19. August 2013

Brenos Neustart als Freigänger - «Schimmer an Chance»

München (dpa) - Häftling Breno startete um kurz vor neun in sein neues Leben. Ein Fahrer brachte den verurteilten Fußballprofi vom Gefängnis München-Stadelheim bis zum Vereinsgelände des FC Bayern, auf dem der Freigänger künftig von morgens bis zum frühen Nachmittag mitarbeiten darf.

Breno
Breno ist erstmals als Freigänger bei seinem neuen und alten Arbeitgeber FC Bayern erschienen. Foto: Lennart Preiss
dpa

Die Resozialisierungsmaßnahme nach 13 Monaten Gefängnis wegen schwerer Brandstiftung ist für den einstigen Millionen-Einkauf so etwas wie ein Neuanfang. «Einer aus der großen Bayern-Familie hat große Probleme. Jetzt gibt es diesen Schimmer an Chance, die wollen wir ihm eröffnen», sagte Clubpräsident Uli Hoeneß am Montag, Brenos erstem Tag als Freigänger.

Auch Bayern-Kapitän Philipp Lahm hält zum Südamerikaner: «Es ist schön für ihn, dass er diese Möglichkeit bekommt, dass er so viel Unterstützung vom FC Bayern bekommt. Ich hoffe natürlich, dass er wieder zurück findet ins Leben», sagte der Nationalmannschafts-Spielführer am Abend bei der Premiere des neuen Bayern-Films «Wembley - Football is coming hoam» in München.

Schon eine Stunde nach seiner Ankunft beim FCB hatte Breno mit feuchten Augen auf dem Podium gesessen - sein Ex-Club hatte eigens eine Pressekonferenz einberufen.

«Danke», sagt er zu Beginn, «ich bin ein bisschen nervös». Und: «Ich bin jetzt schon ein bisschen ein anderer Mensch.» Viele Tränen habe er seit seiner Verurteilung im Juli 2012 vergossen. Oft liege er im Bett. «Gott hilft viel», meint er leise.

Der Freigang gilt bei Strafgefangenen wie Breno als wichtige Resozialisierungsmaßnahme für das spätere Leben in Freiheit. Die Justizvollzugsanstalt (JVA) München hat dem Fußballer diese Chance nach «harten Gefängnismonaten» wegen guter Führung eingeräumt - und der will sie nutzen. Denn der Traum, nach Ablauf der Gefängnisstrafe wieder als Profi Fußball spielen zu können, «lebt» weiter, betont er.

Im September 2011 hatte Breno seine angemietete Villa in Grünwald in Brand gesetzt, die Gesamthaftstrafe beträgt drei Jahre und neun Monate. Und so muss er jeden Tag ins Gefängnis zurück. Dank der Haftlockerung darf der 23-Jährige immerhin täglich fünf Stunden bei seinem früheren Club in der Nachwuchsabteilung mitarbeiten, bei der U-23-Mannschaft im Trainerstab mithelfen und dort auch das Training mitmachen.

Nachwuchschef Wolfgang Dremmler will Breno beaufsichtigen. Der frühere Profi holt Breno um 8.30 Uhr am Gefängnis ab und bringt ihn um 13.30 Uhr zurück. Läuft alles gut, hofft man darauf, Breno bald bis abends dortbehalten zu können. Er müsse «den Kopf freikriegen von dieser Knast-Mythologie», betont Dremmler.

Ein «vorbildlicher Gefangener» sei Breno gewesen, führt FCB-Chef Hoeneß mit Verweis auf die JVA-Leitung an, «er wird sich hier genauso tadellos verhalten.» Bei den Punktspielen in der Regionalliga Bayern allerdings darf der einst so talentierte Südamerikaner nicht mitwirken. Die Meldeauflagen sprechen dagegen, «zudem dürften wir in der Regionalliga gar keine Nicht-EU-Ausländer einsetzen», so Hoeneß.

Die laufende Steuerverfahren gegen Hoeneß ist an diesem Morgen kein Thema, stattdessen schlüpft der 61-Jährige in die Rolle eines Vater-Ersatzes für Breno. Vor fünfeinhalb Jahren war der für eine Ablöse von zwölf Millionen Euro in die Isar-Metropole gekommen, lebte sich danach aber weder privat noch sportlich ein. Sein persönlicher Wunsch sei es gewesen, Breno diese Resozialisierungs-Möglichkeit zu geben, sagt Hoeneß eindringlich. «So ist eben Bayern München», sagte er. Wenn man auf der Sonnenseite stehe «wie wir, müssen wir allen helfen, die in Not geraten sind».

Brenos Anwalt Sewarion Kirkitadse gab sich zuletzt optimistisch, dass sein Mandant schon Anfang 2014 auf Bewährung freikommen könne - wegen vorbildlichen Verhaltens. Ob schon dann oder doch erst später - «Breno bekommt bei uns auch die Möglichkeit, sich wieder körperlich fit zu machen für danach», sagt Hoeneß. Er geht davon aus, dass Breno nach Ablauf der Haftstrafe aus der Bundesrepublik abgeschoben werde, «vielleicht kann er in ganz Europa nicht mehr Fußball spielen.» Möglich ist eine Zukunft für Breno etwa in der Heimat beim FC Sao Paulo. Bei den Bayern hat nun wohl seine letzte Etappe begonnen.

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