10. April 2014

Triple-Lust statt Triple-Last für Guardiola

München (dpa) - Pep Guardiola war gelöst wie nie zuvor in seiner Bayern-Amtszeit. Wie von der großen Last der Triple-Bürde schon befreit nahm der Starcoach das Treppchen zur Pressekonferenz und schwärmte nach dem hochverdienten Halbfinal-Einzug mit leuchtenden Augen.

Stolz
Die Bayern-Spieler bedanken sich nach dem 3:1 gegen Manchester bei ihren Fans. Foto: Peter Kneffel
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Geschafft
Bayern-Trainer Pep Guardiola ist die Erleichterung anzusehen. Foto: Andreas Gebert
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Rückstand
Manchesters Torschütze Patrice Evra (r) dreht nach seinem Treffer jubelnd ab. Foto: Andreas Gebert
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1:1
Bayern-Stürmer Mario Mandzukic lässt sich nach dem schnellen Ausgleich feiern. Foto: Marc Müller
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Gedreht
Nach dem 2:1 durch Thomas Müller (M.) waren die Bayern auf der Siegerstraße. Foto: Marc Müller
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«Wir sind in einer überragenden Situation. Der schönste Teil der Saison kommt jetzt», versicherte ein verzückter Guardiola zu mitternächtlicher Stunde. Nach dem 3:1 (0:0) im «Tod-oder-Leben-Spiel» gegen Manchester United steht er selbst bei seiner fünften Königsklassen-Teilnahme zum fünften Mal in der Runde der letzten Vier. Der FC Bayern zog zum dritten Mal nacheinander in Halbfinale der Champions League ein und könnte als erste Mannschaft seit 16 Jahren den Endspiel-Hattrick schaffen.

«Ich bin stolz auf diesen Verein, auf diese Spieler. Ich bin glücklich», gestand der 43-Jährige nach seinem wohl schwersten und schönsten Spiel mit den Münchnern. Mehrmals atmete er erleichtert durch und lächelte. Mit Blick auf das schwere Erbe von Allesgewinner Jupp Heynckes ist nun klar: Die Münchner Premierensaison Guardiolas bekommt nach gewonnener Meisterschaft und gelungenen Königsklassen-Auftritten mindestens das Prädikat gut. «Ich weiß, in diesem Verein ist alles nicht genug», scherzte Guardiola. Beim Liga-Knaller gegen Borussia Dortmund soll es am Samstag nach ein paar neuerlichen Scharmützeln abseits des Platzes nun auf dem Rasen wieder ein Prestigeerfolg folgen.

Vor dem K.O.-Spiel gegen Manchester feierten die Fans ihren FC Bayern mit einer Choreographie schon als «Kings of Europe», auf der Tribüne jubelte auch Uli Hoeneß an der Seite seiner Ehefrau mit. Und alle blicken mit großer Spannung der Halbfinal-Auslosung an diesem Freitag entgegen: Real Madrid mit Weltfußballer Cristiano Ronaldo, der FC Chelsea zwei Jahre nach dem bitteren Finale dahoam oder Atlético Madrid sind die möglichen Gegner.

«Egal, wer kommt: Unser Ziel ist es, ins Finale nach Lissabon einzuziehen», erklärte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge auf dem Weg ins vierte Champions-League-Endspiel binnen fünf Jahren. Das hat noch kein Club in Europa je geschafft. Juventus Turin war zwischen 1996 und 1998 letztmals dreimal in Serie vertreten. Positiv für den Club-Weltmeister FC Bayern: Gegen keinen der drei möglichen Semifinal-Gegner ist die Bilanz von Arjen Robben & Co. negativ.

Dazu unterstrich das Team um den herausragenden Robben erneut eine besondere Qualität als Comeback-Könner. Wie im Hinspiel kamen die Münchner auch in der heimischen Arena nach dem Adrenalinstoß durch das 0:1 von Patrice Evra (57. Minute) unbeeindruckt zurück. «Der Treffer hat uns gewurmt und gereizt, die Mannschaft hat eine Topreaktion gezeigt», beschrieb es Torschütze Thomas Müller. «Von der Mentalität ist das Team extrem gut.»

Nach dem Ausgleich durch Mario Mandzukic (59.) und seinem Plädoyer für eine echte statt einer falschen Neun brachte WM-Torschützenkönig Müller (68.) den Triplesieger nach vorn. Robben (76.) veredelte den mit 4,9 Millionen Euro an UEFA-Prämien versüßten Sieg. «Für solche Spiele lebst du», betonte der Niederländer.

Robben, Siegtorschütze beim Endspieltriumph gegen Dortmund vor elf Monaten in London, präsentierte sich einmal mehr als Mann für die großen Spiele. «Ü-ber-ra-gend» fand Guardiola den Auftritt des Turbo-Dribblers, mit dem er eine Viertelstunde vor dem Schlusspfiff bei einem Einwurf sogar an der Seitenlinie locker scherzte. Weitaus enthusiastischer war Animateur Guardiola damit beschäftigt, in der Schlussphase das Publikum in der Arena mit wilden Armbewegungen anzuheizen. «Wir brauchen die Zuschauer. Ohne die Zuschauer schaffen wir es nicht», erklärte er mit Blick auf das anvisierte Finale am 24. Mai in der portugiesichen Hauptstadt.

«Ich denke, dass wir insgesamt jetzt wieder richtig da sind», betonte Sportvorstand Matthias Sammer und verriet auch seine Eindrücke vom Geheimtraining. «Man hat im Training wieder gemerkt, es steht was Großes an.» Die Mannschaft leiste «Außergewöhnliches», lobte der kritische Sammer. «Die Spieler haben ein großes Herz», hob auch Guardiola hervor.

Gegen ManUnited musste der Starcoach erstmals in einem wichtigen Spiel auf die mannigfaltigen Möglichkeiten seines Luxuskaders verzichten, das wird in den Partien am am 22./23. und 29./30. April wohl besser sein. «Im Halbfinale haben wir wieder mehr Spieler», sagte Guardiola. Dann sind auch die diesmal gesperrten Javi Martínez und Bastian Schweinsteiger wieder an Bord. Mittelfeldchef Schweinsteiger schlenderte Mittwochnacht scherzend mit Kumpel Felix Neureuther durch die Arena-Gänge. Ähnlich gelöst ahnte auch er: Der schönste Teil der Saison kommt erst noch.

UEFA-Pressemappe zum Spiel

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