06. November 2012

Gegenwind für Meistercoach - Klopp mit sich im Reinen

Madrid (dpa) - Die Zeitungslektüre am Morgen bereitete Jürgen Klopp wenig Freude. «Heute musste ich mal wieder lesen, wie viel negative Eigenschaften ich habe», klagte der Trainer von Borussia Dortmund.

Meistercoach
Jürgen Klopp musste sich zuletzt auch mit Kritik auseinandersetzen. Foto: Juanjo Martin
dpa

Die Zeiten, als seine Wutausbrüche am Spielfeldrand als Kavaliersdelikte geduldet wurden, scheinen vorbei. Mehr und mehr regt sich Kritik an seinem mitunter überschäumenden Temperament. Entsprechende Kommentare können den Seelenfrieden des Fußball-Lehrers jedoch nur bedingt beeinträchtigen: «Ich bin mit mir und der Mannschaft komplett im Reinen.»

Die Vorkommnisse beim 0:0 des deutschen Fußball-Meisters am Samstag gegen den VfB Stuttgart schürten die Diskussion aufs Neue. Wutentbrannt reagierte Klopp auf den Ellbogencheck von Raphael Holzhauser, mit dem der VfB-Profi seinem Gegenspieler Sebastian Kehl das Nasenbein anbrach. Das Wortgefecht des BVB-Trainers an der Seitenlinie mit Fredi Bobic kommentierte der Sportdirektor der Schwaben wenig später mit Unverständnis: «Das Foul war keine Absicht. Der Kloppo muss sich mal beruhigen, der kann sich nicht im Zaun halten.»

Kaum einer seiner Kollegen fällt in der Coaching-Zone so oft auf wie der Dortmunder Meistertrainer. Meistens sind die Unparteiischen die Leidtragenden. Auf rund 45 000 Euro ist der Betrag angewachsen, den er für Auseinandersetzungen mit dem Schiedsrichter-Gespann bisher zahlen musste. Fernsehbilder, die ihn als Wüterich zeigen, sind Klopp im Nachhinein selbst peinlich. «Mit mir als Mensch hat das relativ wenig zu tun.»

Seiner großen Popularität hat das bisher kaum geschadet. Nach Einschätzung von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ist der BVB-Trainer «einer der vielleicht zehn beliebtesten Deutschen überhaupt». Werbeindustrie und Medien schätzen seine Schlagfertigkeit und Authentizität. Nicht nur in Dortmund genießt Klopp Kultstatus - mehr noch als Ausnahmekicker wie Mario Götze und Marco Reus. Doch die «Klopposierung der Borussia» geht dem Diplom-Sportler mittlerweile selbst zu weit. Für außerplanmäßige Interviews steht er bis auf weiteres nicht zur Verfügung.

Viele Beobachter, die Klopp eine wachsende Reizbarkeit attestieren, begrüßen diesen Schritt. Auch wenn er im Widerspruch steht zur derzeitigen Omnipräsenz des Trainers in der Werbung. «Die Öffentlichkeit soll merken, dass Klopp kein Allgemeingut ist», sagte Watzke dem «Kicker». Es sei «belastend», dass momentan viele Aktionen von Klopp hinterfragt würden.

Ähnlich positiv fällt das Plädoyer von Christian Heidel im Fachmagazin aus. Klopps Freund und einstiger Entdecker bei Mainz 05 kann der veränderten öffentlichen Wahrnehmung wenig abgewinnen: «Kloppo ist authentisch. Diejenigen, die behaupten, dass er sich verändert hat, kannten ihn vorher nicht.»

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