spieler mit Sieger-Gen, doch als dem SV Ludwigsburg überraschend der Aufstieg in die erste Liga im vergangenen Juli in Köln gelang, zögerte der 30-jährige SVL-Kapitän zunächst. Zu hoch seien die Strapazen für die erste Liga (siebenmal in der Woche wird trainiert) und der Job als Bauingenieur stehe im Vordergrund.

Dabei hat der gebürtige Zagreber eine reiche Wasserballbiografie vorzuweisen. Angefangen hat Jakovcev beim kroatischen Zweitligisten VK Brodograditelj, ehe es ihn mit 16 bereits zum Erstligisten VK Sibenik zog, wo er mit seiner Mannschaft eindrucksvoll das Finale der LEN Trophy (im Fußball mit der Europa League zu vergleichen) erreichte. Weitere Stationen waren VK Medvescak Zagreb, Strasbourg, Nizza und VK Koper. Schließlich zwang ihn sein Studium zu einer einjährigen Spielpause.

2014, als Jakovcev diplomierte, kam der Anruf vom SV Ludwigsburg, der sich als Glücksfall erwies: Der Kroate bekam einen Job als Bauingenieur und wurde mit sagenhaften 60 Toren zum zweitbesten Torschützen in der Liga. Etliche Bundesligisten (SV Cannstatt, SSV Esslingen, Waspo Hannover, Neustadt) wollten Jakovcev verpflichten, doch er lehnte ab. „Für mich hat die Arbeit als Bauingenieur oberste Priorität, deswegen bin ich hierhergekommen“, begründete Jakovcev seine Entscheidung. Außerdem „gefalle ihm Ludwigsburg als Stadt, wo er gute Freunde gefunden hat.“ In den Jahren darauf konnte sich die Mannschaft unter seiner Leitung als Spielertrainer technisch und taktisch weiterentwickeln.

In diesem Jahr erfolgte dann der Aufstieg in die erste Bundesliga: Als der SVL- Vorstand Matthias Nagel und Abteilungsleiter Jan Wörsinger internationale Neuzugänge für die kommende Bundesligasaison nach Ludwigsburg lotsten, kehrte die Motivation des Torschützen wieder zurück. „Ich habe meine Entscheidung vom Rücktritt überdacht, als ich gesehen habe wie intensiv und professionell der Vorstand am Projekt Bundesliga arbeitet“, sagte Jakovcev. Vorstand und Spieler haben sich schnell geeinigt und so unterschrieb der SVL-Kapitän als erster Spieler den Bundesligavertrag „Ich bin schon immer ein Gewinnertyp gewesen. Es ist wichtig, ein Vorbild für die Mannschaft und den Verein zu sein. Auch wenn Wasserball für mich nur ein Nebenjob ist“, erzählt Jakovcev.

Nun steht die Bundesligapremiere vor der Tür: Eineinhalb Monate verlief die kräftezehrende Vorbereitung, begleitet von etlichen Turnieren mit Bundesliga- Topteams wie den SSV Esslingen, OSC Potsdam, Wasserfreunde Spandau 04 und Neukölln Berlin. Doch die eigentliche Herausforderung lag in der Integrierung der Neuzugänge, die den Großteil der Mannschaft (12 neue Spieler) ausmacht. Dabei kommen die meisten aus den Wasserballnationen wie Kroatien, Serbien, Slowenien und Ungarn. „Die Spieler aus dem Balkan bringen eine gute Stimmung und eine gute Trainingsleistung mit“, lobt Jakovcev die Neuzugänge. Die Basis für eine gute Mannschaft sei da, allerdings befinden sich die Spieler noch in einem Lernprozess. „Wir haben individuell viel Qualität, aber werden Zeit brauchen, um mit Trainer Laszlo Csanyi eine homogene Mannschaft aufzubauen. Es ist schließlich kein Meister von Himmel gefallen“, sagt der Linkshänder.

Dabei sollen seine Profierfahrung und seine Vorbildlichkeit helfen, denn spätestens nächste Woche wartet mit dem Auftaktspiel beim SC Neustadt der erste Prüfstein in der Bundesliga. Doch zunächst steht das „schwere Pokalspiel“ (Jakovcev) in Würzburg am kommenden Samstag an, wo ein Sieg her soll.

VON bOJAN MRDJA
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