21. September 2014

BVB-Stürmer Immobile vom Helden zum Fehlschützen

Mainz (dpa) - Ciro Immobile fühlte sich eigentlich stark und selbstsicher. Nach seinem spektakulären Champions-League-Tor gegen Arsenal mit 55 Metern Anlauf versagten dem Millionen-Einkauf von Borussia Dortmund beim FSV Mainz 05 aber aus elf Metern die Nerven.

Ciro Immobile
Ciro Immobile (r) vergab vom Elfmeterpunkt die Großchance zum Ausgleich. Foto: Fredrik von Erichsen
dpa

Loris Karius hielt den Strafstoß, die Rheinhessen siegten mit 2:0 (0:0). «Er hat ihn nicht reingemacht. Das kommt vor im Fußball, war aber nicht ein so günstiger Zeitpunkt», sagte BVB-Coach Jürgen Klopp über die entscheidende Szene des Spiels. Die Chance zum Ausgleich nach der 05-Führung durch Shinji Okazaki (66. Minute) war vertan. Zu allem Überfluss lenkte Matthias Ginter eine Hereingabe des Mainzers Jairo Samperio zum Endstand ins eigene Tor (74.).

Beim Elfmeter mochte Klopp an seiner ehemaligen Wirkungsstätte nicht hinsehen. Er stand mit dem Rücken zum Spielfeld, hatte auf der Tribüne seine Familie entdeckt. «Ich habe mir gesagt, wenn sie jubeln, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Ball drin ist. Dann haben ich alle anderen jubeln sehen und gedacht: Dann war er wohl nicht drin.»

Das Verhalten bei beiden Gegentoren brachte Klopp auf die Palme. «Da waren wir in der Birne zu passiv», grantelte der 47-Jährige. Beim vierten Saisontor von Okazaki, der den Leistungsvergleich gegen seinen Landsmann Shinji Kagawa für sich entschied, und beim letztlich entscheidenden ersten Bundesliga-Eigentor von Ginter (74.) fehlte den Dortmundern die Entschlossenheit. «Wir haben schlecht verteidigt. Dazu der verschossene Elfmeter, da kommt alles zusammen. Wir haben hochverdient verloren», bilanzierte Klopp.

Der Kräfteverschleiß nach dem schweren 2:0 in der Champions League oder die lange Liste verletzter Spieler wollte er nicht als Erklärung heranziehen. «Das haben wir noch nie gemacht und tun es auch jetzt nicht», sagte Klopp. Immerhin rannten die Borussen wie die Mainzer in der intensiven und leidenschaftlich geführten Partie an die 119 Kilometer, auch alle statistischen Werte wie Ballbesitz, Zweikampfquote und Torschüsse sprachen für die Borussia.

Der Blick der Dortmunder, die erstmals unter ihrem Übungsleiter zwei der ersten vier Ligaspiele verloren, geht nach vorn. «Am Mittwoch geht es schon gegen Stuttgart weiter. Wir müssen Kraft tanken und dann die drei Punkte holen», erklärte Abwehrspieler Eric Durm. Klopp appelliert an die Lernfähigkeit seiner Akteure. «Viele Spieler müssen noch lernen, mit der Belastung umzugehen. Wenn du an so einem Tag Schmerzen verspürst, dann machst du einen Schritt weniger.»

Die Mainzer feierten den ersten Sieg gegen Dortmund nach viereinhalb Jahren ausgelassen. Zur Hochstimmung der 34 000 Zuschauer trug Samperio bei seinem Debüt bei. Zu beiden Toren leistete der 21-jährige Spanier die Vorarbeit. «Er war die Initialzündung. Er hat das super gemacht», lobte Mittelfeldspieler Johannes Geis den Neuen. «Er ist schnell und spielintelligent», sagte Trainer Kasper Hjulmand.

Der Nachfolger des amtsmüden Thomas Tuchel bleibt ungeschlagen in der Bundesliga, der Spitzenplatz ist für ihn eine schöne Momentaufnahme. «Das war ein großer Abend für den Verein. Gegen einen großen Gegner ist es wichtig, dass man kollektiv arbeitet», lobte der Däne. Richtig wertvoll wird der Dreier aber erst, wenn die Mainzer am Dienstag im Rhein-Main-Derby bei Eintracht Frankfurt nachlegen.

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