15. April 2012

Formel 1 reist nach Bahrain weiter - Kritik wächst

Shanghai (dpa) - Ab in die Wüste: Unter heftigen Protesten von Menschenrechtlern macht sich der Formel-1-Zirkus auf den Weg nach Bahrain. Eine Renn-Absage wegen der unruhigen politischen Lage im Golfstaat hatte der Automobil-Weltverband FIA zuvor energisch abgelehnt.

Aufregung
Luftaufnahme der Formel-1-Rennstrecke in Bahrain. Foto: Bryn Williams
dpa

Am Wochenende sollen indes die Teilnehmer einer Beerdigung eines getöteten Journalisten in Bahrain von der Polizei beschossen worden sein. Internationale Medien bewerteten das Festhalten der FIA an dem für den 22. April geplanten Wüsten-Rennen als rein wirtschaftliche Entscheidung.

«Dieses Rennen ist eine Schande», sagte der Präsident des Bahrainischen Zentrums für Menschenrechte der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Die Botschaft, die von der Formel 1 ausgehe, sei «sehr negativ», schimpfte Nabil Radschab. Die Organisation «Human Rights Watch» kritisierte, die Machthaber in dem Golfstaat hätten nun die Möglichkeit, in den kommenden Tagen die Menschenrechtsverletzungen zu verschleiern. In den vergangenen Tagen war es in Bahrain wiederholt zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten gekommen. Diese fordern Reformen ein.

Bei der Polizei-Attacke auf die Trauergemeinde in Bahrain wurde nach einem Bericht des «Telegraph» ein 15-Jähriger angeschossen. Demnach seien die Trauernden gezielt auch mit Tränengas attackiert worden. Zuvor waren bei einer Explosion zwei Autos zerstört worden.

Wegen blutiger Unruhen war das Rennen im vergangenen Jahr noch abgesagt worden. Die FIA und ihr Präsident Jean Todt entschieden jedoch, das umstrittene Rennen diesmal zu starten. Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone hatte am Rande des dritten WM-Laufs in Shanghai erklärt, das «alle» mit dieser Entscheidung glücklich seien. Politik und Sport dürften nicht miteinander vermischt werden. «Diese Entscheidung hat nur mit Wirtschaftsinteressen zu tun, aber nichts mit dem Sport», kritisierte indes die englische Zeitung «Guardian».

«Das ist keine weise Entscheidung. Die Formel 1 steht damit für einen Sport, der Diktatoren und repressive Regime unterstützt», kommentierte auch Aktivist Radschab. Es könne auch am Renn-Wochenende in Bahrain «Demonstrationen geben, aber die Protestbewegung wird nicht gezielt Leute angehen, die hier zur Formel 1 sind. Da wird nichts passieren», sagte er. «Wir Bahrainer wollen niemandem schaden, der zu uns kommt. Wir sind friedlich.»

Mehrere Teams erklärten in der Tat, auf besondere Sicherheitsvorkehrungen zu verzichten. Kritik an der FIA-Entscheidung wurde nur hinter vorgehaltener Hand geäußert. Eine kurzfristige Absage des Rennens könne nun wohl nur noch erfolgen, wenn Länder Reisewarnungen für Bahrain aussprechen, hieß es.

Radschab appellierte dennoch an Ecclestone, die FIA und die Teams: «Bitte stellen Sie das Geld diesmal hintenan und fahren Sie nicht.» Die Teams sehen sich allerdings der FIA verpflichtet. Würden sie nicht nach Bahrain fahren, nähmen sie erhebliche finanzielle Einbußen in Kauf. «Es ist sehr schwierig für uns. Wir müssen den Rat von Leuten annehmen, die alle Informationen haben», sagte Mercedes-Teamchef Ross Brawn.

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