29. April 2012

Manchester-Derby der Superlative steht an

London (dpa) - Fußball-England fiebert dem Manchester-Derby um den Meistertitel entgegen. Die «Sun» spricht von der «Mutter aller Derbys» und es gibt ein Rekord-TV-Interesse. City spielt die Bedeutung herunter, United fuhr extra ins Trainingslager nach Wales.

Schlagfertig
Manchester Uniteds Trainer Sir Alex Ferguson ist zumindest verbal vorbereitet. Foto: Peter Powell
dpa

Sir Alex Ferguson wählte für das «wichtigste Manchester-Derby meiner Zeit» mal wieder eine derbe Ausdrucksweise. «Nur ein Masochist könnte das genießen», meinte Manchester Uniteds Trainerlegende vor dem Meisterschafts-Showdown am Montagabend gegen City. Um dann mit Schalk im Nacken zu ergänzen: «Ich bin überzeugter Masochist. Ich bin ihnen vor 26 Jahren beigetreten.»

Auch City-Coach Roberto Mancini sprach vom wichtigsten Stadtduell «seit 50 Jahren»: 1968 waren die Citizens zuletzt englischer Meister. 16 TV-Anstalten werden das «Match der Saison» («Independent») direkt aus dem Etihad Stadium für geschätzte 650 Millionen Menschen weltweit übertragen - ein Premier-League-Rekord.

«Die Leute sagen, dass es das größte Spiel in der Geschichte der Premier League ist», meinte City-Mittelfeldspieler Gareth Barry. «Es ist ein gutes Spiel, weil wir die Stadt in der ganzen Welt repräsentieren. 203 Länder gucken zu und Michel Platini macht sich die Mühe, zu kommen», betonte der 70-Jährige Ferguson. Er schottete sein Team extra in einem Trainingslager in Südwales ab. «Fergie» will mit aller Macht Uniteds 20. Titel, den 13. unter seiner Regie.

Allerdings haben sich die Red Devils dieses Titelduell der Superlative selbst eingebrockt. Noch bis vor kurzem hatten sie ein Acht-Punkte-Polster und sahen wie der souveräne Meister aus. Drei Spieltage vor Schluss liegt United nur noch mit drei Zählern und dem schlechteren Torverhältnis vor dem «nervigen Nachbarn» (Ferguson).

Mancini schiebt die Favoritenrolle hartnäckig United zu: «Wir stehen unter keinem Druck im Moment, weil wir nichts zu verlieren haben. Für sie wäre schon ein Unentschieden ein gutes Resultat.» Dabei führte er auch das Restprogramm an. City trete noch gegen Newcastle United an, während United nur noch «zwei leichte Spiele» habe - gegen Swansea City und den AFC Sunderland. Aber Ferguson wäre nicht Ferguson, würde er nicht mit seinen Psychospielchen dem Stadtrivalen doch Druck einreden wollen: «Wenn City das Derby gewinnt, sehe ich nicht, dass sie den Titel noch verlieren.»

Was für City spricht: Das Hinspiel in Old Trafford im Oktober, das es mit 6:1 gewann und Ferguson immer noch als «schlimmstes Resultat in meiner Geschichte» in den Gliedern steckt. Außerdem haben die Citizens das Momentum auf ihrer Seite, nicht zuletzt durch den reuig zurückgekehrten Carlos Tévez. In den vergangenen drei Spielen erzielte ManCity zwölf Tore, neun davon durch sein argentinisches Sturmduo Tévez und Sergio Agüero. Zudem hat Mancini Skandalnudel Mario Balotelli nach dessen abgelaufener Sperre als Joker in der Hinterhand: «Ich glaube, ich könnte Mario in diesem Spiel vertrauen. Er könnte für ein oder zwei Tore gut sein.»

Was für ManUnited spricht: Der Rekordmeister hat ein ähnliches Gen für wichtige Partien wie der FC Bayern München. Und Englands Nationalstürmer Wayne Rooney ist mal wieder in bester Torlaune. In den vergangenen 14 Pflichtspielen für United traf er 16-mal.

«City ist zu Hause ungeschlagen, wir haben die beste Auswärtsbilanz. Es ist das ultimative Spiel - mit dem größten Preis für den Gewinner», sagte Ferguson vor dem 162. Manchester-Derby. Auf seinen gestiegenen Respekt kann sich City etwas einbilden. Einst hatte er den neureichen Scheichverein als «kleinen Club mit kleiner Mentalität» bezeichnet.

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