23. Mai 2012

Viele Fragezeichen bei Bayern - Was wird aus Heynckes?

München (dpa) - Der Blick nach vorne fällt den Bayern wahnsinnig schwer. Auch eine halbe Woche nach dem Champions-League-Fiasko bestimmen große Wut und Enttäuschung über die unfassbare Finalpleite die Gefühlslage beim titellosen deutschen Fußball-Rekordmeister.

Enttäuschung
Bayerns Coach Jupp Heynckes musste die Niederlage im Champions-League-Finale erst einmal verarbeiten. Foto: Tobias Hase
dpa

In Windeseile flüchtete Präsident Uli Hoeneß nach dem wertlosen 3:2 im abschließenden Test-Kick gegen die Niederlande am Dienstagabend vor allen Nachfragen zur kommenden Saison. Dafür sprach Jupp Heynckes im Fernsehen - und ließ aufhorchen: Noch immer völlig geknickt äußerte sich der Münchner Coach seltsam ausweichend zu seiner Zukunft. Und plötzlich scheint sogar der Verbleib des Trainerroutiniers nicht mehr sicher.

«Ich habe bis 2013 Vertrag. Und wenn sich irgendwas ändert, würden der FC Bayern und ich das gemeinsam bekanntgeben», sagte Heynckes der ARD. Ein eindeutiges Bekenntnis zu seinem Verein ließ sich der 67-Jährige nicht entlocken. Stattdessen strich der Rekordmeister kurzerhand die obligatorische Pressekonferenz nach der Partie, ehe sich Heynckes mit einer Journalistentraube im Rücken wortlos aus der Allianz Arena in die Sommerpause und den Urlaub verabschiedete.

Dafür meldete sich Bayern-Präsident Hoeneß der «Bild» zufolge zu Wort. «Warum sollte er gehen? Er hat Vertrag. Er bleibt auf jeden Fall», sagte er der Zeitung zur Causa Heynckes.

Das Endspieldrama gegen den FC Chelsea vom vergangenen Samstag ist weiter wie eingemeißelt in den bajuwarischen Köpfen - und die Konsequenzen sind kaum absehbar. «Das Spiel am Samstag hat sehr, sehr viel Substanz gekostet», urteilte Hoeneß noch vor Abpfiff des tristen Tests gegen Holland. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte nach drei zweiten Plätzen in Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League angemahnt, dass «wir uns hinterfragen müssen». Heynckes aber stand bisher öffentlich nicht zur Disposition - genauso wenig Arjen Robben.

Doch jetzt ist alles anders. Auch im Falle von Flügelflitzer Robben, der beim Kompensationsspiel für seine langwierige Verletzung nach der WM vor fast zwei Jahren mit gellenden Pfiffen von Teilen des Publikums bedacht wurde. Die Quittung für zwei verschossene Strafstöße im Bundesliga-Endspurt und im Königsklassen-Finale.

«Das ist ein Skandal», tönte Ex-Bayer Mark van Bommel. «Ich hätte nicht gedacht, dass das bei Bayern München passiert.» Sportdirektor Christian Nerlinger versuchte den Eklat kleinzureden: «Natürlich war medial in den letzten Tagen sehr viel los. Das wird sich legen.» Der Verein reagierte am Mittwoch in einer Mitteilung mit «Erstaunen, Irritation und Enttäuschung» auf die Pfiffe gegen den Mittelfeldstar. Kein Anhänger habe das Recht, «unseren Spieler auszupfeifen», beklagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

Im Moment der großen Missstimmung aber machen die Bayern-Fans nicht mal vor einem ihrer spielstärksten Akteure Halt. Robben verließ nach nur einer Viertelstunde Spielzeit schnellstens die Allianz Arena, andere umschrieben ihr Befinden eindrucksvoll. «Mit jedem Tag wird es schlimmer. Mir wird immer mehr bewusst, was wir für eine Riesenchance liegen gelassen haben», meinte Heynckes. Thomas Müller, einem von acht deutschen Nationalspieler in Reihen der Bayern, kann selbst die anstehende EM kaum trösten: «Je mehr man Abstand gewinnt, desto schwieriger ist es», bekannte der Offensivmann. Toni Kroos resümierte: «Das wird alles noch ein bisschen dauern.»

Wie groß der Umbruch vor dem neuerlichen Trainingsauftakt am 3. Juli wirklich ausfällt, wird vor allem von Hoeneß und Rummenigge abhängen. Davon, ob es die beiden Bayern-Bosse noch mal mit denselben Führungskräften auf und neben dem Platz versuchen wollen - oder nach der bitteren Enttäuschung einen größeren Personalwechsel anstreben.

Absehbar ist, dass der Bayern-Kader nach dem zweiten titellosen Jahr zumindest mächtig durcheinandergewirbelt wird. Ein Sextett um die Publikumslieblinge Jörg Butt und Ivica Olic wurde am Rande des Kicks gegen den deutschen EM-Gruppengegner aus Holland verabschiedet. Fixe Zugänge sind bislang Torwart Tom Starke (Hoffenheim) als neue Nummer zwei hinter Manuel Neuer, der brasilianische Verteidiger Dante (Gladbach) und Mittelfeldmann Xherdan Shaqiri (Basel). Zudem deutet sich immer stärker eine Rückkehr von Claudio Pizarro aus Bremen an. In jedem Fall werde sich einiges ändern müssen, verdeutlichte auch Kapitän Philipp Lahm: «Denn wir wollen nicht immer Zweiter werden.»

Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
Fußball-Tabellen
Sporttabellen Fußball