22. September 2014

Guardiola adelt Paderborn: «Kein Glück»

München (dpa) - «Ozapft is» - und passend zum Oktoberfest würden die Paderborner Fußball-Himmelsstürmer auch dem Münchner Weltmeister Manuel Neuer liebend gerne das eine oder andere Tor einschenken.

Bayern-Coach
Bayern-Trainer Pep Guardiola hat Respekt vor Paderborn. Foto: Axel Heimken
dpa

4064 Fans werden nach Vereinsangaben den Überraschungs-Spitzenreiter Richtung München begleiten: Zunächst wollen sie am Dienstag in den Festzelten mit ein paar Maß Bier den historischen ersten Platz in der Bundesliga begießen, bevor dem Rausch am Abend in der Münchner Arena im Normalfall ein ordentlicher Kater folgen müsste.

Die Bayern richten sich allerdings auf einen mutigen Gegner ein. «Paderborn spielt sicher Angriffspressing. Warum sollten sie etwas ändern?», meinte Trainer Pep Guardiola: «Wenn sie gewinnen, ist es eine große Überraschung, wenn sie verlieren, ist alles okay. Sie haben keinen Druck.» Der große Trainer adelte den kleinen SCP. Erster nach vier Spieltagen, das sei «kein Glück», sagte Guardiola, sondern das Produkt harter Arbeit: «Sie haben es verdient.»

Spitzenspiel statt Klassenkampf - vor der Premiere zwischen dem Liga-Krösus und den Billigkickern aus Ostwestfalen scheinen die Naturgesetze im deutschen Fußball zumindest kurzzeitig außer Kraft gesetzt zu sein. «Wir fahren nicht hin, um Fotos mit den Weltmeistern zu machen», kündigte SC-Trainer André Breitenreiter an. Druck möchte er seinen Spielern aber nicht auferlegen: «Die Jungs sollen das Spiel genießen. Das Ergebnis steht für mich nicht an erster Stelle.»

Nach vier Spieltagen rangieren die Bayern in der Tabelle tatsächlich hinter dem Liga-Neuling - zwar punktgleich, aber mit zwei erzielten Toren weniger. Und Weltmeister Jérome Boateng weiß, dass die Heimprüfung für den Favoriten eine große Fallhöhe beinhaltet. «Die Paderborner haben Spaß daran, in der Bundesliga zu spielen. Das sieht man. Wir müssen höllisch aufpassen.» Auch Torwart Neuer ahnt: «Es wird mit Sicherheit schwer.»

Guardiola verwies auf den speziellen Enthusiasmus der Aufsteiger gerade zu Saisonbeginn, in einer Phase, in der «die großen Vereine Punkte verlieren». Eindringlich forderte der Katalane am Montag sogar Nachsicht mit den extrem strapazierten Profis der Spitzenclubs. «Wir verlangen zu viel von den Spielern», mahnte Guardiola. Franck Ribéry (Knie) fällt weiter aus, Arjen Robben kehrt womöglich zurück.

Vier Spiele, keine Niederlage - es ist ein kleines Fußball-Märchen, das der SC Paderborn als 53. Bundesligaclub aufführt. Wilfried Finke, seit 17 Jahren Vereinspräsident, verkündete via «Bild» sogar kess: «Ich glaube fest daran, dass wir nicht mit null Punkten nach Hause kommen.» Vor Saisonbeginn war der Möbelhaus-Besitzer für seine Prognose, der SC würde aus den ersten vier Spielen zehn Punkte holen, noch belächelt worden: «Aber jetzt bin ich auch mit acht zufrieden.»

Zu den Machern zählt neben dem Präsidenten und Trainer Breitenreiter auch Manager Michael Born. Die aktuelle Tabelle nennt er eine schöne Momentaufnahme, die Konkurrenzfähigkeit der eigenen Mannschaft aber bereitet ihm Genugtuung. Nach dem Aufstieg im Mai hätten alle den SC «als Absteiger Nummer eins gesehen, der Schwierigkeiten haben würde, die Punktausbeute von Tasmania Berlin zu erreichen», erzählte Born im «Kicker». Tasmania war - umgerechnet auf die heutige Drei-Punkte-Regel - mit zehn Zählern und 15:108 Toren in der Saison 1964/65 der schlechteste Club der Bundesliga-Historie.

Für Javi Martínez, mit 40 Millionen Euro der teuerste Spieler des FC Bayern, wären 57 Moritz Stoppelkamps zu haben gewesen. So viel überwies Paderborn im Sommer an den TSV 1860 München für seinen kostspieligsten Akteur, der nach seinem Tor aus 83 Metern beim 2:0-Heimsieg gegen Hannover 96 als deutschlandweit bekannter Rekordhalter in die ihm vertraute Allianz Arena zurückkehrt.

Vor der Kraftprobe mit den Bayern sagte Stoppelkamps Teamkollege Elias Kachunga, mit bisher drei Treffern der beste Paderborner Torschütze: «Wir haben Respekt, aber keine Angst!» Erfolgscoach Breitenreiter äußerte sich ähnlich: «Auch in München wollen wir Vollgas geben.» Er meinte dabei nicht die SC-Fans auf der Wiesn.

Kader SC Paderborn

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