21. Juli 2013

Wahler vor Aufstieg zum VfB-Boss

Stuttgart (dpa) - Eine Zerreißprobe dürfte dem VfB Stuttgart erspart bleiben. Im Manager Bernd Wahler hat der schwäbische Fußball-Bundesligist einen Präsidentschaftskandidaten gefunden, der aus der Mitgliederversammlung sehr wahrscheinlich als Vereinsboss Nummer sieben hervorgehen wird.

Favorit
Bernd Wahler ist der einzige Kandidat für das Amt des Vereinspräsidenten beim VfB Stuttgart. Foto: Daniel Maurer
dpa

Noch vor wenigen Wochen drohte dem DFB-Pokal-Finalisten der vergangenen Saison der große Knall. Der damalige Clubboss Gerd Mäuser hatte sich immer weiter ins Abseits manövriert, und auch der frühere Aufsichtsratschef Dieter Hundt geriet unter immer höheren Druck.

Doch nun scheint der Weg für einen Neuanfang beim VfB frei. «Ich werde mich da nicht verstellen, das muss authentisch sein», kündigte Wahler an, 55 Jahre alte Führungskraft des Sportartikelherstellers Adidas. «Dann wissen die Leute, mit wem sie es zu tun haben.»

Wahler trägt das VfB-Gen und ist lokal verankert. Er studierte an der Universität in Tübingen Biologie und Sportwissenschaft, im Anschluss daran Internationales Marketing. In der C- und B-Jugend spielte Wahler sogar für den Meister von 2007 Fußball.

Seine neue Aufgabe ist allerdings nicht leicht. Wahler soll den VfB nach dem zweijährigen Intermezzo von Mäuser künftig würdevoll repräsentieren und eine erfolgreiche sportliche Ära mitprägen. Dafür will er nach Mäusers rigorosem Sparkurs wieder richtig Geld in die Hand nehmen. «Es gibt die Bereitschaft, ein bisschen mehr zu riskieren, ein kalkuliertes Risiko einzugehen. Aber wir machen auch kein Harakiri», sagte Wahler im Vorfeld der Versammlung.

Das Kontrollgremium der Stuttgarter hält viel von dem designierten Clubboss. «Mit Bernd Wahler haben wir unseren Wunschkandidaten», hatte der neue Aufsichtsratsboss Joachim Schmidt nach der Bekanntgabe der eminent wichtigen Personalie am 2. Juli erklärt. Alles andere wäre auch verwunderlich gewesen.

Denn zu den brisanten Eigenheiten der VfB-Satzung gehört es, dass der Aufsichtsrat nur einen Bewerber ins Rennen schickt. Um einem Neuanfang nicht im Weg zu stehen, hatten erst Mäuser und dann auch Hundt ihren Rücktritt beim VfB eingereicht. Trotz des Einzugs ins Pokal-Endspiel und die damit verbundene erneute Europa-League-Teilnahme hatte die abgelaufene Saison viele Fans auf die Barrikaden getrieben. Jetzt kann Wahler ins schwäbische Rampenlicht treten.

Kontroverse Debatten wird es auf der Mitgliederversammlung in der Porsche-Arena sicher dennoch geben. Ein Streitpunkt: das Wappen. 1998 unterzog der Vorstand das Symbol einer Schönheitsoperation, um besser auf dem asiatischen Markt mitzumischen. Dabei wurde unter anderem das Gründungsjahr des Clubs 1893 durch den Stadtnamen ersetzt.

Seit geraumer Zeit streben Traditionalisten aber die Rückkehr zum alten Wappen an. Die Identifikation mit dem VfB liegt auch Wahler am Herzen. Mindestens genauso sehr der Erfolg. «Wir müssen aus dem Mittelfeld raus und uns weiter oben platzieren», erklärte er. Platz vier bis neun hält Wahler für realistisch.

Eines stellte der Manager mit Vorliebe für «konstruktive Konflikte und eine positive Streitkultur» jedoch unmissverständlich klar: «Es geht hier nicht nur um mich. Wir sind hier nicht bei Deutschland sucht den Superstar, dafür bin ich zu alt.» Das klingt wohltuend.

Hintergrund: Die Vereinssatzung des VfB Stuttgart

Stuttgart (dpa) - Die Vereinssatzung des VfB Stuttgart enthält eine große Besonderheit. Diese betrifft die Wahl des Clubpräsidenten. Denn für die Mitgliederversammlung des Fußball-Bundesligisten benennt der Aufsichtsrat genau einen Bewerber. Der Verein hat dadurch eine höhere Planungssicherheit. Auf der anderen Seite können sich Mitglieder jedoch nicht aktiv um das Amt bewerben oder jemanden vorschlagen. Dies sorgt an der Basis bisweilen für Unmut. Der neue Aufsichtsratschef Joachim Schmidt hat jüngst mit Blick auf eine mögliche Änderung der Satzung Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Informationen zur Mitgliederversammlung

VfB-Satzung

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