Deutschland Tour
Ludwigsburg | 22. August 2018

Heimspiel für Radsportler Krieger

Nach zehn Jahren Pause startet am Donnerstag die Deutschland Tour neu. Bis zum 26. August verbindet das Straßenrennen auf vier anspruchsvollen Etappen deutsche Regionen und wird in Stuttgart das Finale erleben. Mit dabei: der Vaihinger Alexander Krieger.

Alexander Krieger bei der diesjährigen Tour de Luxemburg, die er als Gesamtfünfter abschließt. Foto: Elisa Haumesser
Alexander Krieger bei der diesjährigen Tour de Luxemburg, die er als Gesamtfünfter abschließt. Foto: Elisa Haumesser

Natürlich ist der Start bei der Deutschland Tour etwas ganz Besonderes für Radprofi Alexander Krieger aus Vaihingen/Enz. „Ich werde in meinem Trainingsgebiet fahren, ich freue mich drauf“, blickt der 26-Jährige voraus auf die vierte und letzte Etappe, die das große Teilnehmerfeld am Sonntag, 26. August, in den Kreis Ludwigsburg führt.

Speziell die Passage von Besigheim über Hessigheim, Mundelsheim, Höpfigheim, Marbach/N. und Ludwigsburg-Poppenweiler ist „seit Ewigkeiten der Klassiker unserer Trainingsgruppe“. Wenn der vielbeschäftigte Pedaleur im Lande ist, trifft er sich immer wieder mit den alten Vereinskameraden vom RSC Komet Ludwigsburg wie Nico Peglow, Manuel Enderle und Timo Köhler zur lockeren Ausfahrt.

Beim RSC in Eglosheim hat Krieger, der heute für das luxemburgische Team Leopard Pro Cycling fährt, im Jahr 2000 als Bub Feuer gefangen, alle Nachwuchsklassen durchlaufen und frühzeitig Talent und Biss aufblitzen lassen. „Mit 15, 16 Jahren war klar, dass ich Profi werden will“, erzählt der Vaihinger.

Seit 2010 ist er im Geschäft, ohne freilich Reichtümer zu verdienen. Der internationale Radsportverband (UCI) hat eine Drei-Klassen-Gesellschaft formiert. Alexander Krieger fährt mit seinem Luxemburger Team in der dritten Liga, der UCI Continental. Darüber ist die UCI Pro Continental angesiedelt. Die Champions League der Radprofis nennt sich UCI World Tour, die mit elf Mannschaften bei der Deutschland-Rundfahrt vertreten sein wird. „Ich will noch eine Liga aufsteigen, auch weil die Sache dann finanziell lukrativer wird“, setzt sich der Fünfte der deutschen Meisterschaften selbst unter Druck. „Jetzt ist es langsam Zeit, die großen Rennen zu fahren.“ Gemeint sind Rundfahrten wie die Tour und der Giro oder die prestigeträchtigen Frühjahrsklassiker.

Nach erfolgreichen Rennen fit für höhere Aufgaben

Mit erfolgreichen Auftritten im Trikot seines Continental-Teams hat sich Krieger in diesem Jahr für höhere Aufgaben empfohlen. Im März beendete er die Tour de Normandie als Zweiter im Gesamtklassement. Bei der Tour de Luxemburg wurde er Gesamtfünfter. An 41 Renntagen sammelte er fleißig Punkte für die UCI-Weltrangliste, in der er auf Position 176 geführt wird.

An 41 Renntagen spulte er insgesamt 6237 Kilometer herunter. Bei der EM kürzlich in Glasgow fuhr er als 27. über die Ziellinie: „Ein ganz schweres Rennen. Das Wetter hat alles abverlangt, der Kurs war heftig.“

Bezüglich der Doping-Problematik, die der Szene über viele Jahre wie ein Klotz am Bein hängt, legt Krieger heute Wert auf die Feststellung: „Die breite Masse im Radsport ist sehr sauber. Ich kam nie mit Doping in Verbindung in meinen Mannschaften. Aber es wird immer schwarze Schafe geben – wie in der Politik oder in der Wirtschaft.“

Es sei ein langsamer Prozess, den Ruf wieder aufzupolieren. „Und es wird immer wieder Rückschläge geben wie mit Christopher Froome.“ Die Starterlaubnis bei der Tour de France für den unter Dopingverdacht stehenden britischen Star hatte wochenlang für Negativ-Schlagzeilen gesorgt.

Grundsätzlich hat Krieger das Gefühl, dass es keiner unerlaubten Mittel bedarf, um im Radsport ganz vorne zu landen. „Ich fahre mit den Besten – Olympiasieger, Weltmeister. Man kann so ein Rennen sauber gewinnen“, urteilt er mit Blick auf die EM und sein eigenes Leistungsvermögen, mit dem er sich gar nicht so weit entfernt fühlt von den Topstars.

Dass die Deutschland Tour nach zehn Jahren wieder eine Neuauflage erlebt, erfüllt Alexander Krieger mit Zuversicht für seinen weiteren Weg. „Ich lebe meinen Traum. Das Reisen macht es manchmal stressig, dafür kann man im Winter nach Mallorca flüchten“, überwiegen für ihn die Sonnenseiten.

Zumal sich die ARD bei der letzten Etappe sogar live zuschaltet. Wenn das Fahrerfeld flott rollt, düst es gerade durch Ludwigsburg-Poppenweiler, wenn um 15.20 Uhr die Übertragung beginnt. Die finale Schlussrunde in Stuttgart, seiner Geburtsstadt, hat Alexander Krieger in diesen Tagen wohlweislich noch einmal inspiziert.

Erich Wagner
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