Boxen
Ludwigsburg/Potsdam | 22. Mai 2018

Paskali trotz Sieg selbstkritisch

Boxer des MBC Ludwigsburg zieht seine Lehren aus dem Erfolg nach Punkten in seinem ersten Kampf als Profi

Debüt mit Anlauf-Schwierigkeiten: Xhek Paskali (links) im Kampf gegen Milosav Savic.Foto: Uwe Koch
Debüt mit Anlauf-Schwierigkeiten: Xhek Paskali (links) im Kampf gegen Milosav Savic.Foto: Uwe Koch

Nach seinem einstimmigen Punktsieg beim Profidebüt in Potsdam gewährte Boxer Xhek Paskali (MBC Ludwigsburg) einen ungewöhnlich offenen Einblick in seine Gefühlswelt: „Show, Fernsehen, meine Leute, die gekommen sind – das war alles neu für mich. Um ehrlich zu sein: So aufgeregt war ich schon lange nicht mehr vor einem Kampf, obwohl ich schon 160 Kämpfe hinter mir habe.“

Der 28-Jährige, den alle drei Punktrichter gegen den Serben Milosav Savic (23) mit 58:56 vorne sahen, nahm die kritische Analyse seines Trainers Achim Böhme gelassen entgegen. Einerseits zollte der Coach seinem Schützling Respekt, „dass er in seinem ersten Profikampf gleich einen Sechsrunder geboxt hat“. Auch den kurzfristigen Wechsel des Gegners habe Paskali gut weggesteckt.

„Aber seine boxerischen Qualitäten konnte Xhek nicht voll ausspielen“, fasste Böhme zusammen. Dennoch habe er den Kampf gemacht: „Wir waren aggressiver.“ Dies hätte Böhme gerne über die gesamte Kampfzeit gesehen und nicht nur phasen„weise.

Selbstkritisch merkte Paskali an: „In der ersten und zweiten Runde habe ich zu wenig gemacht. Es war ein sehr knappes Ding. Ich hätte ihn mehr am Körper treffen müssen.“ Die Schläge zum Kopf verpufften immer wieder, weil Milosav Savic bei seinen Ausweichbewegungen agiler und lockerer wirkte. „Mit Gegnern, die sich so bewegen im Oberkörperbereich, Hände runter – mit denen habe ich Schwierigkeiten“, musste der Ludwigsburger einräumen.

Die sehr kurzfristige Kampfansetzung und der Gegnerwechsel hatten die Vorbereitung erheblich erschwert. Coach Böhme legte Paskali aber auch ans Herz, sein gesamtes Konzept zu überdenken und eine professionellere Herangehensweise an den Tag zu legen.

Der Boxer zeigte Einsicht: „Dieser Kampf hat mich wachgerüttelt, ich muss einiges verändern. Der nächste Kampf wird wahrscheinlich schon nächsten Monat sein.“

Paskali, aufgewachsen in Ludwigsburg, wohnt und trainiert noch im Olympiastützpunkt Heidelberg, wo er schon während der Amateurkarriere seinen Lebensmittelpunkt eingerichtet hatte. Beim Veranstalter EC Boxing in Hamburg, der mit dem Team Sauerland kooperiert, hat er einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Dieser garantiert ihm die stattliche Zahl von acht Kämpfen pro Jahr. Promoter Erol Ceylan traut dem Supermittelgewichtler einiges zu: „Wir sind froh, gemeinsam mit Team Sauerland ein vielversprechendes Talent auf seinem Weg zu unterstützen.“

Diese große Chance muss Xhek Paskali jetzt beim Schopfe packen. Denn mit 28 Jahren ist er dem Talentalter längst entwachsen.

Erich Wagner
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