22. Oktober 2013

«Bizarr!»: Was Hoffenheim schon alles erlebt und angerichtet hat

Frankfurt/Main (dpa) - Jede Menge Trainer- und Managerwechsel, die Beschallungsaffäre, Faschings-Eskapaden von Spielern, eine Herbstmeisterschaft, eine Relegation - und jetzt das Phantomtor.

Phantomtor
Das neuste Highlight in der Hoffenheimer Bundesliga-Geschichte: Das Phantomtor. Foto: Uwe Anspach
dpa

In den Hochglanzbänden zum 50-jährigen Bestehen der Fußball-Bundesliga hat 1899 Hoffenheim in gerade einmal fünf Jahren im Oberhaus viele Kapitel geschrieben. Immer wieder schwankt der Emporkömmling aus dem Kraichgau zwischen Tragik und Komik.

Jochen A. Rotthaus, der zum Saisonende als Marketingchef und einer von drei Geschäftsführern ausscheidet, hat den einstigen Dorfclub acht Jahre lang begleitet. Der 47-Jährige hat also schon viel erlebt mit Hoffenheim und spielt daher auch eine Hauptrolle in dem Film «Das Leben ist kein Heimspiel», der den Aufstieg des Vereins beschreibt. Das Phantomtor des Leverkuseners Stefan Kießling bei der 1:2-Niederlage am vergangenen Freitag durch ein Loch im Netz lässt ihn aber immer noch den Kopf schütteln: «Bizarr! So was passiert nie wieder - und wir waren dabei.»

Die Schlagzeilen, die die Hoffenheimer seit ihrem Sprung in die Bundesliga 2008 machten, hätte Rotthaus nicht mit dem besten PR-Konzept schreiben können. So manches, wie den Höhenflug unter Ralf Rangnick im Premierenjahr, als die TSG zur Saison-Halbzeit sogar den FC Bayern abgehängt hatte, konnte sich der Verein selbst auf die Fahne heften. Nach dem zornigen Abgang des Erfolgstrainers am Neujahrstag 2011 aber begann sich das Personalkarussell rasend schnell zu drehen. Auf der Trainerbank: Marco Pezzaiuoli, dann Holger Stanislawski, Markus Babbel, Frank Krämer, Marco Kurz und seit April Markus Gisdol.

Die Verantwortlichen wurden immer häufiger zu Krisenmanagern - und es gab viele Verantwortliche: Auf Aufstiegsmanager Jan Schindelmeiser folgte Ernst Tanner, dann übernahm Babbel eine Doppelfunktion, dann kam und ging Andreas Müller. Jetzt heißt der Sportchef «Leiter Profifußball» und Alexander Rosen. Dazu gibt es den früheren Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters als Direktor, drei Geschäftsführer, neuerdings mit Peter Rettig einen Vorsitzenden der Geschäftsführung, Präsident Peter Hoffmann und natürlich den übermächtigen Dietmar Hopp.

Gegen die jahrelangen Anfeindungen von Fans gegen den Mäzen und Milliardär konnte sich der Club noch einigermaßen wehren. Schwieriger wurde es da bei der öffentlichen Kritik, Spielerberater Roger Wittmann habe zu viel Einfluss auf Hopp und den Club. Viel Trubel gab es auch 2009 um die später wieder zurückgenommene Kündigung für den Stürmer Prince Tagoe wegen eines angeblichen Herzfehlers.

Ein Ereignis brach dann über den Verein herein, wie es den Hoffenheimern die schlimmsten Feinde nicht wünschten: Mittelfeldspieler Boris Vukcevic wurde vor einem Jahr bei einem Verkehrsunfall lebensgefährlich verletzt und kämpft sich seitdem wieder ins Alltagsleben zurück.

Im Vergleich dazu waren andere Vorfälle in Hoffenheim, die die Fußballszene bewegten, belanglos: Die Aufregung um eine verspätete Dopingkontrolle der Profis Andreas Ibertsberger und Christoph Janker oder über eine Hochfrequenz-Beschallung von Dortmunder Fans, die Schmähgesänge gegen Hopp übertönen sollte. Die in der Branche einzigartige Degradierung von Marvin Compper, dem ersten deutschen Nationalspieler der Hoffenheimer: Der hatte sich nach Vereinsangaben «für den Kampf um den Klassenerhalt nicht mehr motivieren» können.

Dazu kam in der verkorksten vergangenen Saison noch der Trubel um Ex-Nationaltorwart Tim Wiese und Tobias Weis, die bei einer Karnevalsveranstaltung polizeiauffällig wurden. Und sportlich dann die Relegationsspiele gegen den 1. FC Kaiserslautern, wo die TSG den Absturz in die 2. Liga verhinderte. Danach ging es weiter mit der Debatte um die Trainingsgruppe 2, in der sich prominente Profis wie Wiese und Weis tummeln mussten.

Eigentlich solle die Marke Hoffenheim nicht durch Eskapaden und Schlagzeilen geprägt werden, sagt Rotthaus, «sondern durch die kontinuierliche Arbeit, die hier geleistet wird. Aber darauf hat man eben nicht immer Einfluss.»

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