Boxen
Ludwigsburg | 16. Dezember 2017

Xhek Paskali feiert ersten deutschen Meistertitel

Der Ludwigsburger Boxer des MBC gewinnt die nationalen Titelkämpfe in Hamburg – Aufenthalte bei Profiställen

Hat endlich seinen ersten Meistertitel: Xhek Paskali.Archivfoto: bm
Hat endlich seinen ersten Meistertitel: Xhek Paskali.Archivfoto: bm

Bei den nationalen Titelkämpfen in Lübeck stand der für den MBC Ludwigsburg kämpfende Boxer Xhek Paskali ganz oben auf dem Podest. Erstmals von der 75-Kilogramm-Klasse in die 81-Kilogramm-Kategorie hochgerückt, lieferte der Linksausleger vier tadellose Kämpfe ab. Mit dem 5:0-Finalsieg gegen Athanasios Kazakis (Eislingen) beendete der Ludwigsburger Athlet eine lange Serie mit zweiten und dritten Plätzen.

Zum Auftakt hatte Paskali im Achtelfinale Melvin Kahrimanov (Berlin) ausgeschaltet (5:0). In der Runde der letzten Acht punktete er Nicolaj Dantschula (Villingen-Schwenningen) souverän mit 5:0 aus. Die letzte Hürde vor dem Kampf um Gold – Ammar Abbas Abduljabar (Hamburg) – überwand Paskali mit 4:1. Als vorteilhaft erwies sich der Wechsel ins nächsthöhere Gewichtslimit, weil damit das kräftezehrende Abkochen entfiel, das ihm in letzter Zeit immer schwerer gefallen war. Am Mittwoch feierte Paskali, der im Olympiastützpunkt Heidelberg lebt und trainiert, in Ludwigsburg mit seiner Familie und seinen Freunden die Titelpremiere. Am Abend gab er per Skype ein Live-Interview im albanischen Fernsehen.

Boxen hat sein Leben verändert

Mit zwei Jahren war er mit seinen Eltern aus Tirana (Albanien) in die Barockstadt gekommen. Als Jugendlicher fand er beim MBC in Trainer Achim Böhme einen väterlichen Freund, der ihm die richtige Einstellung im Ring vermittelte.

Boxen habe sein Leben verändert, sagte Paskali einmal in einem Interview: „Ich weiß nicht, welchen Weg ich gegangen wäre, wenn ich nicht geboxt hätte. Ich habe das Gefühl, dass es kein guter gewesen wäre.“

Nach Realschulabschluss und Fachabitur absolvierte Paskali beim MBC eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann. Sportlich rückte er 2011 als deutscher Vizemeister der Männer erstmals ins nationale Rampenlicht. Auch 2012 (erneut Zweiter) und 2013 (Dritter) boxte er sich in die Medaillenränge. Danach zwang ihn eine Augenverletzung zu einer längeren Pause.

Haarsträubende Fehlurteile kosteten den Modellathleten im vergangenen Jahr die greifbar nahe Olympiateilnahme. Sowohl in Samsun (Türkei) als auch in Caracas (Venezuela) schien Paskali nach überlegen geführten Duellen das Rio-Ticket sicher in den Händen zu halten, doch die Kampfrichter brachten ihn um den Lohn für die Schinderei in unzähligen Trainingsstunden.

„Nach der ganzen Betrügerei mit Olympia habe ich es ein bisschen schleifen lassen“, blickt Xhek Paskali selbstkritisch zurück. Beim Chemie-Pokal in Halle habe er sich nicht in bester Verfassung präsentiert. So fanden die Weltmeisterschaften in Hamburg im Sommer ohne den Ludwigsburger statt.

Mit Aufenthalten im Wild Card Boxing Club in Los Angeles, wo Paskali mit dem erfolgreichen Proficoach Freddie Roach trainierte, und als Sparringspartner im Sauerland-Boxstall in Berlin kehrte die Motivation zurück. Der 27-Jährige, der sich als guter Techniker und zäher Kämpfer variabel auf unterschiedliche Kontrahenten einstellen kann, fühlt sich gerüstet für den Sprung ins Profi-Lager. Es wäre sein nächstes Ziel.

Erich Wagner
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