Extremsport
Ludwigsburg | 18. Juli 2018

Laufen als Leidenschaft gegen den Alltagsstress

Laufen ist für Janosch Kowalczyk ein Abenteuer. Verständlich, denn der Athlet des LAZ Ludwigsburg ist Ultraläufer. Ein Trendsport, bei dem teilweise weit über 50 Kilometer und mehr als 1000 Höhenmeter überwunden werden. Bei der WM im Mai wurde Kowalczyk Zehnter.

Kraftvoll unterwegs: Janosch Kowalczyk bei der Trail-WM in Spanien. Foto: privat
Kraftvoll unterwegs: Janosch Kowalczyk bei der Trail-WM in Spanien. Foto: privat

Ludwigsburg. Um zu verstehen, in welchen Dimensionen sich Ultraläufer Janosch Kowalczyk bewegt, muss man sich nur anhören, wie sein Trainingsrhythmus aussieht. „Unter der Woche laufe ich nicht so viel, heute Morgen bin ich zum Beispiel um 6 Uhr los und 25 Kilometer gelaufen“, berichtet der Athlet des LAZ Ludwigsburg.

Was viele Hobbyläufer nicht einmal in einer Woche zurücklegen, läuft der passionierte Sportler täglich. Mehr lasse seine Arbeit als studierter Mechatroniker bei einem Automobilzulieferer nicht zu. Richtig viel sei es erst am Wochenende. 50 bis 60 Kilometer durch den Schwarzwald. 300 bis 500 Höhenmeter werden dabei überwunden. „Ich mache das nach Gefühl. Unter der Woche gehe ich, wenn ich Zeit habe, sofort laufen“, sagt Kowalczyk.

Richtig heftig werden die Wettkämpfe. Bei der Trail-WM im Mai im spanischen Penyagolosa wurde er Zehnter – nach 85,1 Kilometern und 5000 überwundenen Höhenmetern in 9:16,10 Stunden. Sein bisher größter Erfolg. Zwei bis vier Wettkämpfe zwischen einer Distanz von 50 und 100 Kilometern absolviert der Ludwigsburger pro Jahr. In einem kleinen, leichten Laufrucksack transportiert er eine Rettungsdecke, eine Regenjacke und Wasser. Ansonsten gibt es auf dem Großteil der Strecken nur ihn und die Natur.

Der bisher längste Lauf führte ihn auf 100 Kilometern durch die Schweiz – in der Nacht. Als seien 100 Kilometer nicht schon anspruchsvoll genug, ging es bei dieser Veranstaltung auch noch gegen den eigenen Biorhythmus. Der Startschuss erfolgte um 22 Uhr. Nach 7:41,37 Stunden war Kowalczyk im Morgengrauen als Vierter im Ziel. „Die körperliche Leistung und dann auch noch in der Nacht, das ist eine beeindruckende Herausforderung“, sagt der 27-Jährige.

Zum Ausgleich in den Schwarzwald

Doch was treibt Kowalczyk an? „Mit dem Laufen kann ich alles verarbeiten, Stress im Alltag und im Beruf. Und wenn ich eine Stunde laufen gehe, ist das, wie wenn andere spazierengehen“, erklärt der Athlet. „Ich schlafe dann gut und es geht mir einfach besser.“ Doch das ist es nicht alleine: „Das ist eine Leidenschaft. Für mich ist das auch so ein Abenteuer-Ding.“

Leichtathlet war Kowalczyk schon als Kind. Auch Fußball spielte er. Der Leistungsaspekt entwickelte sich vor sechs Jahren. Damals, noch als Student an der Uni Karlsruhe, fuhr Kowalczyk zum Ausgleich mit dem Fahrrad in den Schwarzwald. Als das Rad kaputtging, versuchte er es wieder zu Fuß. „Laufen war immer ein Thema, drei- bis viermal die Woche. Aber irgendwann schlief es etwas ein.“

Das kaputte Rad erweckte die alte Liebe. Doch schon bald gab es Probleme. Das Knie war schnell überlastet. Immer wieder versuchte Kowalczyk, nach kurzer Erholung wieder zu starten – vergeblich. „Das war die schlimmste Zeit“, blickt er zurück. Erst als er wochenlange Ruhepausen einlegte und die Belastung langsam erhöhte, wurde es besser. Bis heute hält sein Knie den Belastungen stand. „ Der Körper gewöhnt sich an vieles“, ist der LAZ-Athlet überzeugt.

Derzeit ist er so gut in Form wie nie zuvor. Der 10. Platz bei der WM macht bei ihm Lust auf mehr. „Das Laufen ist mein Leben. Ich spiele schon mit dem Gedanken, als Profi-Läufer an den Start zu gehen“, sagt er. Die Szene ist klein. Bisher können etwa ein Dutzend Sportler ihr Leben als hauptberuflicher Ultraläufer bestreiten. Doch laut Kowalczyk ist die Disziplin stark im Wachsen und wer weiß – am fehlenden Willen dürfte es ihm nicht mangeln.

Marco Jaisle
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