Interview
Ludwigsburg | 12. Januar 2018

Wasserball-Zeitreise beim SVL

Dieter Gscheidle ist wie sein Vater Werner ein Urgestein des Ludwigsburger Wasserballsports

Dieter Gscheidle in Aktion (2007). Foto: Baumann
Dieter Gscheidle in Aktion (2007). Foto: Baumann
In den 50er und 60er Jahren lockte das Freibad am Neckarufer Hunderte Zuschauer zu den Wasserballspielen des SV Ludwigsburg. Foto: SVL-Archiv
In den 50er und 60er Jahren lockte das Freibad am Neckarufer Hunderte Zuschauer zu den Wasserballspielen des SV Ludwigsburg. Foto: SVL-Archiv

Eine 6000 Kilometer lange Drei-Länder-Fahrt, Freunde fürs Leben gefunden und mit Lederbällen aufs Tor geworfen – Dieter Gscheidle, Wasserball-Urgestein beim SV Ludwigsburg, erzählt uns in einem Gespräch, was den Wasserball beim SV Ludwigsburg 08 in der Nachkriegszeit, als sein Vater aktiv war, geprägt hat und spricht über die aktuelle Situation in der Bundesliga.

Herr Gscheidle, Sie stammen aus einer Wasserball-Familie. Was hat Sie und Ihren Vater motiviert, mit dem Sport anzufangen?

Dieter Gscheidle: Grundsätzlich war es der Teamgeist. Alle haben füreinander gekämpft im Sinne von „nur zusammen sind wir stark“.

Ihr Vater, Werner Gscheidle, wurde mit dem SVL 1961 Deutscher Vizemeister und 1964 Deutscher Pokalsieger. Dazu mehrere Endrundenteilnahmen in den 50ern um die deutsche Meisterschaft. Wie erklärt man diese Erfolge?

Die Spieler waren Freunde innerhalb und außerhalb des Wassers. So hat die Mannschaft meines Vaters in der Saisonvorbereitung 1952 von Ludwigsburg über Strasbourg, Barcelona, Madrid bis nach Lissabon mit drei VW-Käfern eine 6000 Kilometer lange „Europatour“ gemacht. Freundschaftsspiele gegen Heimmannschaften und Sehenswürdigkeiten waren auf den Programm. Das ist heute unvorstellbar, hat aber die Mannschaft zusammengeschweißt.

Die Ausrüstung und die Spielmittel haben auch den damaligen Wasserball geprägt…

Die Badekappen waren Wendekappen aus Stoff, quasi zwei Kappen in einer: Die Farbe der Außenseite war für die Heimspiele, die der Innenseite für die Auswärtsspiele. Außerdem hatten die Kappen keine Ohrenschützer. Die Badehosen waren breiter geschnitten und gespielt hat man mit Lederbällen, die schwerer als die heutigen Bälle waren.

Eine Generation danach sind Sie Ihrem Vater im Wasserball gefolgt, als Sie mit 18 Jahren 1986 in der Regionalliga für den SVL debütiert haben. Was haben Sie aus der Zeit Ihres Vaters mitgenommen?

Der Teamgeist wurde an meine Generation weitergegeben. Wir haben uns nach den Spielen im Vereinsheim immer getroffen. Auch die Reise- und Wettkampflust ließ sich nicht bremsen: Wir haben in der Saisonvorbereitung 1991/92 in Neuseeland für drei Wochen in ihrer Bundesliga als Gastmannschaft teilgenommen.

Wer war besser im Wasserball? Sie oder Ihr Vater?

Mein Vater. Die Erfolge sprechen dafür.

Was denken Sie zum jetzigen Abschneiden des SVL in der Hinrunde der Bundesliga?

Die Mannschaft hat sich gut geschlagen. Die individuelle Stärke ist vorhanden, sie muss aber noch mehr zusammenwachsen. Viele Spieler spielen erstmals zusammen, während andere Mannschaften in der Bundesliga bereits eingespielt sind.

Glauben Sie an den Klassenverbleib?

Wenn die Mannschaft zu einer Einheit wird und diszipliniert spielt, dann bin ich zuversichtlich.

Wie sehen Sie die Wasserball-Zukunft für den SVL und für Deutschland?

Ich denke, dass Ludwigsburg Potenzial hat. Man müsste mehr in den Jugendbereich investieren. Die Erfolge in der Zeit meines Vaters sprechen dafür: Fast alle seine Mitspieler waren vereinseigene Spieler. Für den deutschen Wasserball ist es generell schwierig, weil es vor allem an Vermarktung fehlt.

Fragen von Bojan Mrdja
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige