21. April 2012

Weiter Proteste in Bahrain - Kritik an Formel 1

Sachir (dpa) - Die Proteste vor dem Grand Prix in Bahrain reißen nicht ab - und die Kritik am Schweigen der Formel 1 zur Unterdrückung in dem Königreich wird immer lauter.

Demonstration
Die Menschen in Bahrain gehen für Reformen auf die Straße. Foto: Mazen Mahdi
dpa

Doch trotz eines Todesfalls im Anschluss an die Demonstrationen tausender Oppositioneller in Manama verteidigte Automobil-Weltverbandschef Jean Todt erneut das Festhalten an dem für Sonntag geplanten Rennen. «Ja, das ist gut für den Sport», sagte der Franzose am Samstag an der Strecke von Sachir dem britischen Sender BBC. «Wir sind kein politisches Organ, sondern ein sportliches», fügte Todt hinzu.

Die Tochter eines inhaftierten Oppositionsführers machte der Formel 1 wegen dieser Haltung Vorwürfe. «Ich hoffe, dass diese Fahrer, die nicht über die Geschehnisse sprechen wollen, eines Tages ihre Meinung ändern. Wenn nicht, werden sie ihre Kinder vielleicht fragen, warum sie in einem Land ein Rennen gefahren sind, in dem die Herrschenden so viele Leute verhaften und foltern», sagte Zainab Al-Khawaja, die Tochter eines inhaftierten Oppositionsführers, der britischen Zeitung «The Independent» (Samstag).

Ihr Vater, der dänisch-bahrainische Menschenrechtsaktivist Abdulhadi Al-Khawaja, ist seit dem 8. Februar im Hungerstreik. Er war nach den blutigen Unruhen in Bahrain im Vorjahr verhaftet und von einem Sondergericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Am Freitagabend hatte die Protestbewegung im Golfstaat erneut für Reformen und gegen die Austragung des für Sonntag geplanten Rennens demonstriert. Tausende waren in der Hauptstadt Manama auf die Straßen gegangen. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Blendgranaten gegen die Demonstranten ein. Danach wurde ein Toter gefunden. Angehörige des Opfers erklärten, Salah Abbas Habib sei erschossen worden. Die Polizei untersucht den Vorfall.

Die Formel-1-Verantwortlichen und die Fahrer lehnten auf dem Bahrain International Circuit in Sachir bislang klare Worte zu dem Konflikt ab. Chefvermarkter Bernie Ecclestone erklärte: «Wir sind nicht hier, um uns in die Politik einzumischen.» Weltmeister Sebastian Vettel hatte gesagt: «Unser Job ist der Sport, sonst nichts.» Zudem bezeichnete der 24-Jährige die Berichte über die Lage in Bahrain als «großen Hype».

«Ist noch irgendwas von diesem alten Klischee eines moralischen Kompasses übrig?», kommentierte «The Independent» und beschrieb Vettel als «schändlichen Mann». Internetaktivisten brachten die offizielle Formel-1-Seite zum Absturz. Die britische «Times» veröffentlichte eine beißende Karikatur, die Ecclestone in einem Rennwagen zeigt, der von einem Scheich mit Blut betankt wird. Im Hintergrund liegen Leichen.

Trotz der wachsenden Kritik hatte Kronprinz Salman bin Hamad Al-Chalifa Forderungen nach einer kurzfristigen Absage des Grand Prix zurückgewiesen. Im Vorjahr war das Rennen wegen der Unruhen mit über 30 Toten gestrichen worden.

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