16. August 2012

Mehr als Messi: Argentinien zurück in der Weltspitze

Frankfurt/Main (dpa) - Erst ein 4:3 gegen Brasilien, jetzt das 3:1 in Deutschland: Argentiniens Nationalmannschaft meldet sich langsam zurück im Kreis der ganz Großen des Weltfußballs. Das Team besteht nicht nur aus Lionel Messi - auch wenn es nach dem Spiel in Frankfurt so aussah.

Teamplayer
Nur mit dem Elfmeter hat es nicht geklappt: Lionel Messi braucht ein Team. Foto: Uwe Anspach
dpa

Der glücklichste Mann des Abends war ein argentinischer Fan. Denn als Lionel Messi nach dem 3:1-Sieg gegen Deutschland vom Platz ging, tauschte er sein Trikot nicht, wie wahrscheinlich von der halben deutschen Mannschaft erhofft, mit einem seiner Gegner, sondern warf es einfach auf die Tribüne. Der Fan, der es auffing, hielt das blau-weiße Hemd hoch wie einen Pokal. Und ging danach sowohl mit dem begehrtesten Stück Stoff des Weltfußballs als auch mit dem Gefühl nach Hause, dass es in zwei Jahren in Brasilien vielleicht doch gar nicht so aussichtslos ist mit dem ersten argentinischen WM-Titel seit dann 28 Jahren.

«Wir haben unseren Weg gegen schwierige Gegner gefunden», sagte Messi nach dem Spiel in Frankfurt. Für den Superstar selbst war es ein sehr wechselhafter Abend - mit einem eher lustlosen Auftritt und einem verschossenen Elfmeter in der ersten und einer deutlich spielfreudigeren Leistung und seinem Tor in der zweiten Halbzeit.

Für die Argentinier insgesamt aber war es so etwas wie die Rückkehr in die Weltspitze, in den Kreis der Spanier, Brasilianer und auch Deutschen, aus dem sie nach dem schmachvollen Scheitern bei der WM in Südafrika und der Copa America im eigenen Land zeitweise schon herausgeflogen waren. «Deutschland ist ein Großer im Weltfußball. Das macht den Sieg noch wichtiger», sagte Fernando Gago vom FC Valencia. Erst zwei Monate vorher hatte der zweifache Weltmeister und Olympiasieger auch schon mit 4:3 gegen Brasilien gewonnen.

Noch aber funktionieren die alten Reflexe rund um die diese Mannschaft, noch wird die «Albiceleste» in erster Linie als Lionel Messi und irgendein Rest wahrgenommen.

Nach dem Spiel am Mittwochabend rissen die Journalisten und Kamerateams fast alle Begrenzungen in den Katakomben der Commerzbank Arena ein, um sich zu Dutzenden um den besten Spieler der Welt zu drängeln. Nur zehn Meter weiter stand völlig allein Javier Mascherano herum und telefonierte unbehelligt in die Heimat. Der 28-Jährige spielt genau wie Messi beim FC Barcelona, er hat jetzt 82 Länderspiele bestritten und wurde von Diego Maradona mal als der eigentlich wichtigste Mann dieses Teams bezeichnet. Doch Mascherano hätte in diesem Moment auch mit Uli Hoeneß oder Jürgen Klopp über einen Wechsel verhandeln können - es hätte niemanden interessiert.

«Wir haben eine gute Partie gespielt, aber wir dürfen uns nicht täuschen lassen», sagte Mascherano. «Die Rote Karte hat das Spiel gedreht. Bis dahin waren die Deutschen überlegen.»

Diese Nüchternheit ist neu für ein Team, das noch bei der letzten Weltmeisterschaft von Maradona mehr hochgepusht als trainiert wurde. Zwei Jahre vor der nächsten WM in Brasilien arbeitet dessen Nach-Nachfolger Alejandro Sabella nun vergleichsweise geräuschlos aber umso wirkungsvoller an den altbekannten Schwächen. Dass die Argentinier den wahrscheinlich besten Angriff der Welt haben, ist nicht neu. Aber auf einmal spielen ein Messi und die anderen Starstürmer auch erfolgreich zusammen.

«Die zweite Halbzeit von Messi war gut - vor allem das Verständnis mit Higuain und Kun (Agüero)», hob Sabella extra hervor. «Wir haben unser Offensivspiel neu ausgerichtet. Agüreo und Messi verstehen sich fast blind.» Trotz seines Tores und dieses Trainerlobs war der Superstar am Ende der einzige, der nicht vollends zufrieden war. «Mich ärgert der Elfmeter, weil ich den sehr schlecht geschossen habe», sagte Messi. «Ich habe in keinem Augenblick den Kopf gehoben.»

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