Silvesterlauf
Bietigheim | 30. Dezember 2017

Favoritenschwund in Bietigheim

Alina Reh und Arne Gabius müssen zwei Tage vor dem 37. Bietigheimer Silvesterlauf absagen. Simon Boch steht nun vor seinem Titelhattrick, bei den Frauen herrscht plötzlich Spannung.

Arne Gabius kann wegen einer Erkältung nicht am Silvesterlauf teilnehmen. Foto: Fabian Sommer/dpa
Arne Gabius kann wegen einer Erkältung nicht am Silvesterlauf teilnehmen. Foto: Fabian Sommer/dpa

Besonders aus sportlicher Sicht hat sich Pressewart Dieter Matzat auf den Bietigheimer Silvesterlauf gefreut. „Das ist ein bisschen wie die deutsche Meisterschaft“, sagte er noch am Freitagmittag. Zu diesem Zeitpunkt wusste er allerdings noch nicht, welche Hiobsbotschaften ihn noch erreichen würden. Denn wenig später trübte sich seine Stimmung erstmals, als Arne Gabius, der deutsche Marathonmeister, wegen einer Erkältung absagen musste. Zudem verkündete auch die vierfache Silvesterlauf-Siegerin und deutsche Meisterin im Crosslauf, Alina Reh, ihren Startverzicht. Die 20-Jährige aus Laichingen plagt eine Verletzung am Knöchel. „Sie war noch in der Uni-Klinik Ulm und die Ärzte haben ihr von einem Start abgeraten“, bestätigte Matzat. „Dass gerade die zwei fehlen, ist natürlich ärgerlich“, so der Pressewart.

Auch Gabius selbst ärgerte sich über seinen grippalen Infekt. „Ich hatte eigentlich geplant zu laufen, aber habe mich dann kurzfristig doch dagegen entschieden, weil ich bald bei einem Halbmarathon starte“, sagte Gabius. Das ist für ihn „natürlich schade, aber ich will zum Ende des Jahres vernünftig sein. Wir gehen als Sportler über Grenzen, das geht allerdings nicht, wenn man erkältet ist.“ Gabius’ alternative Silvesterplanung besteht darin, den Jahresausklang mit der Familie zu verbringen.

Doch selbst die Absagen der Seriensiegerin und des Marathonmeisters sollen nicht die Stimmung bei den Organisatoren des hochklassig besetzten Laufs trüben. „Es gehen die sechs Erstplatzierten vom letzten Jahr an den Start“, sagte Matzat über die hohe Konkurrenz bei den Männern. Auch Gabius hob das starke Teilnehmerfeld hervor: „Der Silvesterlauf ist mit guten Läufern besetzt, das macht den Reiz aus.“

Unter den voraussichtlich rund 3400 Läufern sieht Gabius vor allem in Sebastian Reinwand (TherapieReha Bottwartal), Timo Göhler, der für ART Düsseldorf startet, und Jonas Koller (LG Telis Finanz Regensburg) Anwärter auf den Sieg. Für sie gilt es, Simon Boch, der ebenfalls für das Regensburger Team startet, den dritten Sieg in Serie streitig zu machen. Einen Titelhattrick schaffte beim Bietigheimer Lauf in der Herrenkonkurrenz bislang niemand.

15 000 Zuschauer werden erwartet

Gerade Fabian Clarkson vom SCC Berlin könnte Boch bei diesem Unterfangen einen Strich durch die Rechnung machen. Letztes Jahr musste er sich dem 23-Jährigen in einem packenden Schlussspurt geschlagen geben. Beide können sich voraussichtlich auf ideale Verhältnisse freuen, weiß auch Gabius: „Wie es aussieht, haben die Läufer perfekte Bedingungen.“ Der 36-Jährige wird in diesem Jahr nicht einmal vom Streckenrand die Atmosphäre in der Viaduktstadt erleben können. „Man fühlt sich willkommen und merkt, dass alle mit Herzblut dabei sind, deshalb wollte ich mitlaufen“, schwärmte Gabius wehmütig.

Mit 15 000 Zuschauern rechnen die Veranstalter. „Das Drumherum, die Strecke durch die Altstadt, wo die Zuschauer Spalier stehen – das ist auch für Spitzensportler nicht alltäglich, viele sind ohnehin auf der Bahn zu Hause“, freute sich Matzat. Für zusätzliche Spannung könnte der Ausfall von Reh sorgen. Womöglich treten Victoria Brandt vom SCC Berlin oder Franziska Reng von der LG Telis Finanz Regensburg aus ihrem Schatten.

Unabhängig vom Ergebnis des Rennens kommen in Bietigheim alle Läufer auf ihre Kosten – auch das macht den Silvesterlauf aus. „Spitzensport ist vorne, hinten ist die Unterhaltung mit den Hobbysportlern, die sich verkleiden und das Ganze nicht so ernst sehen“, sagte Matzat. Auch in diesem Jahr ist damit zu rechnen, dass sich einige Läufer in verrückten Kostümen und mit einer Menge guter Laune im Gepäck auf den 11,1-Kilometer-Kurs machen.

Philipp Böhl
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige