06. Juni 2012

Platini: «Hoffe auf großes Fußballfest»

Warschau (dpa) - UEFA-Präsident Michel Platini war überpünktlich. Fünf Minuten vor Beginn der offiziellen EM-Eröffnungs-Pressekonferenz hatte der Chef schon auf dem Podium Platz genommen und scherzte mit Turnierdirektor Martin Kallen und seinem Generalsekretär Gianni Infantino.

Kompliment
UEFA-Präsident Michel Platini hat den EM-Gastgebern schöne Worte gemacht. Foto: Vassil Donev
dpa

Zwei Tage vor der feierlichen EM-Ouvertüre zu Chopin-Klängen im neuen Nationalstadion von Warschau setzte Platini seine Tour der Komplimente fort. «Ich hoffe auf ein großes Fußballfest. Ich bin sehr angetan davon, wo wir heute stehen. Es war eine große Herausforderung. Beiden Ländern war anfangs wohl nicht ganz bewusst, was die Organisation einer EURO bedeutet», sagte der 56 Jahre alte Franzose. Zuvor hatte er wahlweise «eine wunderbare EURO», einen «Meilenstein» des europäischen Fußballs oder auch «ein großes Turnier» prophezeit.

Darauf hoffen auch die von Platini zu den Top-Favoriten erklärten Deutschen und Titelverteidiger Spanien. «Klar wollen wir das Ding gewinnen», sagte Torhüter Manuel Neuer vor dem Auftakt gegen Portugal am Samstag selbstbewusst. Aber auch die wiedererstarkten Franzosen oder die zuletzt überzeugenden Niederländer streben den ganz großen Coup im Finale am 1. Juli im Olympiastadion von Kiew an.

Die Endspiel-Arena der ukrainischen Metropole, deren Fertigstellung immer wieder verzögert wurde und ein Vielfaches der anfangs angesetzten Kosten verschlang, steht sinnbildlich für all die kleinen und schwerwiegenden Probleme der vergangenen Monate.

Es ist noch gar nicht so lange her, da waren die Zweifel an der ersten Europameisterschaft im ehemaligen Ostblock so groß, dass sogar ein EM-Entzug erwogen wurde. «Ja, es gab Probleme, es gibt Probleme», sagte Platini zwei Tage vor dem ersten Spiel zwischen Co-Gastgeber Polen und Griechenland (Freitag) «Welt online».

Immer und immer wieder beteuerte der Europameister von 1984, all die Schwierigkeiten mit Infrastruktur, politischen Verhältnissen und überteuerten Hotelpreisen ernst zu nehmen. Schließlich steht auch Platini in der Verantwortung. Seit 2007 ist der eloquente und uneitle frühere Torjäger Präsident der UEFA. Das Turnier 2008 in Österreich und der Schweiz hat er quasi von seinem schwedischen Vorgänger Lennart Johansson geerbt. Die EURO 2012 ist auch Platinis EM.

«Es ist meine zweite EM als Präsident, aber eigentlich die erste so richtig», sagte der 56-Jährige bei der offiziellen Eröffnung des Internationalen Sendezentrums IBC auf dem Expo-Gelände der polnischen Hauptstadt. Platini selber stimmte damals nicht für Polen und die Ukraine, wie er mittlerweile offen einräumt. In der Vergangenheit äußerte er auch mehr als einmal seinen Missmut über den Stand der Vorbereitungen in den beiden Gastgeberländern. Einen «Fehler» nannte er die EM-Vergabe an Polen und die Ukraine sogar.

«Es war von Anfang an eine Herausforderung, dort ein so großes Turnier durchzuführen - für uns und für die Länder. Es war nicht einfach. Wir wissen, dass wir dort nicht Verhältnisse wie in Deutschland, Frankreich oder England haben», formulierte er es jetzt.

Die Zweifel sollen spätestens mit dem ersten Pfiff des Spaniers Carlos Velasco Carballo der Vergangenheit angehören. «Wir sind bereit. Ab Freitag sprechen wir hoffentlich nur noch über Fußball», sagte Platini. Die UEFA hat ihren Beitrag geleistet.

Auf den neuen Europameister wartet ein Rekord-Preisgeld, insgesamt schüttet der Dachverband eine Prämie von 196 Millionen Euro an die 16 Teams aus, zwölf Millionen Euro mehr als 2008 und 73 Millionen mehr als 2004 in Portugal. Der Europameister 2012 kann auf eine Summe von bis zu 23,5 Millionen Euro kommen - und auch ansonsten soll die EURO 2012 ein Turnier der Superlative werden.

1,4 Millionen Fans werden nach offiziellen Angaben in den Stadien erwartet, mit 150 Millionen Live-Zuschauern auf der ganzen Welt rechnet der Verband. In mehr als 200 Ländern werden die 31 Partien in den acht EM-Orten Warschau, Danzig, Breslau, Posen (Polen) und Kiew, Donezk, Charkow, Lwiw (Ukraine) übertragen. Nur ein Zweifel bleibt in jedem Fall bis zum Abend des 1. Juli im Olympiastadion von Kiew.

Wie der neue Europameister heißen wird? Da weiß auch Platini keine Antwort: «Wer hätte 1992 auf Dänemark getippt und 2004 auf Griechenland? Die EURO ist ein sehr, sehr schweres Turnier», sagte der Franzose. Auch unter sportlichen Aspekten.

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