Ludwigsburg | 07. Juli 2018

Tänzerin Woltschanskaja ist von eigenen Landsleuten beeindruckt

Olga Woltschanskaja, Formationstänzerin beim deutschen Meister 1. TC Ludwigsburg, blickt einem mit Sport ausgefüllten Samstag entgegen. Tagsüber wird im Trainingssaal des Clubheims stundenlang an der neuen Choreografie gefeilt, ab 20 Uhr drückt sie vor dem Bildschirm ihren russischen Landsleuten im Viertelfinalspiel der Fußball-WM gegen Kroatien die Daumen.

Die 28-Jährige weiß aus eigener Erfahrung, welche körperliche und mentale Energie Leistungssportler aufbringen müssen, um große Ziele zu realisieren. Der Glücksmoment für Russlands Fußballer, als im Elfmeterkrimi gegen Favorit Spanien der Einzug unter die besten acht Mannschaften der Welt gelang, ließ auch ihr Herz höherschlagen.

Von wahren Euphoriewellen kann ihre Tante berichten. Sie hat die Sensation im Luschniki-Stadion in Moskau hautnah miterlebt. Dabei hatte im Vorfeld wenig darauf hingedeutet. „Ich bin davon ausgegangen, dass sie früh ausscheiden“, räumt Olga Woltschanskaja offen ein.

Beeindruckt ist die 28-Jährige vom eigenwilligen Nationaltrainer Stanislaw Tschertschessow: „Er verzieht keine Miene, es ist knallhartes Business. Das spiegelt die russische Mentalität wider.“ Ähnliches beobachtet Woltschanskaja bei den Politikern auf den Ehrengasträngen, die mit unbeteiligtem Gesichtsausdruck das Geschehen verfolgen. Umso mehr freut sie sich, „wie die Fans mitgehen und anfeuern, was nicht gang und gäbe ist in Russland. Die WM verbindet die Menschen.“ Und die Nationalmannschaft hat sich ähnlich wie der TCL im Jahr 2016 aus Krisen befreit.

Anfangs schlechte Laune

Als Olga Woltschanskaja im November 2016 mit ihrem Tanzpartner Sergej Esau (Foto: Baumann) zur Standardformation stieß, hatten die TCL-Verantwortlichen die Teilnahme an der WM gerade abgesagt, weil nur sechs statt der üblichen acht Paare zur Verfügung standen. „Alle hatten schlechte Laune“, erinnert sich die Gymnasiallehrerin, die am Robert-Bosch-Gymnasium in Gerlingen Deutsch und Biologie unterrichtet. Nur ein Jahr später kletterte der TCL in Bremen wie der Phönix aus der Asche auf den deutschen Meisterthron.

2018 will das Trainerehepaar Beck etwas komplett Neues präsentieren. Dienstags, donnerstags, samstags und sonntags entsteht auf dem Parkett in einem akribischen Prozess Schritt für Schritt das Gesamtkunstwerk. „Norman und Dagmar sind nicht bereit, sich mit dem abzufinden, was man erreicht hat, sondern wollen eins draufsetzen. Tschertschessow plant ebenso. Die Begeisterungswelle soll weiter durch Russland schwappen. (ewa)

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