23. April 2012

Ecclestone trotzt Kritik: F1 auch 2013 in Bahrain

Sakhir (dpa) - Chefvermarkter Bernie Ecclestone will trotz der heftigen Kontroverse um das Bahrain-Rennen auch im kommenden Jahr mit der Formel 1 in das politisch unruhige Königreich zurückkehren. Die Rennserie werde in Bahrain gastieren, «so lange sie uns wollen», sagte der Brite.

Chefvermarkter
Bernie Ecclestone (r) will weiter in Bahrain mit der Formel 1 präsent sein. Foto: Srdjan Suki
dpa

Die harsche Kritik am Festhalten der Formel 1 an dem Grand Prix begrüßt Ecclestone nun sogar. «Ich denke, das ist gut, weil die Leute so über die Dinge reden. Es heißt doch, so etwas wie schlechte PR gibt es nicht», erklärte der 81-Jährige.

Bahrains Protestbewegung und Menschenrechtsorganisationen hatten der Formel 1 vorgeworfen, sich vom Königshaus instrumentalisieren zu lassen und mit dem Rennen ein falsches Bild der Normalität zu verbreiten. Auch während des Grand-Prix-Wochenendes hatte es in dem Land Demonstrationen und Zusammenstöße zwischen Oppositionellen und Sicherheitskräften gegeben.

Zahlreiche internationale Medien kritisierten das ignorante und teilweise zynische Verhalten des Formel-1-Trosses gegenüber den sozialen und gesellschaftspolitischen Verhältnissen in dem Golfstaat. «Die Machthaber schotteten den Rennkurs gegen die politischen Proteste ab. Die Formel 1 reflektierte nicht die Realität in dem Land», urteilte die spanische Zeitung «Sport» am Montag. «El Periódico» schrieb: «Der König von Bahrain setzt auf Repression. Er ließ Proteste niederschlagen, während die Rennwagen über den Rundkurs rasten.» Der englische «Independent» meinte, die Formel 1 habe nicht nur sich selbst, sondern auch die Glaubwürdigkeit des gesamten Sports beschädigt. «Die Presse» aus Österreich kommentierte: «Ein Sieg mit bitterem Beigeschmack.»

Doch ungeachtet aller Proteste und Kritik will Ecclestone an seinem langfristigen Vertrag für das Rennen in Bahrain festhalten. «Absolut. Für immer. Kein Problem», beteuerte der Rechte-Mitinhaber. Das Wachstum der Formel 1 in Bahrain und dem Nahen Osten halte an, fügte er hinzu. Es gebe bereits weitere Interessenten in der Region für die Austragung eines Rennens.

Bahrain war im Jahr 2004 als erstes Land des Nahen Ostens Gastgeber für die Formel 1. 2009 folgte Abu Dhabi. «Mit Blick auf das vorhandene Kapital ist hier der größte Schwerpunkt der Welt. Wenn es danach geht, können wir hier gar nicht genug Rennen haben», sagte Lotus-Teambesitzer Gerard Lopez.

Mehrere Rennställe haben enge wirtschaftliche Verbindungen zu den Golfstaaten oder hängen finanziell stark von dortigen Geldgebern ab. So hält der Staatsfonds Aabar von Abu Dhabi 40 Prozent am Mercedes-Team. In dem Emirat steht neben dem imposanten Yas Marina Circuit die spektakuläre «Ferrari World». Toro Rosso, das Schwesterteam von Weltmeister Red Bull, wird von drei Unternehmen gesponsert, die im Besitz eines anderen Fonds aus Abu Dhabi sind. Williams arbeitet mit einer Einrichtung in Katar zusammen.

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