04. Oktober 2012

Schumacher sagt zum zweiten Mal «Goodbye»

Suzuka (dpa) - Michael Schumachers Stimme stockte. «Time to say goodbye», sagte der Formel-1-Rekordweltmeister am Donnerstag bewegt und erklärte im japanischen Suzuka um 16.46 Uhr Ortszeit seine einzigartige Karriere zum Saisonende endgültig für beendet.

Abgang
Michael Schumacher verkündete in Suzuka sein Karriereende zum Saisonende. Foto: Franck Robichon
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Tschüss
Michael Schumacher verabschiedete sich in Suzuka auch von den Fans. Foto: Franck Robichon
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Premiere
1992 feierte Michael Schumacher im belgischen Spa seinen ersten Sieg. Foto: epa
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Rekord
Bei Ferrari gewann Schumacher (M) fünf von seinen sieben WM-Titeln. Foto: Oliver Weiken
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Volksheld
In seiner Ferrari-Zeit wurde Michael Schumacher zum deutschen und italienischen Volkshelden. Foto: Attila Kisbenedek
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Am 25. November wird sich der Mercedes-Pilot in Sao Paulo nach seinem 308. Grand Prix mit fast 44 Jahren aus der Königsklasse verabschieden. Freunde, Rivalen und Wegbegleiter reagierten betroffen und baten den siebenfachen Champion, in anderer Funktion weiterzumachen. «Das ist sehr schade und ein großer Verlust. Für mich war er immer einer der Größten», kommentierte der zweifache Weltmeister Sebastian Vettel. Mercedes-Teamchef Ross Brawn nannte seinen Intimus sogar den «Fahrer des Jahrhunderts».

Schumacher will einfach nicht mehr. Besonders beim Dank an seine Frau Corinna und seine Kinder hielt er inne. «Das ist ein spezieller Moment für mich», entschuldigte sich Schumacher und bekam noch einmal feuchte Augen, als ihm Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug energisch um den Hals fiel.

Ansonsten wirkte er locker und fast befreit. «Ich habe die Motivation und Energie verloren, die man zweifelsfrei braucht», sagte der Superstar. Ähnlich hatte er sich 2006 in Monza geäußert, als er beim ersten Mal zurückgetreten war. «Wer weiß, vielleicht ist es diesmal ja für immer.»

Die Entscheidung von Mercedes, den am Jahresende auslaufenden Dreijahresvertrag mit Schumacher nicht zu verlängern und stattdessen den 16 Jahre jüngeren Lewis Hamilton zu holen, war wohl mit ausschlaggebend für seinen Schritt. Dadurch war kein Platz mehr für den Altmeister, dem die lange aufgeschobene Entscheidung über die Fortsetzung seiner Karriere abgenommen wurde. «Letztendlich würde ich sogar sagen: Damit waren meine Zweifel, ob ich es noch kann, beseitigt», betonte der Kerpener und gab zu: «Ich hatte ja auch lange die Möglichkeit, bei Mercedes zu verlängern, konnte mich aber nicht entscheiden.»

Nach dem Mercedes-Coup mit Hamilton debattierte die gesamte Formel 1 sechs Tage darüber, wie und wo es mit Schumacher weitergehen könne. Vettel legte seinem Kumpel einen Wechsel zu Sauber nahe - vergeblich. Sechs Rennen noch, dann ist Schluss. Was danach kommt, wisse er noch nicht, so Schumacher. «Darüber werde ich entscheiden, wenn die Zeit dazu reif ist.» Möglichkeiten gebe es viele, «auch dem Konzern erhalten zu bleiben».

RTL-Experte Niki Lauda, in der kommenden Saison der neue starke Mann bei Mercedes, bedauerte den Entschluss: «Ich ziehe die Kappe vor Michael Schumacher, denn in meinen Augen ist er als siebenmaliger Weltmeister der beste Formel 1-Rennfahrer, seit es die Rennserie gibt.»

Auch Schumachers aktueller Stallrivale Nico Rosberg fand anerkennende Worte: «Ich kann mich sehr, sehr glücklich schätzen, dass ich ihn drei Jahre als Teamkollegen hatte. Ich habe den größten Respekt für seine Leistung.»

Obwohl es mit Mercedes in den drei Jahren nach seinem spektakulären Comeback zu Saison 2010 nicht für einen Sieg reichte, ist Schumacher mit sich völlig im Reinen. «Die Gesamtheit dessen, was ich in der Formel 1 erreicht habe, hat sich nicht geändert», betonte er. Seine sieben Titel, 91 Rennsiege und zahlreichen Rekorde kann ihm niemand mehr nehmen. «Deshalb gehe ich zufrieden.»

Schon in den vergangenen drei Jahren zeigte sich der Liebling der Fans trotz ausbleibender Erfolge anders als in der Zeit vor seinem ersten Rücktritt 2006. Schumacher schien zufrieden und in sich ruhend, war zudem offener und zugänglicher als zuvor. «Ich habe in den vergangenen sechs Jahren sehr vieles gelernt, natürlich auch über mich selber. Zum Beispiel, offen zu sein, die Sache zu genießen und trotzdem aber auch fokussiert zu sein», sagte Schumacher.

«Ich habe Ende 2009 gesagt, dass ich an meinen Erfolgen gemessen werden möchte, und daher habe ich in den vergangenen drei Jahren viel Kritik eingesteckt, die zum Teil berechtigt war.» Zweifel kamen auf, ob er mit Mitte vierzig wirklich noch weiter gegen Anfang Zwanzigjährige fahren müsse. Schumacher zauderte und gab zu. «Ich habe mich nicht entscheiden wollen.»

So wie am 10. September 2006 in Monza, als er zum ersten Mal aufgehört hatte. Damals kam schnell wieder Unruhe auf. Schumacher fuhr Motorradrennen und verunglückte bei Testfahrten auf dem Zweirad im Februar 2009. Eine Rückkehr im Sommer 2009 für Ferrari musste er schweren Herzens wegen der Folgen des Crashs absagen. Ein paar Monate später gab Mercedes das Comeback bekannt.

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