06. Mai 2012

Tränen in Köln, Jubel in Berlin, Party beim BVB

Düsseldorf (dpa) - Die 49. Bundesliga-Runde geht als Rekordsaison in die Fußballgeschichte ein, und auch im furiosen Finale blieben Knalleffekte nicht aus. Neben dem 1. FC Kaiserslautern muss der 1. FC Köln nach dem 1:4 gegen Bayern München den bitteren Gang in die 2. Liga antreten.

Frust
Im letzten war Lukas Podolski mit dem FC Köln kein Sieg vergönnt. Foto: Roland Weihrauch
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Chaoten
Kölner Fans randalierten nach dem Abstieg ihrer Mannschaft. Foto: Roland Weihrauch
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Geschafft
Torwart Thomas Kraft (l) und Ronny jubeln. Hertha hat sich in die Relegation gekämpft. Foto: Sebastian Kahnert
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Meisterlich
Die Dortmunder Spieler durften endlich die echte Schale in Empfang nehmen. Foto: Marius Becker
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Ballermann
Schalke-Stürmer Klaas-Jan Huntelaar sicherte sich mit 29 Treffern die Torjägerkanone. Foto: Carmen Jaspersen
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Hertha BSC schob sich mit dem 3:1 gegen 1899 Hoffenheim an den untröstlichen Rheinländern vorbei auf den Relegationsplatz 16 und spielt nun gegen den Zweitliga-Dritten Fortuna Düsseldorf um den Klassenverbleib. Angesichts des noch fehlenden Schrittes war Herthas Trainer-Routinier Otto Rehhagel auch noch nicht zum Jubeln zumute: «Wir haben nur das erreicht, was wir erreichen mussten, nicht mehr.»

Zum Kehraus fielen zwei weitere Entscheidungen: Hannover 96 sicherte sich mit dem 2:1 gegen Kaiserslautern als Siebter den letzten Platz in der Europa League, den auch Wolfsburg, Bremen, Nürnberg und Hoffenheim gern ergattert hätten. «Der vierte Platz aus dem Vorjahr war kein Zufallsergebnis», lobte Martin Kind sein Erfolgsduo mit Trainer Mirko Slomka und Sportdirektor Jörg Schmadtke, um dessen Verbleib der Clubchef weiter kämpfen will.

Klaas-Jan Huntelaar traf beim 3:2 des FC Schalke 04 in Bremen noch einmal doppelt und setzte sich von Bayerns Mario Gomez (26) ab. Mit 29 Treffern holte sich der Niederländer die Torjägerkanone und ist der erfolgreichste ausländische Saisonschütze der Erstliga-Historie.

Im Gegensatz zu den Kölnern haben die Berliner trotz der Katastrophen-Rückrunde noch die Chance, in den beiden Entscheidungspartien gegen Düsseldorf am kommenden Donnerstag in Berlin und im Rückspiel am 15. Mai den Abstieg zu verhindern. Die Fortunen verteidigten zum Zweitliga-Abschluss am Sonntag mit dem 2:2 gegen den MSV Duisburg den dritten Rang erfolgreich.

Für das Team um den künftigen Arsenal-Stürmer Lukas Podolski wurde der Endspurt dagegen zum Alptraum. Podolski: «Es ist klar, dass das für mich der bitterste Moment in den vergangenen Jahren ist.» Selbst der Nationalstürmer konnte in der für ihn persönlich besten Spielzeit (18 Tore) den fünften Absturz seiner «großen Liebe» nicht verhindern. «Wir sind nicht heute abgestiegen. Es ist ein Gesamtwerk der letzten Wochen und Monate», bilanzierte der 26-Jährige gut einen Monat vor dem EM-Start in seiner polnischen Heimat und der Ukraine. «Es war eine schwarze Stunde für uns alle», räumte der scheidende Interimscoach Frank Schaefer nach der Chaos-Spielzeit ein.

Gomez, der mit seinen Kollegen in Köln vor drohenden Krawallen und Rauchschwaden in die Kabine flüchtete, sprach von einer «Schande». Die volle Konzentration der Bayern gilt nun den Endspielen im DFB-Pokal gegen Dortmund und eine Woche später in der Champions League gegen Chelsea. Dauerstress, aber keine Motivationsprobleme für das Team von Jupp Heynckes: «Man spielt nicht jedes Jahr zwei Finals», sagte Kapitän Philipp Lahm.

Obwohl der Titel bereits seit zwei Wochen unter Dach und Fach war, ließ auch Meister BVB nicht locker: Mit 4:0 deklassierte die Elf von Trainer Jürgen Klopp den SC Freiburg, 80 720 Fans im Stadion feierten das Ausnahmeteam bei der Übergabe der Meisterschale an Sebastian Kehl. Die Dortmunder Innenstadt glich bis tief in die Nacht erneut einer schwarz-gelben Partymeile.

Nach der Saison der Superlative mit der besten Punktzahl (81), die ein Bundesliga-Club jemals erreichte, und der längsten Serie ohne Niederlage (28 Spiele) verneigte sich Klopp in Ehrfurcht vor seinem Team. Am kommenden Sonntag soll die große BVB-Sause mit dem Autokorso in Dortmund nach der Schließung der NRW-Wahllokale ihren Höhepunkt erreichen. «81 Punkte - das ist eine historische Marke, die vermutlich so bald keiner erreichen wird. Wenn wir uns in 30, 40 Jahren daran erinnern, werden wir ein Lächeln auf den Lippen haben», sagte Klopp.

Auch für den BVB-Nachbarn Schalke, der mit dem Erreichen des direkten Champions-League-Platzes hoch zufrieden ist, gab es nochmals Jubel-Anlass. Nach seinem Beutezug versprach der «Hunter» dem ganzen Team beim New-York-Trip ein Essen. «Ohne die Mitspieler hätte ich es nicht geschafft. Deshalb machen wir eine schöne Party», sagte Huntelaar, der als erster Niederländer deutscher Torschützenkönig wurde und den Clubrekord von Schalke-Legende Klaus Fischer (1975/76) einstellte.

Auch beim Zuschauerinteresse gab es im EM-Jahr einen Bestwert: 13 808 730 Fans passierten die Stadiontore (45 126 im Durchschnitt). Mit 80 521 Fans pro Heimspiel liegt der BVB klar vor Bayern (69 000) und Schalke (61 214) und ist europaweit spitze.

Zu den Kuriositäten gehört, dass ein erfolgreicher und beliebter Aufstiegstrainer trotz des Klassenverbleibs seinem Club den Rücken kehrt. Jos Luhukay verkündete beim FC Augsburg nach dem 1:0 gegen den Hamburger SV mit feuchten Augen seinen Abschied. «Es tut verdammt weh», so der Niederländer, nannte aber keine Gründe.

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