Ludwigsburg | 17. März 2018

Korbleger von Simon Linder

Einige Spieler aus dem aktuellen Kader der Riesen haben im bisherigen Verlauf der Saison eine sehr positive Entwicklung genommen. Dem einen oder anderen ist sogar zuzutrauen, dass er es in den nächsten Jahren bis in die höchste europäische Spielklasse, die EuroLeague, schafft. Thomas Walkup dirigierte von Beginn an souverän, spielt inzwischen gar auf MVP-Level. Elgin Cook begann zwar defensiv stark, aber offensiv holprig – nun punktet er jedoch seit einigen Wochen mit am verlässlichsten. Johannes Thiemann steigerte sich bis zu seiner Verletzung stetig, fügte unter anderem den Dreipunktewurf zu seinem Repertoire hinzu.

Und da ist noch einer, der wiederum seit Thiemanns Verletzung aus dem Schatten des deutschen Nationalspielers getreten ist: Justin Sears. Sears startete zwar bereits stark in die Spielzeit, wurde mit der Zeit aber immer verlässlicher. Am Korb schraubt er sich noch konsequenter mit seinen unkonventionellen Drehbewegungen ans Brett heran und schließt dort sicher mit beiden Händen ab, häufig per kaum zu verteidigendem Hakenwurf. Mindestens genauso wichtig ist sein Mitteldistanzwurf, den er inzwischen extrem zuverlässig trifft. Interessant ist außerdem sein Ballhandling: Auch wenn es alles andere als elegant aussieht, bringt Sears den Ball im Fastbreak schnell und zuverlässig nach vorne. Sein sicheres Dribbling hilft ihm auch beim Zug zum Korb aus der Mitteldistanz. Defensiv ist Sears wegen seiner Sprunggewalt sowie seiner langen Arme und schnellen Beine ein sehr unangenehmer Gegenspieler.

Bei diesen Qualitäten stellt sich die Frage, wie lange der 24-Jährige noch für die Riesen aktiv sein wird. Sein Arbeitspapier läuft nach der Saison aus. Nicht ausgeschlossen, dass Sears in den kommenden Jahren sogar zu einem EuroLeague-Spieler wird – das Potenzial ist da! Bis dahin müsste er jedoch noch einige Punkte verbessern. Da Sears mit 2,03 Metern für einen Center relativ klein ist, gäbe ihm ein zuverlässiger Distanzwurf die Möglichkeit, auch auf der Position des Power Forwards zu agieren. Die Alternative ist der Kraftraum: Für einen EuroLeague-Center ist Sears aktuell zu schmächtig. Hier gilt es allerdings, vorsichtig zu sein: Packt er zu viele Kilos drauf, könnte ihm seine ausgezeichnete Wendigkeit abhandenkommen.

Am besten wäre wohl eine Kombination aus beidem: ein bisschen kräftiger werden, um defensiv auch gegen richtige Center-Brocken dagegenhalten zu können; und ein solider Distanzwurf. Damit könnte Sears als „Stretch Five“ agieren – also als Center, der auch von der Dreierlinie scoren und von dort aus zum Korb ziehen kann. Dies in Kombination mit seinen schon vorhandenen Stärken könnte Sears Entwicklung extrem beschleunigen. So könnte Sears in den kommenden Jahren auch für europäische Topklubs interessant werden.

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