Tennis
Stuttgart | 18. Juli 2018

Kerber hat ihren Ehrgeiz nicht verloren

Tennisspielerin Angelique Kerber hat bei ihrer ersten Pressekonferenz nach ihrem Wimbledon-Triumph erklärt, was sie in London so erfolgreich gemacht hat. Ihren Ehrgeiz hat die Bremerin noch nicht verloren.

Angelique Kerber hat die Wimbledon-Trophäe fest im Griff.Foto: Baumann
Angelique Kerber hat die Wimbledon-Trophäe fest im Griff.Foto: Baumann

Fest im Griff hat Angelique Kerber die Wimbledon-Trophäe, als sie mit einem breiten Lächeln neben dem roten Sportwagen im Porsche-Museum in Zuffenhausen für die Medienvertreter posiert. Kurz darauf, während der ersten Pressekonferenz auf deutschem Boden seit ihrem Wimbledon-Triumph am Samstag, spricht sie aber bereits von Momenten, in denen ihr diese Souveränität ein wenig abhandengekommen war.

Besonders bleibe der Tennisspielerin das Gefühl vor dem letzten Aufschlag im Endspiel gegen Serena Williams in Erinnerung – „und wie ich da beim Matchball zitternd den Aufschlag übers Netz gebracht habe“, erinnert sich Kerber an den entscheidenden Ballwechsel zurück.

Zwei Grand-Slam-Titel hatte sie zwar bereits in der Vergangenheit gewonnen, doch der Sieg in London war ein ganz besonderer. „Der Wimbledon-Titel hat in meiner Karriere gefehlt, ich wollte ihn unbedingt haben. Jetzt fühle ich mich komplett“, sagt Kerber zufrieden. Was auf den Zwei-Satz-Sieg gegen Williams folgte, waren viele weitere „besondere Momente“, wie die Linkshänderin ausführt. Dazu gehörte, erstmals die Trophäe in der Hand zu halten. „Das war ein Moment, der für ewig in mir sein wird“, sagt Kerber dazu. Auch den Tanz mit dem Sieger im Einzel der Herren, Novak Djokovic, am Abend darauf beim Champions Dinner behält sie in freudiger Erinnerung.

Dass Kerber überhaupt die erste Deutsche ist, die seit Steffi Graf 1996 auf dem „heiligen Rasen“ die Rosewater Dish in den Händen halten durfte, verdankt sie ihrer eigenen Mentalität. „Ich wollte es unbedingt. Ich war zwei Wochen wie auf einer Mission, habe nicht nach links und rechts geschaut.“

Noch vor einem Jahr hätte kaum jemand einen solchen Erfolg für möglich gehalten. Und dennoch hatte Kerbers Seuchenjahr 2017 etwas Gutes. „Ohne die Tiefpunkte, die ich besonders 2017 erlebt habe, wäre ich nicht hier“, resümiert die derzeitige Nummer vier der Weltrangliste.

Was nun folgen soll, ist vor allem Zeit für sich selbst. Das hebt die gebürtige Bremerin gleich mehrfach hervor. Dazu gehört auch ein Grillabend mit den Großeltern und das Abhören der Mailbox auf dem Handy. „Ich habe es noch gar nicht geschafft, alle Nachrichten zu lesen und zu hören“, sagt die 30-Jährige schmunzelnd.

Wenn sie dann zu Hause im polnischen Puszchykowo ist, soll die Wimbledon-Trophäe ins Wohnzimmer zu den anderen Grand-Slam-Pokalen kommen – jedoch an prominenter Stelle. „Sie wird auf jeden Fall in der Mitte stehen“, gibt sie preis, blickt aber gleichzeitig ehrgeizig nach vorn. Denn nach den Titeln bei den Australian Open und den US Open 2016 fehlt eigentlich nur noch der Titel auf Sand. „Mal gucken, vielleicht kommt Paris noch dazu“, sagt Kerber dann zum Abschluss der Pressekonferenz über die French Open, ihren letzten fehlenden Grand-Slam-Titel.

Philipp Böhl
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