23. Juli 2013

Aufbruchstimmung unter neuem VfB-Boss Wahler

Stuttgart (dpa) - Der VfB Stuttgart ist bereit für den Neuanfang. Clubboss Bernd Wahler will bei den Schwaben eine Ära prägen. Auf ihn wartet eine Menge Arbeit. Wahler strotzt vor Enthusiasmus.

Gewählt
Der neue VfB-Präsident Bernd Wahler jubelt nach seiner Wahl. Foto: Franziska Kraufmann
dpa

Das Liebesbekenntnis von Wahler zum VfB nahm seine Frau Petra schmunzelnd auf. «So leicht ist mir das Ja das letzte Mal bei meiner Hochzeit über die Lippen gegangen», sagte der übers ganze Gesicht strahlende 55-Jährige nach seiner überzeugenden Wahl zum neuen Präsidenten des schwäbischen Fußball-Bundesligisten. «Ein Traum ist in Erfüllung gegangen.» Mit 97,4 Prozent der Stimmen holte Wahler in der Nacht zum Dienstag ein Ergebnis, das Sportvorstand Fredi Bobic schelmisch kommentierte: «Es hat fast schon kommunistischen Charakter.»

Der DFB-Pokal-Finalist der vergangenen Saison will den Aufschwung nutzen. «Wir starten neu, frisch in die Zukunft», meinte Bobic. Zwei Jahre der Stagnation unter dem teils rüde auftretenden Vorgänger Gerd Mäuser und dem ebenso ungeliebten früheren Aufsichtsratsboss Dieter Hundt sind genug. Nicht nur für Bobic ist Wahler als «Mann aus der Mitte» das verheißungsvolle Gesicht des schwäbischen Aufbruchs.

Im kurzärmligen weißen Hemd und mit seiner Frau an der Seite hatte der Adidas-Manager, der satzungsgemäß einziger Kandidat für das Amt war, aus der ersten Reihe in der Porsche Arena die harmonische Mitgliederversammlung verfolgt. Um 23.42 Uhr, mehr als fünfeinhalb Stunden nach Beginn, riss der neue starke Mann im Verein seine Arme in die Höhe und jubelte. «Das ist eine traumhafte Basis», kommentierte Wahler nach seinem Sieg, den er im Clubheim feierte. «Das ist ein absolutes Highlight in meinem Leben.»

Auffallend ist das ansteckende Lachen des Mannes aus Schnait im Remstal, beachtlich seine Bescheidenheit. «Der VfB hat die Prozente bekommen», stellte Wahler klar, er sei lediglich das Gesicht dieses Erfolgs. Sein Vorgänger Mäuser hatte 2011 als Wunschkandidat von Hundt gerade mal die nötige einfache Mehrheit von 58,7 Prozent der Stimmen erhalten. «Das ist fantastisch, das ist ein Zeichen für den Verein», sagte nun Aufsichtsratsboss Joachim Schmidt.

Mit einem Imagefilm hatte sich Wahler den rund 2600 Mitgliedern vorgestellt und eine eindringliche Rede gehalten. «Unser Ziel ist, mittelfristig an die Champions-League-Plätze ranschnuppern zu müssen», stellte er das Selbstverständnis der Schwaben heraus. «Wir müssen den Versuch unternehmen, auf allen Ebenen anzugreifen.» Der VfB müsse zu den Top Fünf der Bundesliga gehören.

«Mittelmaß ist nicht mein Ding», betonte der bodenständig auftretende Wahler. Dann wies der 55-Jährige auf zwei Kernpunkte hin, die fest in seiner Programmatik verankert sind. «Ich will Ruhe im Verein, aber keine Ruhe im Weiterentwickeln.» Und: «Für mich ist Teamwork keine Worthülse, sondern Lebenseinstellung.» Dadurch soll das ramponierte Image der Schwaben wieder aufpoliert werden.

Auch Aufsichtsratsboss Schmidt hatte ein Plädoyer für einen intensiveren Austausch aller Interessengruppen im Verein und für mehr Transparenz gehalten. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger wurde er nicht abgewatscht. Mehr als zwei Drittel der Mitglieder versagten Hundt die Entlastung. «Das war eine kleine Abrechnung», kommentierte Bobic.

Wie geht es jetzt weiter für Wahler? «Ich kann es gar nicht erwarten, endlich loszulegen», sprudelte es aus ihm hervor. Dazu will Wahler auch so schnell wie möglich eine Lösung mit Adidas finden, um zum 1. August oder spätestens 1. September als hauptamtlicher VfB-Boss die Geschicke zu leiten. Mit Ernst, aber auch viel Freude. «Jeder, der in den vergangenen 30 Jahren mit mir zusammengearbeitet hat, wird sagen, dass mein Lachen mein Markenzeichen ist», sagte Wahler. Seine Frau Petra kann das nur bestätigen.

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