23. Juli 2013

Rensing flüchtet in Düsseldorf ins Abseits

Düsseldorf (dpa) - Ganz sicher hat Michael Rensing mit seiner kindischen Flucht eine Menge kaputt gemacht. Wahrscheinlich sogar alles. Die Reaktionen seiner Kollegen und Vorgesetzten bei Fortuna Düsseldorf nach dem 1:0-Auftaktsieg in der 2. Bundesliga gegen Energie Cottbus deuten stark darauf hin.

Ungnade
Michael Rensing ist aus der Düsseldorfer Mannschaft verbannt worden. Foto: Federico Gambarini
dpa

«Ich kann das prinzipiell nicht verstehen. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden», sagte Torschütze Stefan Reisinger zum Verhalten des erfahrenen Keepers, der auf Trainer Mike Büskens' Entscheidung, Fabian Giefer den Vorzug zu geben, die Mannschaftssitzung verließ und für einen Eklat sorgte.

Rensings Kurzschlusshandlung hat vor allem Fortuna-Präsident Peter Frymuth verärgert. «Da muss man sich zwicken, um es zu glauben», sagte er, während Manager Wolf Werner und Trainer Büskens am schwülwarmen Montagabend den anstehenden Gesprächen mit Rensing nicht vorgreifen wollten. Den Dienstag und vielleicht auch Mittwoch wollte man sich dafür Zeit nehmen. «Ich wehre mich gegen Vorverurteilungen», erklärte der jedoch erkennbar genervte Manager Werner, der das Thema herunterspielen wollte: «Das hat es im Fußball alles schon gegeben. Das ist kein Unikat.» Büskens sagte lapidar, dass es immer so Momente gebe, «die man noch nicht hatte».

Ein anderes Ergebnis als eine einvernehmliche Trennung von Rensing wäre dennoch eine Überraschung. Denn in der Mannschaft hat er sich mit seinem Verhalten keine Freunde gemacht, vor allem Giefer hat er brüskiert. Der 23 Jahre Torwart kam 2012 von Leverkusen zum damaligen Bundesliga-Aufsteiger nach Düsseldorf und hielt seinen Kasten in den ersten sechs Pflichtspielen sensationell sauber. In der Rückrunde ging dann der Absturz der Mannschaft auch an ihm nicht spurlos vorbei. Doch in der Vorbereitung hinterließ Giefer einen besseren Eindruck als Rensing.

Dessen Karriere scheint nun mehr denn je in Gefahr zu sein. Die Nummer eins bei Bayern München sollte der inzwischen 29-Jährige einst werden, Nachfolger des großen Oliver Kahn. Doch Rensing hielt diesem Druck nicht stand. 2010 musste er München verlassen, war arbeitslos. Der 1. FC Köln nahm ihn auf. Dann ging es zu Bayer Leverkusen, doch dort war Rensing nur Reservist. Eine solche Rolle sollte er auch am Montag bei seinem neuen Verein einnehmen, obschon sein Trainer Büskens ihn im Stadionheft noch als eine der nach dem Abstieg neu hinzugewonnenen Persönlichkeiten darstellte. Doch mit seinem Eklat stellte Rensing sich nun selbst ins Abseits.

Sein Management SportsTotal der Spielerberater Volker Struth und Dirk Hebel, das unter anderem Marco Reus und Mario Götze vertritt, wird alle Hände voll zu tun haben. «Derzeit gibt es dazu keinen Kommentar», sagte ein Firmen-Mitarbeiter der dpa.

Dafür sprachen andere. «Für mich steht immer das Team im Vordergrund. Und als Team haben wir die richtige Antwort auf diese Sache gegeben», sagte Giefer, und seine Worte waren eine unüberhörbare Ohrfeige für den Kollegen Rensing. Der hat zumindest nach den Statuten noch alle Möglichkeiten. Obwohl er erst seit dem 1. Juli Angestellter der Fortuna ist, darf er bis Transferschluss am 31. August noch wechseln und auch sofort für den neuen Arbeitgeber spielen. Ob der einstige Thronfolger von Titan Kahn nach seinem Verhalten noch einen angemessenen Interessenten findet, darf aber zumindest bezweifelt werden.

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