06. Mai 2012

Löw deckt seine EM-Karten auf

München (dpa) - Welche Überraschung zaubert Joachim Löw dieses Mal aus dem Hut? Um 12.30 Uhr wird der Bundestrainer am Montag im badischen Rastatt bei einer Kader-Nominierung ohne großes Brimborium seine Karten für die deutsche Titelmission bei der Fußball-EM aufdecken.

Stippvisite
Bundestrainer Joachim Löw sah sich zum Abschluss der Bundesliga-Saison die Partie Mainz gegen Gladbach an. Foto: Fredrik von Erichsen
dpa

«Die Würfel sind gefallen. Jetzt gilt es, geduldig zu warten», sagte der Stuttgarter Cacau, der am Wochenende ebenso wie sein Wolfsburger Sturm-Konkurrent Patrick Helmes oder die jungen Bender-Zwillinge gebannt auf einen Anruf von Löw wartete.

Löw hielt sich vor der Verkündung wie üblich bedeckt. Erst «kurzfristig» am Sonntagabend oder im Laufe des Montagvormittags wollten er und seine Assistenten Hansi Flick und Andreas Köpke die Spieler informieren. Wenn er vorher öffentlich etwas verrate, sei es ja «keine Überraschung mehr», hatte Löw verschmitzt bemerkt.

Ohne Paukenschlag ging's beim «netten Herrn Löw» bislang freilich nie ab: Vor der WM 2010 erstaunte er mit den Länderspiel-Neulingen Holger Badstuber und Dennis Aogo. Vor der EM 2008 sorgte Löw mit der Ausbootung von Torhüter Timo Hildebrand für einen Knaller. Noch krasser war es 2006, als Löw noch Assistent von Jürgen Klinsmann war: Den rasenden David Odonkor hatte damals niemand auf dem Zettel. Und wie einen Keulenschlag traf seinerzeit den etablierten Torjäger Kevin Kuranyi die Absage für das WM-Turnier im eigenen Land.

Anzeichen, dass es wieder so spektakulär zugehen wird, gab es im Vorfeld nicht. 19 Plätze im endgültigen 23-Mann-Kader für das Turnier vom 8. Juni bis 1. Juli in Polen und der Ukraine gelten als vergeben. Die wichtigsten Fragen sind eher, wie Löw das Problem mit dem späten Einstieg der Münchner Champions-League-Finalisten in die Vorbereitung lösen wird. Der Dortmunder Mats Hummels sieht das gelassen: «Das dürfte kein Problem sein. Die Bayern haben noch zwei wichtige Spiele und werden voll im Saft stehen, wenn sie zur Mannschaft kommen.» Immerhin ist Lukas Podolski nach dem Kölner Abstieg von Anfang an dabei, fliegt ohne Relegation nun am Freitag mit nach Sardinien.

Löw wird - wie schon vor der WM 2010 - zunächst einen größeren Kader mit mehr als 23 Mann nominieren. Bei Platzhaltern für Philipp Lahm & Co. könnte er sich auch bei der U 21-Auswahl bedienen, die vom 15. bis 20. Mai noch einen Lehrgang in Bayern absolviert.

Die Spieler sind gespannt. «Man freut sich auf die Nominierung. Man will wissen, wie die Mannschaft aussehen wird. Aber es ist nicht so, dass ich nervös bin und anfange, Fingernägel zu kauen, bis ich weiß, wer die restlichen Spieler sind, die noch nicht so klar sind», erklärte Mario Gomez. Der Torjäger wird zum acht Spieler starken Bayern-Block gehören, der auch den Kern der EM-Elf bilden wird, die am 9. Juni in Lwiw gegen Portugal ins Turnier starten soll.

Löw konnte sich am letzten Bundesliga-Spieltag in Mainz noch einmal von der Galaform des Gladbachers Marco Reus überzeugen. Womöglich schaute er noch mehr auf Torwart Marc-André ter Stegen oder Außenverteidiger Tony Jantschke, zwei Überraschungskandidaten.

In Stuttgart konnten sich Cacau und Helmes im direkten Duell als Torschützen für den dritten Stürmerplatz hinter den Platzhirschen Gomez und Miroslav Klose empfehlen. «Es ging nicht darum, für den Bundestrainer vorzuspielen», wiegelte Helmes ab: «Die Entscheidung ist schon vor dem Spieltag gefallen. Ich habe kein Gefühl.»

Torjäger Klose und Abwehrchef Per Mertesacker werden nach langen Verletzungspausen in den Trainingslagern auf Sardinien (11. bis 18. Mai) und in Südfrankreich (18. bis 30. Mai) zunächst ihre Fitness nachweisen müssen. Immerhin gab es positive Signale: Klose feierte am Sonntag beim 2:0-Sieg von Lazio Rom bei Atalanta Bergamo nach seinem Muskelriss sein Comback. Er wurde in der 65. Minute eingewechselt. Mertesacker vermeldete am Wochenende, er sei zu «90 bis 95 Prozent fit». Seit Februar pausiert er nach einer Operation am rechten Sprunggelenk.

In geheimer Klausur hat Löw mit seinen engsten Vertrauten am Donnerstag und Freitag sein Personal-Tableau fixiert. Spannend ist auch die Frage, wie groß die Dortmunder Meisterfraktion ausfallen wird. Hummels und Mario Götze sind für die EM gesetzt, Marcel Schmelzer, Sven Bender und Ilkay Gündogan rechnen sich Chancen aus.

Fest eingeplant für den EM-Kader (19): Badstuber, Boateng, Gomez, Kroos, Lahm, Müller, Neuer, Schweinsteiger (alle FC Bayern), Götze, Hummels (beide Borussia Dortmund), Özil, Khedira (beide Real Madrid), Klose (Lazio Rom), Podolski (1. FC Köln), Schürrle (Bayer Leverkusen), Mertesacker (FC Arsenal), Wiese (Werder Bremen), Höwedes (Schalke 04), Reus (Bor. Mönchengladbach)

Gute Chancen für die Nominierung (8): Zieler (Hannover 96), Lars Bender, Rolfes (beide Bayer Leverkusen), Schmelzer (Borussia Dortmund), Aogo (Hamburger SV), Cacau (VfB Stuttgart), Helmes (Bayer Leverkusen), Träsch (VfL Wolfsburg)

Außenseiter (6): Sven Bender, Gündogan (beide Borussia Dortmund), ter Stegen, Hanke, Jantschke (alle Borussia Mönchengladbach), Castro (Bayer Leverkusen)

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